Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 09.05.2022

  • Der neue Kurs der Fed
  • Aktienmärkte seitwärts weiter
  • Anstieg der Anleiherenditen setzt sich fort
  • Euro erholt sich nicht
  • Rohstoffe: Rückenwind Ölembargo
  • Arbeitsmarkt weiter auf Erholungskurs
  • Rückläufige Ausfuhren
  • Einbruch bei der Industrieproduktion …
  • … und bei den Neuaufträgen

Der neue Kurs der Fed

Am Mittwochabend, dem 4. Mai, verkündete die amerikanische Federal Reserve (Fed) eine weitere Zinserhöhung um diesmal 50 Basispunkte auf nunmehr 0,75 bis 1 %. Zugleich kündigte sie einen Abbau ihrer Bilanzsumme um eingangs 47,5 Mrd. Dollar pro Monat an. Ab September sollen es 95 Mrd. Dollar werden. Fed-Präsident Jerome Powell erklärte weiterhin, eine Erhöhung um 75 Basispunkte, über die zuletzt in den USA spekuliert wurde, sei nicht das Ziel.

Hatte im März ein Schritt um 50 Basispunkte noch die Spitze der Markterwartungen dargestellt, wurden die Erwartungen des Marktes diesmal mit dem Ausschluss eines 75-Basispunkte-Schrittes sogar unterboten. Diese Dynamik der Markterwartungen zeugt noch deutlicher von der veränderten Inflationswahrnehmung als die Zinsschritte der Fed. Da die Inflation in den USA breit angelegt ist und sich bereits in den Lohnsteigerungen zeigt, ist die Eindämmung der Inflation dringend nötig.

Ob des Dollars weiterhin dominanter Rolle im Weltfinanzsystem ausübt, wirken die dortigen geldpolitischen Restriktionen in die Welt hinein. So wird eine geldpolitische Lockerung in China zur Belebung der Konjunktur dadurch erschwert, dass die Zinsabstände zu den USA infolge der neuen Fed-Politik sinken. Das Signal der Fed-Politik wirkt wiederum in westliche Staaten hinein, so dass etwa die Bank of England bereits ebenfalls erneut ihre Zinsen erhöht und der Druck auf die EZB zunimmt.

Die EZB allerdings sieht sich parallel zur Inflation mit den geopolitisch bedingten Konjunkturrisiken im Euroraum konfrontiert, die ökonomische Signale verzerren. So ist die Lohnentwicklung in Europa verglichen mit der Inflation deutlich gedämpft, was jedoch einem Fokus der Tarifparteien auf Arbeitsplatzsicherheit geschuldet sein könnte. Auch ist der Faktor der Energiepreise direkt und indirekt – über Preisaufschläge zur Kostenweitergabe – weiterhin dominant.

Das von der EU-Kommission am Dienstag, dem 3. Mai, vorgeschlagene Embargo auf russisches Öl inklusive aller Ölprodukte wird diese Inflation noch verstärken; trotz der mehrmonatigen Vorbereitungszeit. Zugleich werden durch den Embargovorschlag Alternativen wie etwa ein Zoll auf die Einfuhr russischen Öls, um die Ölmengen im Weltmarkt zu halten, den russischen Gewinn aber abzuschöpfen, ausgeschlossen.

Aktienmärkte seitwärts weiter

Die amerikanischen Märkte reagierten am Mittwoch, dem 4. Mai, eingangs positiv auf die Entscheidung der Fed und legten deutlich zu. Jedoch folgten am Donnerstag Gewinnmitnahmen im fundamental volatilen Umfeld, wodurch die Kurse wieder einbrachen. Der S&P 500 beendete die Woche nach 4.300 Punkten am Mittwoch final bei 4.123,3 Punkten, 0,2 % im Minus. Der Dow Jones verhielt sich analog. An den europäischen Märkten fiel das Zwischenhoch aus. Die Kurse sanken sowohl bei DAX als auch bei Stoxx 50 deutlicher als in den USA. Der deutsche Index verlor 3 % zum Endstand von 13674 Punkten, der europäische fiel um 4,5 %.

Anstieg der Anleiherenditen setzt sich fort

Wie zum Beweis, dass die Zinserhöhung der Fed bereits weitgehend eingepreist war, fielen die Anleiherenditen zehnjähriger US-Bundesanleihen am Mittwoch, dem 4. Mai, sogar. Zum Wochenende setzte sich die Sicht der Falken wieder durch, weshalb die Rendite am Freitagabend oberhalb von 3 % (genau: 3,12 %) lag. Die europäischen Anleiherenditen stiegen ebenfalls. In Deutschland liegen die Renditen der zehnjährigen Bundespapiere bei Börsenschluss am Freitag, dem 6. Mai, bei 1,04 %. Die gleichlangen italienischen Papiere liegen hingegen bei 3,15 %.

Euro erholt sich nicht

Der Euro ist mit Ende der vergangenen Woche 1,055 Dollar wert. Nach einer schwachen Erholung Mitte der Woche schließt er somit im Grunde unverändert. Im breiteren Vergleich mit 42 Handelspartnern legte der Euro hingegen leicht auf 116,3 % des Indexbasiswertes von 1999 zu. In der Vorwoche waren es noch 115,3 % gewesen. Verloren hat der Euro dabei auch zum Rubel, der zwar nur eingeschränkt handelbar ist, aber von russischen Energieexporten stabilisiert wird. Zudem hilft die Entscheidung Russlands, eine Nachzahlungsfrist für fällige Zinszahlungen in Dollar einzuhalten, trotz eines ursprünglichen Beharrens auf Rubelzahlungen. Dadurch wird ein technischer Zahlungsausfall vorerst verhindert.

Rohstoffe: Rückenwind Ölembargo

Die Ankündigung eines europäischen Embargos auf russische Ölprodukte ließ die Weltmarktpreise wieder ansteigen. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich daher um 5,1 % auf 113,86 Dollar pro Barrel. Der Gaspreis hingegen fiel am Freitag auf dem niederländischen Terminmarkt auf 90 Euro pro Megawattstunde.

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Arbeitsmarkt weiter auf Erholungskurs

Trotz der Belastungen durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine setzt sich am deutschen Arbeitsmarkt die Erholung vom pandemiebedingten Konjunktureinbruch des 1. Halbjahres 2020 fort. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die Arbeitslosenzahl im April gegenüber dem Vormonat um 53.000 auf 2,309 Mio. Menschen gesunken. Maßgeblich für den Rückgang war die Frühjahrsbelebung. Aber auch in der um die üblichen saisonalen Faktoren bereinigten Rechnung verminderte sich die Arbeitslosenzahl. Sie nahm von März auf April 13.000 ab, befördert durch die vorgenommenen Lockerungen von Infektionsschutzmaßnahmen. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote verharrte im April auf ihrem Vormonatsstand von 5,0 %. Der Beschäftigungsaufbau hat sich jüngst leicht beschleunigt. Die saisonbereinigte Erwerbstätigenzahl ist im März um 87.000 Personen gestiegen, nachdem sie im Februar um 60.000 zugelegt hatte. Mit 45,463 Mio. lag sie zudem erstmals wieder leicht über dem vor dem Ausbruch der Coronakrise im Februar 2020 erreichten Niveau von 45,425 Mio. Menschen. Für die nächsten Monate zeichnet sich eine Fortsetzung des Beschäftigungsaufbaus ab. Darauf deutet zumindest der BA-Stellenindex BA-X hin, der ein wichtiger Indikator für die bundesweite Personalnachfrage ist. Der BA-X stieg von März auf April um 2 auf 138 Punkte und markiert damit den höchsten Wert seit seiner Einführung im Jahr 2015.

Rückläufige Ausfuhren

Vor dem Hintergrund des kriegsbedingt eingetrübten weltwirtschaftlichen Umfelds und der pandemiebedingten Wachstumsschwäche in China sind die Ausfuhren der deutschen Wirtschaft zuletzt zurückgegangen. Gemäß der amtlichen Außenhandelsstatistik verminderten sich die Warenexporte im März gegenüber dem Vormonat kalender- und saisonbereinigt um 3,3 % auf 120,6 Mrd. Euro. Haupttreiber des Rückgangs war die schrumpfende Nachfrage aus den außerhalb der EU liegenden Drittstaaten (-5,1 %). Wegen der gegen Russland verhängten Sanktionen, weiterer Maßnahmen zur Exportbeschränkung und nicht sanktioniertem Verhalten der Marktteilnehmer sanken die Ausfuhren in die Russische Föderation um deutliche 62,3 % auf 0,9 Mrd. Euro. Die Warenexporte nach China gaben um 4,3 % auf 9,1 Mrd. Euro nach. Stabilisierend wirkte sich hingegen das Exportgeschäft mit den Vereinigten Staaten aus, das entgegen der allgemeinen Entwicklung um 3,2 % auf 11,5 Mrd. Euro stieg. Im Gegensatz zu den Ausfuhren sind die Einfuhren nach Deutschland im März insgesamt gestiegen. Sie legten um 3,4 % zu, was aus den höheren Energiepreisen resultieren dürfte, aber auch für eine robuste Binnennachfrage spricht.

Einbruch bei der Industrieproduktion …

Die wirtschaftlichen Folgen des Ukrainekrieges schlagen sich allmählich auch in den amtlichen Monatsdaten zur Industriekonjunktur nieder. Vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge ist die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes im März gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um deutliche 4,6 % zurückgegangen. Zuvor war die Erzeugung fünf Monate in Folge gestiegen. In den für die Gesamtentwicklung besonders wichtigen Bereichen Fahrzeug- (-14,0 %) und Maschinenbau (-5,3 %) gab die Produktion überdurchschnittlich stark nach. Hier belasten unter anderem die fehlenden Kabelbäume aus der Ukraine und die kriegsbedingt allgemein gestiegenen wirtschaftlichen Unsicherheiten die Entwicklung. Auch die kräftig gestiegenen Energiepreise beeinträchtigen die Industriekonjunktur merklich. So wurde die Produktion in den energieintensiven Bereichen „Glas, Glaswaren, Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden“ und „Metallerzeugung und -bearbeitung“ um 6,7 % und 5,2 % vermindert. Die Produktion im Baugewerbe ist allerdings gestiegen, wenn auch mit einer Verlaufsrate von 1,1 % nur leicht.

… und bei den Neuaufträgen

In den Auftragsbüchern der Industrie finden die die Kriegsfolgen ebenfalls Widerhall. Die Auftragseingänge des Verarbeitenden Gewerbes sind im März um deutliche 4,7 % gesunken, nachdem sie bereits im Februar (-0,8 %) nachgegeben hatten. Im Zuge des kriegsbedingt eingetrübten Investitionsklimas gab insbesondere die Nachfrage nach Investitionsgütern (-8,3 %) stark nach. Geografisch betrachtet waren für die Gesamtentwicklung vor allem die rückläufigen Orders aus dem Ausland (-6,7 %) verantwortlich, während die inländischen Aufträge (-1,8 %) weniger deutlich nachgaben. Nur wegen eines hohen statistischen Überhangs vom Vorquartal ergab sich aber, trotz des merklichen Rückgangs vom März, für das gesamte 1. Quartal ein Auftragsplus von 2,8 %. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung der Neuaufträge und der anhaltend hohen Unsicherheiten fällt der Ausblick für die hiesige Industriekonjunktur gedämpft aus.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR