Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 04.10.2021

  • Shutdown der US-Regierung abgewendet
  • Aktienpreise deutlich im Minus
  • US-Dollar Rally setzt sich fort
  • Straffungsphantasie treibt US-Renditen
  • Aufwärtstrend bei Rohölpreisen hält an
  • Dynamische Herbstbelebung am Arbeitsmarkt
  • Inflationsrate steigt auf hohe 4,1 %
  • Euroraum-Inflationsrate ebenfalls gestiegen
  • Euroraum-Wirtschaftsklima bleibt auf nahezu unverändert hohem Stand

Shutdown der US-Regierung abgewendet

In den USA haben am Donnerstag beide Kammern des Kongresses für einen Übergangshaushalt bis zum 3. Dezember gestimmt. Damit wurde ein Shutdown vorerst abgewendet. Das neue Haushaltsjahr beginnt in den USA zum 1. Oktober. Die politischen Konflikte, insbesondere der Konflikt um das 3,5 Bill. US-Dollar umfassende Sozialpaket, bleiben allerdings ungelöst. Die Schuldengrenze dürfte nach Einschätzung von Finanzministerin Yellen jedoch bereits Mitte Oktober erreicht werden. Diese müsse erhöht oder ausgesetzt werden, um einen Zahlungsausfall der USA zu verhindern.

Aktienpreise deutlich im Minus

Die Aktienmärkte in Deutschland starteten freundlich in die vergangene Woche. Das Ergebnis der Bundestagswahl lässt eine Ampel-Koalition wahrscheinlich erscheinen, aber auch eine Jamaika-Koalition wäre möglich. An den Börsen mit Erleichterung aufgenommen wurde, dass ein Linksbündnis nicht über eine Mehrheit im Bundestag verfügt. Nach Kursgewinnen am Montag gingen die Notierungen im weiteren Wochenverlauf allerdings deutlich zurück. Der DAX rutschte Freitagvormittag sogar kurzzeitig unter die Marke von 15.000 Punkten und notierte damit so schwach wie zuletzt im Mai dieses Jahres. Im Rahmen einer Anhörung im Senat äußerte Jerome Powell, dass eine Verfestigung der aktuell hohen Inflation eine geldpolitische Straffung notwendig machen würde. Dies weckte die Befürchtung, die Fed könnte die geldpolitische Straffung weiter vorziehen. Im Wochenverlauf rückte auch die immer noch unklare Situation um den chinesischen Immobilienentwickler Evergrande in den Fokus. Am Mittwoch wurde erneut eine Zahlungsverpflichtung gegenüber Bondinvestoren nicht eingehalten. Wenngleich eine unkontrollierte Insolvenz wenig wahrscheinlich erscheint und die chinesische Zentralbank den Geldmarkt durch eine großzügige Liquiditätszufuhr stützt, erscheint ein Bail-out aktuell wenig wahrscheinlich. Insbesondere ausländische Investoren müssen sich wohl auf hohe Abschreibungen einstellen. Die Einigung in den USA auf einen Übergangshaushalt hatte den Aktienpreisen am Donnerstag nur kurzfristig Luft verschafft. Diese Einigung in letzter Sekunde wurde von Marktteilnehmern antizipiert. Auch die aktuell noch ungelöste Situation um die Schuldenobergrenze sorgt bisher für wenig Verunsicherung. Der DAX verlor in der vergangenen Woche 2,4 % an Wert und schloss am Freitag bei 15.156 Punkten. Auch deutsche Nebenwerte verzeichneten kräftige Kursrückgänge. In Europa ging der STOXX Europe 600 Index um 2,2 % zurück. In den USA verlor der S&P 500 Index ebenfalls 2,2 % an Wert.

US-Dollar Rally setzt sich fort

Der Euro hat in der vergangenen Woche erneut kräftig an Außenwert verloren. Insbesondere gegenüber dem US-Dollar wertete die europäische Währung kräftig ab und notierte so schwach wie zuletzt Mitte 2020. Zum Wochenende notierte der Euro bei 1,16 US-Dollar. Dies waren 1,0 % weniger als zum Ende der Vorwoche. Maßgeblich für die Abwertung des Euro in den vergangenen Wochen dürfte das absehbare Auseinanderdrifteten der europäischen und der US-Geldpolitik sein. In den USA wird bereits aktiv über eine Rückführung des geldpolitischen Expansionsgrads diskutiert. Eine erste Zinserhöhung wird bereits im kommenden Jahr erwartet. Im Euroraum scheint hingegen nicht einmal das Auslaufen des an die Phase der pandemischen Notlage gekoppelte Notfallkaufprogramm im März 2022 sicher. Gegenüber den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartner des Euroraums wertete der Euro um 0,6 % ab.

Straffungsphantasie treibt US-Renditen

Die Kapitalmarktzinsen haben in der vergangenen Woche nochmals leicht angezogen. Die Umlaufsrenditen von US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit zogen in der vergangenen Woche um 1 Basispunkt auf 1,47 % an. Hierin dürfte sich die Erwartung steigender US-Zinsen infolge einer geldpolitischen Straffung der Fed widerspiegeln. Aber auch Deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten zum Wochenultimo mit -0,22 % rund 1 Basispunkt höher als in der Vorwoche.

Aufwärtstrend bei Rohölpreisen hält an

Die Rohölpreise haben auch in der vergangenen Woche wieder angezogen. Ein Fass der Sorte Brent kostete zum Wochenultimo 76,0 US-Dollar. Dies waren 2,5 % mehr als zum Ende der Vorwoche. In den USA notierte ein Fass Leichtöl der Sorte WTI zum Wochenende bei 79,4 US-Dollar, knapp 2,6 % mehr als eine Woche zuvor. In der vergangenen Woche hatte die OPEC verkündet, trotz des Angebotsüberhangs der vergangenen Monate weiter an der geplanten nur geringen Ausweitung der Fördermenge in den kommenden Monaten festhalten zu wollen.

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Dynamische Herbstbelebung am Arbeitsmarkt

Der deutsche Arbeitsmarkt erholt sich weiter von den Folgen der Coronapandemie. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist die Arbeitslosenzahl im September gesunken. Gegenüber dem Vormonat fiel sie um 114.000 auf 2,465 Mio. Menschen. In saisonbereinigter Rechnung ging die Arbeitslosenzahl um 30.000 Menschen zurück. Somit trug zum Rückgang der Arbeitslosigkeit neben der einsetzenden Herbstbelebung nach dem Ende der Werksferien in vielen Betrieben offenbar im merklichen Umfang auch die gute Konjunktur bei. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote verharrte im September auf ihrem vergleichsweise niedrigen Vormonatsstand von 5,4 %. In den Angaben zur Erwerbstätigkeit setzte sich die spürbare Aufwärtsbewegung fort. Die saisonbereinigte Erwerbstätigenzahl ist jüngst, im August, gegenüber dem Vormonat um 66.000 Personen gestiegen. Im Juli hatte sie im Zuge der Lockerungen von Infektionsschutzmaßnahmen vom Frühjahr sogar um 101.000 zugelegt. In naher Zukunft ist mit einem weiteren Beschäftigungsaufbau zu rechnen. Hierauf deutet zumindest der BA-Stellenindex BA-X hin. Der Indikator für die Arbeitskräftenachfrage stieg im September um 1 Punkt auf 124 Punkte. Er befindet sich um deutliche 30 Punkte über seinem niedrigen Vorjahresmonatsstand.

Inflationsrate steigt auf hohe 4,1 %

In Deutschland dürfte sich der bereits zuvor recht kräftige Preisauftrieb auf der Verbraucherstufe im September weiter beschleunigt haben. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg der Verbraucherpreisindex (VPI) um 4,1 % über seinem entsprechenden Vorjahresmonatswert. Eine mit 4,3 % noch höhere Inflationsrate wurde letztmalig im Nachgang des Wiedervereinigungsbooms im Dezember 1993 gemessen. Im August lag die Inflationsrate bei 3,9 %. Maßgeblich für den Anstieg der Gesamtrate waren die Energiepreise, die sich im September stärker verteuerten als zuvor (+14,3 % gegenüber +12,6 % im August). Zum Anstieg trugen aber auch die Nahrungsmittelpreise bei. Im Zuge schlechter Ernten stiegen diese im September um kräftige 4,9 %, nachdem sie zuvor um 4,6 % zugelegt hatten. Demgegenüber blieb der Preisanstieg bei den Dienstleistungen weniger kräftig. Diese legten im September um 2,5 % zu und damit im gleichen Umfang wie zuvor. Für die nächsten Monate zeichnet sich angesichts der weit verbreiteten Materialengpässe eine weitere Beschleunigung des Preisauftriebs ab. Die Materialengpässe haben bereits merklich auf die Preise auf der Erzeugerstufe durchgeschlagen. So sind die Industrie-Erzeugerpreise jüngst, im August, um außergewöhnliche 12,0 % gestiegen.

Euroraum-Inflationsrate ebenfalls gestiegen

Parallel zur Entwicklung in Deutschland dürfte die Inflationsrate im Euroraum als Ganzes jüngst ebenfalls gestiegen sein. Gemäß ersten Berechnungen von Eurostat lag der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) um 3,4 % über seinem Vorjahresmonatswert. Im August waren die Euroraum- Verbraucherpreise noch um 3,0 % gestiegen. Die Inflationsrate befindet sich damit weiterhin deutlich über der Marke von 2 %, bei der die Europäischen Zentralbank mittelfristig das Ziel der Preisniveaustabilität gewahrt sieht. Neben dem stärkeren Anstieg der Energiepreise (+17,4 % nach +15,4 % im August) trug im Euroraum auch die höhere Dynamik bei den Dienstleistungspreisen (+1,7 % nach +1,1 %) zur Zunahme der Inflationsrate bei. Bei den Preisen für Nicht-Energie-Industriegütern zeigte sich jedoch ein Rückgang, entgegen dem allgemeinen Trend. Maßgeblich für den Rückgang in diesem Bereich dürfte der Wegfall von Sondereffekten gewesen sein. So waren im August die Preise für Nicht- Energie-Industriegüter, befördert durch einen verspäteten Sommerschlussverkauf in Frankreich und Italien um kräftige 2,6 % gestiegen. Im September haben sie sich hingegen um 2,1 % verteuert.

Euroraum-Wirtschaftsklima bleibt auf nahezu unverändert hohem Stand

Die wirtschaftliche Stimmung im Euroraum blieb im September nahezu konstant auf vergleichsweise hohem Niveau. Der monatlich von der EUKommission anhand einer Umfrage unter Verbrauchern und Unternehmen ermittelte Wirtschaftsklimaindex stieg minimal von 117,6 Punkten im August auf 117,8 Punkte im September. Zuletzt standen einer Stimmungsaufhellung im Baugewerbe und unter den Verbrauchern Stimmungseintrübungen im Dienstleistungsbereich (ohne Handel) und im Handel gegenüber. Das hohe Niveau des Wirtschaftsklima-Indikators lässt für das zu Ende gegangene 3. Quartal ein merkliches Wirtschaftswachstum erwarten. Erste amtliche Angaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Euroraums im Sommerquartal wird Eurostat am 29. Oktober veröffentlichen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR

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