Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 03.01.2022

  • Omikron, Klima-Transformation und Zinswende im Fokus für 2022
  • Aktienmärkte halten Kurszuwächse
  • Renditen entfernen sich von Tiefständen
  • Türkische Lira weiter auf Abwegen
  • Gaspreis bleibt zum Jahresende hoch
  • Deutliche Eintrübung des Konsumklimas
  • Schwächere Verbraucherstimmung auch im Euroraum
  • DIW-Konjunkturbarometer gibt nach

Omikron, Klima-Transformation und Zinswende im Fokus für 2022

Wenig beeindruckt durch die Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus schlossen die Aktienmärkte zum Jahresende robust. Beruhigend wirkte sich zum Jahresende eine britische Studie aus, die bestätigte, dass Omikron zwar deutlich ansteckender ist als die bislang dominierende Delta-Variante, aber insgesamt zu deutlich milderen Krankheitsverläufen führt.

Auch für das Jahr 2022 ist der Ausblick eher positiv. Die Konjunkturprognosen sind zwar zum Ende des Jahres reduziert worden, lassen aber in Deutschland wie auch in den meisten entwickelten Volkswirtschaften ein solides Plus der Wirtschaftsleistung erwarten. Ein Bremsfaktor bleiben die anhaltenden Materialengpässe, die sich voraussichtlich nur langsam im Jahresverlauf auflösen werden.

Den Engpässen bei der Beschaffung von Vorprodukten stehen teilweise deutliche Preisanhebungen gegenüber, die sich weiterhin in dem Anstieg der Verbraucherpreise widerspiegeln werden. Zu einem Hemmschuh für die Aktienmärkte dürfte die Inflation aber nur werden, wenn es nicht gelingt, die Kapazitätsengpässe in der Wirtschaft im Jahresverlauf deutlich zurückzuführen.

Die Geldpolitik dürfte sich auch im Euroraum in den kommenden Monaten langsam auf eine Zinswende vorbereiten. Diese dürfte aber sehr moderat ausfallen, sofern am Arbeitsmarkt keine Lohn- Preis-Spirale in Gang kommt. Die Finanzierungsbedingungen dürften in diesem Fall sehr günstig bleiben. Die Investitionstätigkeit dürfte sich deutlich beleben, wenn die Politik geeignete Investitionsanreize setzt, um die Klima-Transformation mit der notwendigen Dynamik auf den Weg zu bringen.

In der Türkei dürfte sich die abenteuerliche Wirtschaftspolitik des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan fortsetzen. Vor Weihnachten überraschte er die Märkte mit Gegenmaßnahmen den Verfall der türkischen Lira, unter anderem eine staatliche Einlagengarantie zum Schutz gegen Währungsschwankungen. Die Maßnahmen führten kurzfristig, ähnlich wie eine Zinssteigerung, zu einer Aufwertung der Lira. Die Devisenreserven des Landes sind als Folge von Interventionen der Zentralbank deutlich gesunken. Zudem halten die Bürger in der Türkei inzwischen etwa die Hälfte ihrer Ersparnisse in Fremdwährungen und Gold.

Aktienmärkte halten Kurszuwächse

Unbeeindruckt von der Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus und der anhaltenden konjunkturellen Bremseffekte durch Materialengpässe haben die Aktienmärkte zum Jahresausklang ihre Zuwächse halten können. Der Deutsche Leitindex DAX schloss zum Jahresultimo mit 15.884,86 Punkten, damit lag er um 15,8 % höher als ein Jahr zuvor und nicht weit unter seinem Jahreshoch von 16.251,13 Punkten vom 17. November. Der Dow Jones schloss Ende des Jahres 2021 mit 36.338,3 Punkten und damit um 18,7 % höher als ein Jahr zuvor.

Renditen entfernen sich von Tiefständen

Die Aussichten auf einen konjunkturellen Aufschwung nach einem Überwinden der Coronarezession haben zusammen mit der Erwartung einer Zinswende der Notenbanken zu einem Anstieg der Renditen dies- und jenseits des Atlantiks geführt. In Deutschland lag die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen zum Jahresultimo bei -0,18 % und damit 40 Basispunkte höher als ein Jahr zuvor. In den USA erhöhte sich die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen um 59 Basispunkte auf 1,50 %. In den letzten Handelstagen verlief der Handel ruhig bei geringen Umsätzen.

Türkische Lira weiter auf Abwegen

Die Abwärtsspirale der türkischen Lira wurde durch die außergewöhnlichen Hilfsmaßnahmen der türkischen Regierung kurz vor Weihnachten vor Abwertungen der Währung nur vorübergehend gestoppt. Die türkische Lira notierte zum Jahresende bei 15,2 Lira, im Vergleich zum Jahresultimo 2020 entspricht dies einer Abwertung um 67 %. Der Euro blieb in den letzten Handelstagen gegenüber dem Dollar stabil, zum Jahresultimo notierte er mit 1,1326 Dollar pro Euro um 7,7 % schwächer als ein Jahr zuvor.

Gaspreis bleibt zum Jahresende hoch

Der Brentöl-Preis verteuerte sich in der zweiten Dezemberhälfte wieder etwas, erreichte aber noch nicht wieder die im November erreichten Höchststände. Zum Jahresultimo kostete ein Barrel Brentöl 79,38 US-Dollar, das waren 53 % mehr als ein Jahr zuvor. Der Gaspreis hatte vor Weihnachten kurzzeitig vor dem Hintergrund eines Kälteeinbruchs und des anhaltenden Ukrainekonflikts in Europa mit 182 Euro pro Megawattstunde ein extremes Hoch erreicht, schloss mit 78,5 Euro zum Jahresende aber wieder auf einem moderateren Niveau. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Gaspreis damit aber immer noch mehr als verdreifacht (+315 %).

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Deutliche Eintrübung des Konsumklimas

Zum Jahreswechsel hat sich das Konsumklima in Deutschland merklich eingetrübt. Der auf einer monatlichen Verbraucherumfrage des Marktforschungsunternehmens GfK basierende Stimmungsindikator ist von 1,0 Punkte im November auf -1,8 Punkte im Dezember gesunken. Zudem prognostizieren die GfK-Fachleute für Januar einen weiteren Rückgang des Konsumklimas auf -6,8 Punkte. Der Indikator würde dann auf den niedrigsten Stand seit Juni 2021 (-6,9 Punkte) fallen. Für die Talfahrt des Konsumklimas sind vor allem zwei Gründe verantwortlich: die vierte Coronawelle, die Verschärfungen von Infektionsschutzmaßnahmen nach sich zieht, und die stark steigenden Verbraucherpreise. Vor diesem Hintergrund haben sich jüngst sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartungen der Konsumenten als auch ihre Anschaffungsneigung spürbar verschlechtert.

Die Teilindikatoren zu den Konjunktur- und den Einkommenserwartungen sind im Dezember bereits den dritten Monaten in Folge gesunken, im Fahrwasser der anhaltenden Materialengpässe in der Wirtschaft und der hohen Preissteigerungen, welche die Kaufkraft der Haushaltseinkommen vermindern. Zum Rückgang der Anschaffungsneigung trug nicht zuletzt die bundesweit geltende 2G-Regel bei, die Einkaufen in weiten Teilen des stationären Handels nur noch für geimpfte oder genesene Personen ermöglicht. Alles in allem lassen die jüngsten Umfrageergebnisse für das Winterhalbjahr 2021/22 eine spürbare Abkühlung der Konsumkonjunktur erwarten. Zuletzt, im 3. Quartal, war der Privatkonsum noch ein wichtiger Treiber des gesamtwirtschaftlichen Wachstums gewesen. Die privaten Konsumausgaben expandierten gegenüber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt um kräftige 6,2 %.

Schwächere Verbraucherstimmung auch im Euroraum

Nicht nur in Deutschland, auch im Euroraum als Ganzes hat sich die Stimmung unter den Verbrauchern zuletzt verschlechtert. Nach vorläufigen Angaben der EU-Kommission ist der Indikator des Verbrauchervertrauens im Dezember gegenüber dem Vormonat um 1,5 auf -8,3 Punkte zurückgegangen. Er befindet sich damit aber noch immer über seinem langjährigen Mittelwert von rund - 11 Punkten. Maßgeblich für die rückläufige Entwicklung des Verbrauchervertrauens dürften auch im Euroraum die gestiegenen Pandemie- und Inflationssorgen sein.

DIW-Konjunkturbarometer gibt nach

Hierzulande verdichten sich immer mehr die Signale, die auf eine merkliche Abschwächung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums im Winterhalbjahr deuten. So ist im Dezember neben dem GfK Konsumklima, dem ifo Geschäftsklima und den ZEW-Konjunkturerwartungen auch das vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) berechnete Konjunkturbarometer gesunken. Der DIW-Indikator fiel gegenüber dem Vormonat um 1 Punkt auf einen Stand von 96 Punkten. Im Zuge dessen rechnen die DIW-Fachleute damit, dass das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands im 4. Quartal gegenüber dem Vorquartal wohl leicht schrumpfen wird. Im 3. Quartal war das BIP noch um kräftige 1,7 % gestiegen. Für den jüngsten Rückgang des Konjunkturbarometers waren vor allem die einbezogenen Industrie- und Dienstleistungsindikatoren verantwortlich, die sich wegen der anhaltenden Belastungen durch die Materialknappheiten und die Pandemieentwicklung vielfach verschlechterten.

Exporterwartungen merklich zurückgegangen

Angesichts gestiegener Unsicherheiten, die sich nicht zuletzt aus der global zunehmenden Verbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus ergeben, haben sich die Exporterwartungen des hiesigen Verarbeitenden Gewerbes deutlich eingetrübt. Der auf einer monatlichen Unternehmensumfrage des ifo Instituts beruhende Indikator ist jüngst von 15,8 Punkten im November auf 12,1 Punkte im Dezember gefallen. Zum Rückgang des Indikators trug ein kräftiger Dämpfer in der Automobilindustrie bei. Hier werden zwar überwiegend weitere Aufträge aus dem Ausland erwartet, jedoch im deutlich geringeren Umfang als im November. Auch bei den Herstellern von elektrischen Ausrüstungen haben die Exporterwartungen erheblich nachgelassen. Im Maschinenbau haben sich die Erwartungen aber verbessert, entgegen dem allgemeinen Trend. Insgesamt legen die jüngsten Unternehmensmeldungen nahe, dass die Exporte des Verarbeitenden Gewerbes zu Jahresbeginn weiter steigen werden. Die Ausfuhren der gesamten deutschen Wirtschaft waren zuletzt, im Oktober, gegenüber dem Vormonat kalender- und preisbereinigt um deutliche 4,1 % gestiegen. Damit konnten die leichten Rückgänge vom August (-0,8 %) und September (-0,7 %) mehr als ausgeglichen werden.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR

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