Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 09.01.2023

  • Mit Zuversicht ins neue Jahr
  • Aktien robust ins neue Jahr
  • Anleiherenditen im Rückwärtsgang
  • Eurokurs zwischenzeitlich etwas schwächer
  • Rohstoffe – Ölpreis geht zurück
  • Arbeitsmarkt trotzt der Konjunkturschwäche
  • Inflationsrate auf 8,6 % gesunken
  • Abnehmender Preisdruck auch im Euroraum
  • Schwache Außenhandelsdaten
  • Wirtschaftsstimmung im Euroraum erholt sich

Mit Zuversicht ins neue Jahr

Das neue Jahr begann für die Finanzmärkte positiv. Mit Erleichterung wurden Meldungen einer sinkenden Inflation dies- wie auch jenseits des Atlantiks aufgenommen. Sollte die Tendenz einer nachlassenden Teuerung anhalten, würde dies Druck von den Zentralbanken nehmen und die weiteren Zinserhöhungen in diesem Jahr könnten etwas moderater ausfallen. Damit würde der wirtschaftliche Bremseffekt der Geldpolitik kleiner ausfallen können als bei einer hartnäckig hohen Inflation.

Aus Inflationssicht sind auch die nachgebenden Energiepreise positiv. Doch weisen die Energiepreise gleichzeitig auch auf Belastungsfaktoren für die Konjunktur hin. Ihr Rückgang reflektiert Vorzeichen einer schwachen Entwicklung der Weltwirtschaft, gerade auch infolge der Coronapandemie in China.

Die zu erwartende massive Erhöhung der Infektionszahlen in China dürfte dort die Wirtschaft schwer belasten und die Importe auch aus Europa schwächen. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass sich die Lieferkettenprobleme erneut verstärken könnten, die sich in den vergangenen Monaten leicht entspannt hatten. Daher überrascht es nicht, wenn aus Sicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) das Jahr 2023 für die Weltwirtschaft ein schwieriges Jahr werden wird. Weltweit rechnet der IWF damit, dass knapp ein Drittel der Staaten in eine Rezession geraten würden.

Insgesamt bleibt das Bild somit gemischt. Der Rohstoff- und Energiepreisschock könnte allmählich überwunden werden, starke konjunkturelle Impulse sind aber angesichts der geopolitischen Risiken und der deutlichen Leitzinserhöhungen nicht zu erwarten. Insofern dürften die Aktienkurse nicht in den Himmel wachsen, sondern eher moderate Zuwächse verzeichnen.

Die Anleihemärkte werden durch die Zinswende weiter belastet, der noch zu erwartende weitere Anstieg der Leitzinsen ist aber deutlich geringer als im vergangenen Jahr. Von der Welt der Minuszinsen hat sich die Geldpolitik offenbar dauerhaft verabschiedet – dies ist für Anleger perspektivisch auch eine gute Nachricht. Der Optimismus spiegelt sich im größten Renditerückgang in der ersten Januarwoche seit 1977.

Auf dem Devisenmarkt ist ein eher stabiler Euro- Dollar-Kurs zu erwarten.

Aktien robust ins neue Jahr

Der Aktienmarkt startete mit Kursgewinnen ins neue Jahr. Angetrieben von sinkenden Energiepreisen kletterte der DAX bereits am ersten Handelstag wieder über die Marke von 14.000 Punkten. Im Verlauf der Handelswoche bekamen die Dividendentitel von den Inflationszahlen Unterstützung. Sowohl in Deutschland als auch im Euroraum fiel die Teuerung niedriger aus, als vorab erwartet worden war. Dies näherte die Hoffnung auf eine weniger starke Straffung der Geldpolitik. In den USA wurden am Freitagnachmittag wichtige Konjunkturdaten ebenfalls als Zeichen für weniger starke Zinserhöhungen und damit positiv bewertet. Am Freitag, dem 6. Januar, schloss der DAX mit 14.610,02 Punkten, 4,9 % höher als eine Woche zuvor. Der Dow Jones legte um 1,5 % auf 33.630,61 Punkte zu.

Anleiherenditen im Rückwärtsgang

Die unter den Erwartungen liegenden Inflationszahlen waren auch für den Anleihemarkt eine positive Überraschung. Der am Freitag veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht hatte mit 223.000 neuen Jobs oberhalb der Erwartungen gelegen, was für sich genommen den Anleihemarkt belastet hätte. Da jedoch gleichzeitig – in Form eines geringeren Wachstums der Stundenlöhne – ein geringerer Lohndruck gemeldet wurde, überwog deutlich die positive Bewertung. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen lag in Deutschland am Freitag, dem 6. Januar, mit 2,21 um 35 Basispunkte niedriger als eine Woche zuvor. In den USA verringerten sich die Renditen um 26 Basispunkte auf 3,57 %.

Eurokurs zwischenzeitlich etwas schwächer

Der von der Europäischen Zentralbank ermittelte Referenzkurs des Euro lag am Ende der Woche etwas niedriger als eine Woche zuvor. Er verringerte sich um 1,6 % auf 1,05 Euro pro Dollar. Nach schwachen Daten aus dem US-Dienstleistungssektor legte die Gemeinschaftswährung später am Freitag dann aber wieder deutlich zu.

Rohstoffe – Ölpreis geht zurück

Der Ölpreis ist mit einem schwachen Auftakt ins neue Jahr gestartet. Rohöl der Sorte Brent kostete am Ende der Woche mit 78,65 US-Dollar pro Barrel 7,4 % weniger als eine Woche zuvor. Ein wichtiger Treiber des Preisrückgangs war die Coronapandemie in China infolge des Wechsels von der No-Covid- zu All-Covid-Strategie der Regierung und die damit verbundenen dämpfenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die Ölnachfrage.

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Arbeitsmarkt trotzt der Konjunkturschwäche

Ungeachtet des zum Jahresende 2022 merklich eingetrübten gesamtwirtschaftlichen Umfelds zeigte sich der deutsche Arbeitsmarkt weiterhin robust. Zwar ist die Arbeitslosenzahl nach aktuellen Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Dezember gegenüber dem Vormonat um 20.000 oder 1 % auf 2,454 Mio. Menschen gestiegen. Maßgeblich für den Anstieg war jedoch weniger die konjunkturelle Lage, sondern vor allem saisonale Faktoren. So steigt die Arbeitslosigkeit mit der einsetzenden Winterpause in vielen Außenberufen im Dezember üblicherweise an. In saisonbereinigter Rechnung stagnierte die Arbeitslosenzahl im Wesentlichen. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote verharrte im Dezember mit 5,5 % auf ihrem Vormonatsstand. Für eine solide Arbeitsmarktentwicklung spricht auch die Fortsetzung des Beschäftigungsaufbaus. So ist die Erwerbstätigenzahl nach jüngsten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im November gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt von 45,94 Mio. auf 46,0 Mio. Menschen und damit auf einen neuen Höchststand gestiegen. In naher Zukunft ist allerdings mit einer Abschwächung des Beschäftigungswachstums zu rechnen. Hierauf lässt unter anderem der BA-Stellenindex BA-X schließen. Der Indikator, der die bundesweite Nachfrage nach Arbeitskräften erfasst, ist im Dezember um 1 auf 127 Punkte gesunken. Er befindet sich aber noch immer auf einem vergleichsweise hohen Stand.

Inflationsrate auf 8,6 % gesunken

Ausgehend von einem sehr hohen Niveau hat sich zum Jahresende in Deutschland der Preisauftrieb auf der Verbraucherstufe weiter abgeschwächt. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg der Verbraucherpreisindex (VPI) im Dezember um 8,6 % über seinen Vorjahresmonatswert. Im Oktober und November hatte die Inflationsrate noch bei 10,4 % beziehungsweise 10,0 % gelegen. Im Jahresdurchschnitt 2022 sind die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich um 7,9 % gestiegen. Ausschlaggebend für den jüngsten Rückgang der Gesamtrate waren die Energiepreise, die insbesondere wegen der einmalig vom Staat übernommenen Abschlagszahlungen für Gas und Wärme weniger stark stiegen wie zuvor. Die entlastende Wirkung dieser staatlichen Hilfe kam jedoch einem Teil der Verbraucher zugute. Viele Mieter erhalten die Zahlung erst später im Rahmen von turnusmäßigen Abrechnungen. Da die Zahlungen nur für Dezember erfolgt, könnte es im Januar zunächst wieder zu einem Anstieg der Inflationsrate kommen. Im weiteren Jahresverlauf ist jedoch eher mit sinkenden als mit steigenden Teuerungsraten zu rechnen. Hier für sprechen neben den verstärkt wirksam werdenden staatlichen Entlastungsmaßnahmen (ab Januar greift auch die Strompreisbremse) auch die Entwicklung der Erzeugerpreise. So hat sich der Anstieg der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte zuletzt weiter vermindert. Die Erzeugerpreise stiegen im November um 28,2 %, nachdem sie sich im Oktober und September noch um 34,5 % beziehungsweise 45,8 % verteuert hatten.

Abnehmender Preisdruck auch im Euroraum

Nicht nur in Deutschland auch im Euroraum ist die Inflationsrate im Dezember zurückgegangen, nachdem sie zuvor außergewöhnlich hohe Stände markiert hatte. Gemäß ersten Berechnungen von Eurostat übertraf der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) seinen Vorjahresmonatswert um 9,2 %. Im November hatte die Inflationsrate noch bei 10,1 % gelegen. Nach wie vor steigen die Energiepreise am stärksten, aber schwächer als zuletzt. Die Jahresrate der Kernteuerung ohne Energie und Lebensmittel stieg hingegen von 5,0 auf 5,2 % im Dezember. Dies ist der höchste Wert seit Einführung des Euro.

Schwache Außenhandelsdaten

Der deutsche Außenhandel schwächelt. Im November wurden saison- und kalenderbereinigt Waren im Wert von 135,1 Mrd. Euro ausgeführt und im Wert von 124,4 Mrd. Euro eingeführt. Die Warenexporte sind damit gegenüber dem Vormonat um 0,3 % gesunken. Sie hatten bereits im September nachgegeben (um 0,6 %), sich im Oktober dann aber etwas erholt (+0,8 %). Die Warenimporte sind im November um 3,3 % zurückgegangen, nachdem sie im Oktober und September um 2,4 % und 1,9 % gesunken waren. Verantwortlich für den weiteren Rückgang der Handelszahlen dürfte neben der schwächeren Gangart der Weltkonjunktur auch die hierzulande erzielten Energieeinsparungen und die zeitweise fallenden Öl- und Gasnotierungen sein.

Wirtschaftsstimmung im Euroraum erholt sich

Zum Ende des Jahres hat sich die Wirtschaftsstimmung im Euroraum erneut verbessert. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) der Europäischen Kommission erhöhte sich von 94,0 Punkten im November auf 95,8 Punkte im Dezember, bewegt sich damit aber weiterhin unterhalb der neutralen Marke von 100 Punkten. Am stärksten erhöhten sich das Dienstleistungs- und das Einzelhandelsvertrauen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR