Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 02.05.2022

  • Leben mit der Volatilität
  • Aktienmärkte geben nach
  • Anleihen vorerst stabilisiert
  • Euro fällt weiter
  • Gas und Öl: Der Dinge Harren
  • Leichtes Wirtschaftswachstum zu Jahresbeginn
  • Inflationsrate steigt auf 7,4 %
  • Geschäftsklima etwas gefestigt
  • Konsumklima gibt erneut nach

Leben mit der Volatilität

In der vergangenen Woche wurden die Märkte von mehreren Meldungen erschüttert: Russlands Einstellen der Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien; Nachrichten über einen möglichen Lockdown in Beijing; Sorgen um eine Ausweitung des Ukrainekrieges auf Moldau. Ob dieser Nachrichten standen Unsicherheiten um die Lieferketten und die Energielieferungen wieder im Fokus. Doch da diese nicht als Risiken quantifizierbar und die Ernstfälle bisher auch nicht eingetreten sind, bleibt ihre Einpreisung schwierig bis unmöglich. So blieben schwerwiegende Verwerfungen an den Märkten vorerst aus.

Von bleibender Wirkung ist hingegen die eindeutig kommunizierte Zinswende der Federal Reserve. Für die Sitzung am 3. Mai erwarten Analysten und Beobachter der US-Notenbank einen Zinsschritt um 50 Basispunkte und einen Plan zum Abbau ihrer Bilanz. Auch diese Erwartung hat zehnjährige US-Staatsanleihen auf eine Rendite von 2,885 % getrieben, die in der vergangenen Woche nicht weiter stieg. Der Wechselkurs des Euro in Dollar fiel weiter auf nunmehr nur noch 1,05 Dollar zum Euro. Die fortwährende Abwertung des Euro im Außenhandel, gepaart mit der ohnehin hohen Inflation in der Eurozone, hält den Druck auf die EZB hoch. Im April erreichte die Inflation 7,5 %, weiterhin von Energie und Nahrung getrieben. Aber auch die um diese volatilen Komponenten bereinigte Kerninflation stieg auf nunmehr 3,5 %. Zusehends rechnen Analysten daher mit einem ersten Zinsschritt auch der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die EZB verweist diesbezüglich auf die Daten und ihr Prognosemodell. Gemäß selbiger werde die EZB ihre Politik festlegen. Führende Vertreter wie etwa Vizepräsident Luis de Guindos, bereits am 21. April, betonen ein Abklingen der Inflation in der zweiten Jahreshälfte. Gleichzeitig verweisen sie auf die Gefahr importierter Inflation und die Bedrohung einer Verstetigung der Inflation. Folgerichtig schloss auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde bei einem Auftritt am Mittwoch, dem 27. April, einen Zinsschritt im Juli nicht aus. Auch sie verwies bezüglich der Entscheidungsfindung auf die Daten und damit, da die Daten im Sommer ausgewertet sind, auf eine mögliche Entscheidung zu Beginn des 3. Quartals.

Aktienmärkte geben nach

Trotz mitunter guter Unternehmenszahlen ist die Stimmung an den Aktienmärkten schlecht. Nach zwei Monaten Krieg und hohen Inflationsraten ist diese Eintrübung nicht unerwartet, weshalb ein Ausverkauf dennoch ausbleibt. Mit den Lockdowns in China, Russlands Drohung mit einem Energieboykott und den kriegs- wie lieferkettenbedingten Verwerfungen bestehen aber weiterhin genügend Risiken, um einen solchen Ausverkauf zu bedingen. Da diese aber noch nicht eingetreten sind, blieb die Lage insbesondere in Europa eher ruhig. Der DAX sank in der Vorwoche nur um 0,3 %, der europäische Stoxx 50 um 0,97 %. In den USA hingegen kommen die Sorgen um eine Rezession hinzu, da die ob der Inflation in den USA nötige Zinswende der Fed auf die genannten geopolitischen Faktoren trifft. Der S&P 500 sank

Anleihen vorerst stabilisiert

Die westlichen Anleihenmärkte beendeten die Woche einigermaßen unverändert. Nach einem Wochenauftakt bei 0,92 % Rendite gingen die zehnjährigen Bundesanleihen mit einer Rendite von 0,94 % aus der Woche. In den USA zeigte sich ein ähnliches Bild: Mit 2,885 % Rendite sind die zehnjährigen Anleihen der Vereinigten Staaten fast unverändert. Der Anstieg der Anleihenrenditen verläuft jedoch nicht linear. So stieg der Zinsabstand zwischen zehnjährigen deutschen und italienischen Anleihen in den vergangenen drei Monaten von 139 auf 184 Basispunkte.

Euro fällt weiter

In der Vorwoche fiel der Euro zwischenzeitlich unter die Marke von 1,05 Dollar pro Euro und markierte damit den tiefsten Stand seit Januar 2017. Am Freitag, dem 29. April, konnte der Euro sich leicht auf 1,054 Dollar erholen. Dennoch liegt der Euro gegenwärtig auch gegenüber einem breiten Korb von 42 wichtigen Handelspartnern unter seinem Dreimonatsmittel.

Gas und Öl: Der Dinge Harren

Der Gaspreis reagierte unter der Woche stark auf die Einstellung der Lieferungen an Polen und Bulgarien, fiel ob der vorerst ausbleibenden Eskalation wieder ab und schloss nur 0,5 % höher. Öl der Nordseesorte Brent beendete die Woche mit einem Stand von 108,4 Dollar pro Barrel 3 % höher.

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Leichtes Wirtschaftswachstum zu Jahresbeginn

Im 1. Quartal ist die deutsche Wirtschaft wieder auf ihren Wachstumspfad zurückgekehrt, trotz der beginnenden Belastungen durch die russische Invasion in der Ukraine. Gemäß der vorläufigen Schnellschätzung des Statistischen Bundesamtes stieg das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vormonat leicht um 0,2 %. Der BIP-Zuwachs fiel damit genauso stark aus, wie jüngste Schätzungen des BVR hatten erwarten lassen. Ein Abgleiten der deutschen Wirtschaft in eine technische Rezession, im Sinne eines zweimaligen BIP-Rückgangs in Folge, ist somit ausgeblieben. Im Jahresendquartal 2021 war die preisbereinigte Wirtschaftsleistung angesichts der vierten Pandemiewelle und der zeitweise verschärften Infektionsschutzmaßnahmen um -0,3 % gesunken. Zum leichten BIP-Zuwachs im Jahresauftaktquartal dürften höhere private Konsumausgaben beigetragen haben, angeregt durch die Rückführung der Schutzmaßnahmen. Auch die Bauinvestitionen wurden offenbar ausgeweitet, befördert von der vergleichsweisen milden Witterung. Im Euroraum expandierte das BIP nach ersten amtlichen Schätzungen im 1. Quartal um 0,2 %, nachdem es bereits im 4. Quartal zugelegt hatte (+0,3 %). Detaillierte Angaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im Jahresauftaktquartal werden für Deutschland am 25. Mai und für den Euroraum am 8. Juni veröffentlicht.

Inflationsrate steigt auf 7,4 %

Ausgehend von einem hohen Niveau ist die Inflationsrate Deutschlands im April weiter gestiegen. Nach ersten amtlichen Berechnungen lag der Verbraucherpreisindex (VPI) um 7,4 % über seinem entsprechenden Vorjahresmonatswert. Im März waren die Verbraucherpreise noch um 7,3 % gestiegen. Maßgeblich für den weiteren Anstieg der Inflationsrate waren die Nahrungsmittelpreise. Nahrungsmittel haben sich im April nochmals stärker verteuert als zuvor (+8,5 % gegenüber +6,2 % im März). Bei den Energiepreisen hat sich der Preisauftrieb allerdings etwas vermindert (+35,3 % nach +39,5 %), wozu unter anderem die Freigabe von staatlichen Ölreserven beitrug. Der BVR geht im Hauptszenario seiner aktuellen Inflationsprognose davon aus, dass die Inflationsrate Deutschland im gesamten 2. Quartal bei rund 6 % liegen wird (siehe BVR Volkswirtschaft Kompakt vom 12. April). Für den weiteren Jahresverlauf und auch das kommende Jahr wird aber ein merklicher Rückgang der Inflationsrate prognostiziert. Demnach dürfte die Teuerungsrate Ende 2023 unter 3 % sinken. Grundlegende Annahmen dieses Szenarios ist, dass die russischen Energielieferungen nach Deutschland aufrecht erhalten bleiben und dass die geopolitischen Risiken in der zweiten Jahreshälfte merklich nachlassen werden.

Geschäftsklima etwas gefestigt

Nach dem kriegsbedingten Einbruch vom März hat sich die Stimmung in den Unternehmen der deutschen Wirtschaft etwas stabilisiert. Im April ist der ifo Geschäftsklimaindex gegenüber dem Vormonat um 1,0 Punkte auf 91,8 Punkte gestiegen. Grund für den leichten Anstieg des viel beachteten Frühindikators war insbesondere seine Erwartungs- aber auch seine Lagekomponente. So habe die vom ifo Institut befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage per Saldo minimal besser bewertet als zuvor. Zudem nahm ihre Skepsis in Hinblick auf die Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten im April ab, nachdem sich die Perspektiven im März massiv eingetrübt hatten. Nach Wirtschaftszweigen differenziert, hat sich das Geschäftsklima jüngst im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor (ohne Handel) verbessert. Im Handel und im Bauhauptgewerbe hat sich die Stimmung hingegen verschlechtert, auch wegen der hohen Lieferengpässe.

Konsumklima gibt erneut nach

Im Gegensatz zur Entwicklung in den Unternehmen, hat sich die wirtschaftliche Stimmung unter den Verbrauchern in Deutschland jüngst weiter verschlechtert. Das GfK-Konsumklima ist von -8,5 Punkten im März auf -15,7 Punkte im April gefallen. Ferner prognostizieren die GfK-Experten für Mai einen weiteren Rückgang des Konsumklimaindikators auf -26,5 Punkte. Gemäß den GfK-Angaben haben sich jüngst die Einkommens und Konjunkturerwartungen und die Anschaffungsneigung der befragten Verbraucher verschlechtert. Die Hauptgründe hierfür sind im andauernden Höhenflug der Verbraucherpreise und in den kriegsbedingt gestiegenen Unsicherheiten zu sehen. Diese dürften die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im laufenden 2. Quartal deutlich bremsen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR