Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 08.11.2021

  • Geldpolitische Wende im Fokus der Märkte
  • DAX erreicht Allzeithoch
  • Renditen gehen weiter zurück
  • Rückenwind für den Dollar
  • Rohöl billiger
  • Industrieproduktion gibt weiter nach
  • Wieder mehr Neuaufträge
  • Arbeitslosenquote sinkt im Euroraum auf Vorkrisenniveau
  • Euroraum-Erzeugerpreise steigen um kräftige 16,0 %

Geldpolitische Wende im Fokus der Märkte

Die Zinsperspektiven standen in der ersten Novemberwoche im Fokus der Finanzmärkte. Mit der Fed und der Bank of England trafen die Währungshüter von zwei Schwergewichten unter den Notenbanken zusammen. Im Fall der Fed wurden die Markterwartungen erfüllt. Die USWährungshüter beschlossen ein Tapering, also ein schrittweises Zurückfahren ihrer Anleihekäufe, und läuteten damit ihren Kurswechsel ein. Die Fed wird ihre Anleihekäufe noch in diesem Monat um 15 Mrd. Dollar auf 105 Mrd. Dollar verringern. Sollte sie die Käufe monatlich im gleichen Umfang verringern, würde das Programm Mitte 2022 enden. Festgelegt hat sich der Offenmarktausschuss der Fed bislang nur bis Jahresende, er macht das weitere Tempo von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig. Vor dem Ende der Anleihekäufe sind keine Leitzinserhöhungen zu erwarten.

Anders als die Fed überraschte die Bank of England die Märkte, indem die erwartete Zinserhöhung ausblieb. Bis kurz vor der Sitzung hatten Vertreter des geldpolitischen Ausschusses angedeutet, dass eine Straffung anstehe. Das Votum für das Beibehalten des Leitzinses fiel mit 7:2 sehr klar aus. Die Ungewissheit über die Stabilität der Konjunktur dürfte für den Beschluss ausschlaggebend gewesen sein. Insofern bleibt die Zinswende in Großbritannien auf der Tagesordnung des Ausschusses, der regulär das nächste Mal am 16. Dezember über die Ausrichtung der Geldpolitik entscheidet.

Im Euroraum ist auf Sicht keine Änderung des geldpolitischen Kurses zu erwarten. Immerhin will die EZB das Pandemie-Notfallanleihekaufprogramm PEPP im März 2022 regulär auslaufen lassen. Die aus Geldmarktsätzen abgeleiteten Inflationserwartungen sind aber in der vergangenen Woche deutlich zurückgegangen. Sie hatten in der Spitze für die erwartete Teuerung über fünf Jahre in fünf Jahren erstmals seit 2014 das EZB Inflationsziel von 2 % überschritten. Anfang November lagen sie jedoch mit rund 1,90 % wieder deutlich niedriger. Hierzu dürften auch Äußerungen der EZB-Präsidentin Christine Lagarde beigetragen haben, die wohl mit Blick auf die Marktentwicklungen einem Zinsschritt bereits im kommenden Jahr klar eine Absage erteilt hatte. Ähnlich hatte sich Lagarde schon in der vorangegangenen Woche anlässlich der EZB-Ratssitzung geäußert.

DAX erreicht Allzeithoch

Im Anschluss an die Fed-Sitzung vom Donnerstag, dem 4. November, erreichte der DAX ein neues Allzeithoch. Die Märkte reagierten positiv darauf, dass eine Zinssenkung in den USA noch nicht ansteht und der geldpolitische Kurs der kommenden Monate nun gut absehbar ist. Zum Ende der Woche konnte der DAX nachlegen, nachdem der US-Arbeitsmarktbericht überraschend positiv ausgefallen war. Die Beschäftigung expandierte im Oktober um 531.000 Stellen, erwartet worden war ein deutlich schwächerer Zuwachs um 450.000 Arbeitsplätze. Das Thema der erhöhten Inflationsrisiken prallte demgegenüber an den Märkten ab. Für die Stundenlöhne wurde im Vorjahresvergleich ein Zuwachs von 4,9 % berichtet. Der DAX ging mit 16.054 Punkten aus dem Handel, 2,3 % über seinem Vorwochenultimo.

Renditen gehen weiter zurück

Nachdem die Anleiherenditen Ende Oktober noch Höchststände bei der Marke von 0,10 % verbucht hatten, bewegten sie sich in der ersten Novemberwoche abwärts. Profitieren konnten die Anleihekurse von den geldpolitischen Entscheidungen der Fed und der Bank of England, die beide auf eine langsame Zinswende hindeuteten. Unterstützung kam auch von schwachen Industriedaten aus Deutschland, während die starken US-Arbeitsmarktdaten den Markt wenig bewegten. Am Freitag, dem 5. November, lagen die Renditen auf zehnjährige Bundesanleihen in Deutschland bei -0,28 %, 13 Basispunkte weniger als eine Woche zuvor. In den USA ging die Rendite um 10 Basispunkte auf 1,45 % zurück.

Rückenwind für den Dollar

Gegenüber dem US-Dollar hat sich der Euro in der ersten Novemberwoche zunächst abgeschwächt. Hierzu trug zum einen die Asymmetrie in den Geldpolitiken bei. Voraussichtlich wird die Fed 2022 mit Leitzinserhöhungen voranschreiten, die Zinswende für den Euroraum wird nicht vor 2023 erwartet. Andererseits profitierte der US-Dollar auch von den Konjunkturdaten, insbesondere dem am Freitag veröffentlichten Arbeitsmarktbericht. Zum Ende der Woche fiel der Dollar aber leicht, sodass er auf Wochensicht nahezu unverändert bei knapp 1,16 Dollar aus dem Handel ging.

Rohöl billiger

Der Preis für Rohöl der Sorte Brent verringerte sich in der ersten Novemberwoche um 2,0 % auf 82,4 Dollar. Der Ölpreis reagierte damit vor allem auf steigende Lagerbestände.

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Industrieproduktion gibt weiter nach

Die Industriekonjunktur in Deutschland wird noch immer merklich durch Knappheiten bei wichtigen Vorprodukten wie Computerchips, Halbleitern, Plastik und Metallen gedämpft. Dies zeigt sich unter anderem in den jüngsten amtlichen Daten zur Produktion im Verarbeitenden Gewerbe. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilte, sank die Produktion im September gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,5 %. Im August hatte der Ausstoß sogar um 3,5 % nachgegeben. Über das gesamte 3. Quartal betrachtet ergab sich ein Rückgang um 2,4 %. Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes waren im September aber unterschiedliche Tendenzen feststellbar. Während der für die Gesamtentwicklung sehr bedeutsame und von den Folgen der Materialknappheiten offenbar besonders stark betroffene Bereich Kfz und Kfz-Teile seinen Ausstoß leicht um 2,1 % erhöhen konnte, sank die Produktion im ebenfalls sehr bedeutsamen Maschinenbau um 3,3 %. Zudem kam es auch in anderen Bereichen wie in der Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (-3,3 %), Datenverarbeitungsgeräten (-4,3 %) und Metallerzeugnissen (-0,5 %) zu Produktionsverminderungen. Im Baugewerbe ist die Produktion im September leicht um 1,1 % gestiegen. Über das gesamte 3. Quartal betrachtet kam es aber auch hier zu einem Rückgang, der mit einer Verlaufsrate von -2,1 % ähnlich deutlich ausfiel wie im Verarbeitenden Gewerbe.

Wieder mehr Neuaufträge

Im Gegensatz zur Produktion ist der Auftragseingang des Verarbeitenden Gewerbes im September um 1,3 % gestiegen. Damit konnte der merkliche Rückgang vom August (-8,8 %) aber noch nicht wieder vollständig ausgeglichen werden. Im gesamten 3. Quartal legten die Bestellungen um 1,0 % zu. Maßgeblich für den jüngsten Orderzuwachs war die Nachfrage aus dem Ausland (+6,2 %). Die Bestellungen aus dem Inland (-5,9 %) sind hingegen nochmals zurückgegangen. Insgesamt befinden sich die Aufträge weiterhin auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Dies lässt merkliche Produktions-Nachholeffekte erwarten, sobald die Verfügbarkeit von Vorprodukten dies erlaubt. Eine rasche Entspannung der Knappheiten- Problematik zeichnet sich derzeit aber nicht ab. Zwar ist nach jüngsten Umfragen des ifo Instituts der Materialmangel in der Industrie im Oktober etwas zurückgegangen. Der Anteil von Unternehmen, die über einen solchen Mangel berichten, ist gegenüber dem Vormonat um 7 Prozentpunkte auf 70,4 % gesunken. Viele Umfrageteilnehmer erwarten jedoch, dass die Engpässe bis weit ins neue Jahr bestehen bleiben. Im Durchschnitt gingen die befragten Unternehmen davon aus, dass die Probleme noch acht Monate andauern werden.

Arbeitslosenquote sinkt im Euroraum auf Vorkrisenniveau

Die Erholung des Euroraum-Arbeitsmarktes vom pandemiebedingten Einbruch des ersten Halbjahres 2020 schreitet voran. Dies verdeutlichen die jüngsten Daten zur Arbeitslosigkeit. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote des Euroraums ist zuletzt von 7,5 % im August auf 7,4 % im September gesunken. Sie befindet sich damit erstmals wieder auf dem Stand, den sie im Februar 2020 vor dem Ausbruch der Coronakrise in Europa erreicht hatte. Angesichts der anhaltenden Entspannung der Arbeitsmarktlage und des vielfach noch immer hohen Niveaus wichtiger Stimmungsindikatoren zeichnet sich für das zweite Halbjahr eine Fortsetzung des merklichen Wachstums der privaten Konsumausgaben ab. Diese waren im 2. Quartal gegenüber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt um kräftige 3,7 % expandiert und trugen mit 1,9 Prozentpunkten maßgeblich zum BIP-Wachstum von 2,2 % bei. Amtliche Angaben zum Verlauf der privaten Konsumausgaben im 3. Quartal liegen derzeit noch nicht vor. Diese werden voraussichtlich am 7. Dezember veröffentlicht.

Euroraum-Erzeugerpreise steigen um kräftige 16,0 %

Im Euroraum hat sich der Preisauftrieb auf der Erzeugerstufe weiter erhöht. Nach Angaben von Eurostat ist der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte im September gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat um 16,0 % gestiegen. Zuvor, im August, hatten sich die Erzeugerpreise noch um 13,4 % verteuert. Haupttreiber der Gesamtentwicklung blieben die Energiepreise, die im September angesichts höherer Öl- und Gasnotierungen kräftiger zulegten als zuvor (+40,7 % gegenüber +31,9 % im August). Sehr deutlich fiel der Preisanstieg auch bei den Vorleistungsgütern (+15,2 %) aus, wofür nicht zuletzt die anhaltenden Engpässe bei vielen dieser Güter verantwortlich waren. Demgegenüber erhöhten sich die Preise von Investitions- (+3,5 %), Gebrauchs- (ebenfalls +3,5 %) und Verbrauchsgütern (+3,0 %) weniger stark. Vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklung der Erzeugerpreise zeichnet sich für die Verbraucherpreise eine Fortsetzung des Höhenflugs ab. Die Verbraucherpreise verteuerten sich jüngst, im Oktober, um 4,1 %.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR

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