Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 05.02.2024

  • Rückläufige Inflation gibt Zinsoptimisten Auftrieb
  • Rückschlagspotenzial nicht unterschätzen
  • Aktien: Neues Rekordhoch erreicht
  • Anleihen: Renditen sinken
  • Devisen: Arbeitsmarkt hilft Dollar
  • Rohstoffe: Chinakrise drückt Ölpreis
  • Inflationsrate auf 2,9 % gesunken
  • Arbeitsmarkt in der Winterpause
  • BIP im 4. Quartal um 0,3 % zurückgegangen
  • Stagnierendes Euroraum-BIP

Rückläufige Inflation gibt Zinsoptimisten Auftrieb

Positiv haben die Finanzmärkte auf die rückläufigen Inflationsraten reagiert. Sowohl in Deutschland als auch im Euroraum ist die Teuerung zurückgegangen. Und auch international lässt der Preisauftrieb im Trend nach. Die erhofften Zinssenkungen werden dennoch auf sich warten lassen. Immer wieder bekräftigen Notenbanker ihre Absicht, den Zinssenkungszyklus erst zu beginnen, wenn sich die Inflation absehbar in die Nähe des geldpolitischen Ziels bewegt.

Die Bank of England ließ den Leitzins bei ihrer Sitzung am 1. Februar unverändert bei 5,25 %, zwei Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses wollte entgegen der Mehrheit den Leitzins nochmals anheben, eins ihn absenken. Angesichts der uneinheitlichen Einschätzungen verschoben sich die Erwartungen auf einen ersten Zinsschritt dort in Richtung Jahresmitte.

Die Fed, die am 31. Januar ebenfalls ihren Leitzins bei 5,25-5,50 % bestätigte, enttäuschte Zinsoptimisten, die bereits im März mit einer Zinssenkung gerechnet hatten, mit einer recht klaren Absage, ließ allerdings auch eine kleine Hintertür für eine frühere Zinssenkung offen.

Rückschlagspotenzial nicht unterschätzen

Das vom DAX am Ende der Handelswoche erzielte Allzeithoch und rückläufige Anleiherenditen reflektieren den Optimismus der Marktteilnehmer. Doch bleibt es dabei, dass Zinssenkungen im Euroraum auf den kommenden Ratssitzungen im März und im Mai noch nicht abzusehen sind. Gleichzeitig zeigten sich die Konjunkturaussichten für Deutschland immer noch sehr verhalten. Insofern besteht auf den Aktienmärkten Rückschlagspotenzial, unter anderem mit Blick auf internationale Entwicklungen, wie etwa eine mögliche weitere Eskalation der Krise im Nahen Osten, die Krise am chinesischen Immobilienmarkt sowie die weitere Situation des US-Gewerbeimmobilienmarktes und der dort stark engagierten Banken.

Aktien: Neues Rekordhoch erreicht

Starke US-Unternehmensbilanzen und die Hoffnung auf Zinssenkungen gaben dem DAX Rückenwind. Am Freitag erreichte der deutsche Leitindex im Tagesverlauf ein neues Allzeithoch von 17.005 Zählern, der vorherige Rekordwert war im Dezember mit 17.003,28 Punkten nur einen Hauch niedriger markiert worden. Am Ende der Handelswoche lag der DAX mit 16.918,2 Punkten und 0,25 % niedriger als eine Woche zuvor. Der Dow Jones legte im gleichen Zeitraum um 1,43 % auf 38.654,4 Punkte zu.

Anleihen: Renditen sinken

Auftrieb bekam der Rentenmarkt von überraschend niedrigen Inflationszahlen und den damit verbundenen Zinsfantasien. Eine Gegenbewegung löste am Freitag der US-Arbeitsmarktbericht aus, der eine überraschende Dynamik aufzeigte. Der Stellenzuwachs lag im Januar bei 353.000 Personen statt der erwarteten 180.000 Jobs. Zum Ende der Woche lag die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen mit 2,23 % um sieben Basispunkte niedriger als eine Woche zuvor. Die Rendite 10-jähriger US-Bundesanleihen ging im Wochenvergleich um 12 Basispunkte auf 4,03 % zurück.

Devisen: Arbeitsmarkt hilft Dollar

Der Euro pendelte im Wochenverlauf zwischen den Marken von 1,08 und 1,09 US-Dollar. Unterstützung bekam der Dollar durch die US-Notenbank, die Erwartungen auf rasche Zinssenkungen gedämpft hatte und den US-Arbeitsmarktbericht, der eher auf zusätzliche Inflationsrisiken hindeutete. Am Freitag, dem 2. Februar lag der Wechselkurs bei 1,079 Dollar pro Euro und notierte damit um 0,63 % niedriger als eine Woche zuvor.

Rohstoffe: Chinakrise drückt Ölpreis

Die Rohölpreise steht weiter unter dem Einfluss der Nahostkrise und bewegen sich oberhalb der Marke von 80 Dollar pro Barrel. Dämpfend auf die Rohölpreise wirkt sich hingegen die Immobilienkrise in China aufgrund der hohen Bedeutung Chinas für die globale Ölnachfrage aus. Am Freitag, dem 2. Februar kostete Rohöl der Sorte Brent 77,53 Dollar, im Wochenvergleich entspricht dies einem Rückgang um 5,39 %.

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Inflationsrate auf 2,9 % gesunken

Zu Jahresbeginn hat sich in Deutschland der Preisauftrieb auf der Verbraucherstufe weiter abgeschwächt. Wie das Statistische Bundes-amt auf Basis vorläufiger Angaben mitteilte, übertraf der Verbraucherpreisindex (VPI) im Januar seinem Vorjahresmonatswert um 2,9 %. Die Inflationsrate ist damit auf den niedrigsten Stand seit Juni 2021 (+2,4 %) gesunken. Im Dezember hatten sich die Verbraucherpreise noch um 3,7 % verteuert. Maßgeblich für den jüngsten Rückgang der Inflationsrate waren die Energiepreise. Energie verbilligte sich im Januar trotz des Wegfalls der staatlichen Energiepreisbremsen und trotz der deutlichen Anhebung des CO2-Preises um 2,8 %. Zuvor, im Dezember, hatten sich die Energiepreise noch um 4,1 % verteuert. Zudem schwächte sich die Preisdynamik bei Nahrungsmitteln ab (+3,8 % nach +4,5 % im Dezember). Bei den Dienstleistungspreisen hat sich der Preisanstieg aber etwas erhöht (+3,4 % nach +3,2 %), wozu auch das Auslaufen der Mehrwertsteuersatzverminderung für Gastronomiedienstleistungen beitrug. In den kommenden Monaten dürfte die Inflationsrate ihren Abwärtstrend fortsetzen. Die Preisentwicklung wird dabei weiterhin auch durch Sondereffekte beeinflusst werden, wie das Auslaufen der Mehrwertsteuersatzverminderung für Gas und Fernwärme Ende Februar.

Arbeitsmarkt in der Winterpause

Im Zuge der allgemeinen Winterpause ist die Arbeitslosigkeit hierzulande gestiegen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) kletterte die Zahl der Arbeitslosen im Januar gegenüber dem Vormonat um 169.000 auf 2,805 Mio. Menschen. In der um die üblichen saisonalen Faktoren bereinigten Rechnung verminderte sich die Arbeitslosenzahl aber leicht um 2.000. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote stagnierte mit 5,8 % auf dem, im langjährigen Vergleich niedrigen, Stand des Vormonats. Insgesamt signalisieren die Zahlen daher, dass die Arbeitsmarktlage trotz des schwierigen Konjunkturumfelds noch immer stabil ist. Hierauf lässt auch der weitere Anstieg der Erwerbstätigenzahl schließen. Die saisonbereinigte Erwerbstätigenzahl legte im Dezember leicht um 24.000 auf knapp 46,0 Mio. Menschen zu.

BIP im 4. Quartal um 0,3 % zurückgegangen

Das Statistische Bundesamt hat inzwischen die Ergebnisse seiner vorläufigen Schnellschätz-ung zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands für das Jahresendquartal 2023 veröffentlicht. Demnach ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlands-produkt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 0,3 % zurückgegangen. Zuvor hatte das BIP im 2. und 3. Quartal mit (minimal revidierten) Verlaufsrate von 0,0 % stagniert. Gemäß den bislang vorliegenden spärlichen Angaben waren insbesondere die Investitionen in Bauten und Ausrüstungen im 4. Quartal deutlich geringer als zuvor. Hier dämpften offenbar die gestiegenen Zinsen den Verlauf und auch Sondereffekte, wie der überdurchschnittlich hohe Krankenstand und das Auslaufen des staatlichen Umweltbonus für Elektroautos im Firmenwagenbereich. Zudem könnte der Privatkonsum angesichts der kaufkraftzehrenden Preisanstiege und der enormen Unsicherheiten ebenfalls zurückge-gangen sein. Auch vom Außenbeitrag könnte angesichts der weltwirtschaftlichen Schwäche ein negativer Wachstumsbeitrag ausgegangen sein. Erste quantitative Angaben zur jüngsten Entwicklung der BIP-Verwendungsaggregate (Konsum, Investitionen und Außenhandel) wird das Statistische Bundesamt am 23. Februar publizieren. Im gesamten Jahr 2023 war das preisbereinigte BIP Deutschlands, wie bereits Mitte Januar von den Wiesbadener Statistikern ermittelt, um 0,3 % gesunken.

Stagnierendes Euroraum-BIP

Im Euroraum als Ganzes verlief die gesamt-wirtschaftliche Entwicklung zum Jahresende 2023 etwas günstiger als hierzulande. Gemäß der vorläufigen Schnellschätzung von Eurostat verharrte das preis-, kalender- und saisonbereinigte BIP im 4. Quartal auf seinem Vorquartalsstand (+0,0 %), nachdem es sich im 3. Quartal leicht um 0,1 % vermindert hatte. Stabilisierend auf das Euroraum-BIP wirkte die Entwicklung in den anderen großen Volkswirtschaften des Währungsraums. So stagnierte die Wirtschaftsleistung im Nachbarland Frankreich (0,0 %) und konnte in Italien (+0,2 %) und Spanien (+0,6%) sogar zulegen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR