Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 10.01.2022

  • Inflationssorgen treiben Zinsspekulationen
  • DAX erreicht neues Hoch
  • Anleihekurse geben nach US-Jobbericht nach
  • Euro tendiert seitwärts
  • Ölpreis steigt, Gas bleibt volatil
  • Vierte Welle beeinträchtigt Arbeitsmarkt bislang kaum
  • Inflationsrate steigt auf 5,3 %
  • Stabilisierung der Industrieproduktion
  • Wieder zunehmende Auftragseingänge

Inflationssorgen treiben Zinsspekulationen

Zum Beginn des neuen Jahres blieben die Themen ähnlich wie zum Ausklang des vergangenen Jahres: Omikron, die Inflation und die Zinsperspektiven.

Die Coronainzidenz bewegte sich in Deutschland in schnellem Tempo aufwärts. Das RKI meldete am Freitag deutschlandweit eine Inzidenz von 303,4 nach 285,9 am Donnerstag. In Städten mit einer besonders hohen Inzidenz ist Omikron bereits die dominante Virusvariante. In Bremen lag bei einer Inzidenz von 799,6 der Omikron-Anteil bereits bei 85,5 % aller Neuinfektionen. Unbeeindruckt von der Omikronwelle blieben die Aktienmärkte. Sie gehen davon aus, dass der wirtschaftliche Schaden aufgrund milderer Krankheitsverläufe begrenzt sein wird, und hoffen auf ein allmähliches Auslaufen der Pandemie.

Die Inflation kletterte in Deutschland im Dezember auf den höchsten Wert seit fast 30 Jahren, im Euroraum wurde ein Rekordhoch seit Beginn der Statistik 1997 erreicht. Die hohen Inflationsraten führten zu Sorgen über eine Verfestigung der Inflation, beispielsweise falls es zu einer Lohn-Preis- Spirale kommt. Immerhin dürfte die Teuerungsrate im Januar deutlich zurückgehen, wenngleich sie noch deutlich oberhalb der geldpolitischen Zielrate der EZB von 2 % bleiben sollte.

Während die EZB bislang noch keine klaren Bekenntnisse zu einer Zinswende verlauten ließ, steht die Fed im Fokus der Anleger. An den Aktienmärkten führte die Veröffentlichung der Protokolle der jüngsten Zinssitzung vom Dezember zu Kurseinbußen. Die Währungshüter denken aufgrund der gestiegenen Inflation über raschere Leitzinssteigerungen nach als die Märkte zuvor erwartet hatten. An den Anleihemärkten kam es zu einem Renditeanstieg.

Von großem Interesse war daher auch der US-Arbeitsmarktbericht für den Dezember, der am Freitag, dem 7. Januar, veröffentlicht wurde. Der gemeldet Jobzuwachs verringerte sich überraschend von 210.000 im November auf 190.000 Stellen. Experten hatten mit einem deutlich höheren Plus von 400.000 Stellen gerechnet. Der langsame Stellenzuwachs verstärkt die Verknappungstendenzen am Arbeitsmarkt und erhöht die Inflationsgefahren in den USA. Der Anstieg der Stundenlöhne erhöhte sich im Vormonatsvergleich um kräftige 0,6 % und lag um 4,7 % höher als ein Jahr zuvor.

DAX erreicht neues Hoch

Dem DAX gelang es, am ersten Handelstag die Marke von 16.000 Punkten zurückzuerobern. Am Mittwoch schloss er mit 16.271,75 Punkten und erreichte damit ein historisches Hoch. Die Erwartung eines milden Verlaufs der Omikron-Variante des Coronavirus gab dem Markt weiterhin Auftrieb. Zum Ende der Woche drückten zum einen Zinssorgen nach der Veröffentlichung der Fed- Protokolle zur letzten Zinssitzung vom Dezember die Kurse. Zum anderen schickten die schwachen US-Arbeitsmarktdaten die Aktienmärkte und damit auch den DAX ins Minus. Der DAX schloss am Freitag, dem 7. Januar, mit 15.947 Punkten, und lag damit etwas oberhalb seines Stands zum Jahresultimo (+0,4 %). Der Dow Jones entwickelte sich mit einem Kursrückgang um 0,3 % vergleichsweise schwächer und schloss mit 36.321 Punkten.

Anleihekurse geben nach US-Jobbericht nach

Inflationssorgen und die Aussicht auf eine schnellere Zinswende in den USA haben die Anleihekurse in der ersten Januarwoche belastet. Am Freitag, dem 7. Januar, lag die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bei -0,03 % (+0,15 Basispunkte zur Vorwoche) und damit nicht weit von der Nullmarke entfernt. Das letzte Mal positiv war die Rendite im März 2019 positiv gewesen. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Rendite der zehnjährigen Staatsanliehen in den USA um 0,27 Basispunkte auf knapp 1,77 %.

Euro tendiert seitwärts

Der EZB-Referenzkurs des Euro lag am Freitag, dem 7. Januar, bei 1,136 US-Dollar und damit geringfügig niedriger als eine Woche zuvor (-0,1 %).

Ölpreis steigt, Gas bleibt volatil

Unter dem Eindruck der Krise in Kasachstan, das auch als Ölproduzent eine wichtige Rolle spielt, ist der Ölpreis weiter angestiegen. Bislang gibt es allerdings keine Lieferprobleme. Rohöl der Sorte Brent kostete am Freitag, dem 7. Januar, 82,28 US-Dollar pro Barrel, das waren 6,5 % mehr als eine Woche zuvor. Derweil setzte der Gaspreis sein Auf und Ab fort. Er verteuerte sich im Vergleich zur Vorwoche um 7,5 % auf 84,4 Euro pro Megawattstunde. Belastend wirkten Meldungen über eine Verknappung des russischen Gasangebots, während auf dem Seeweg befindliche Flüssiggaslieferungen und das verhältnismäßig milde Januarwetter entlastend wirkten.

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Vierte Welle beeinträchtigt Arbeitsmarkt bislang kaum

Am deutschen Arbeitsmarkt hat sich zum Jahresende 2021 die Erholung vom Einbruch während des 1. Halbjahres 2020 fortgesetzt. Die Folgen der vierten Pandemiewelle zeigen in den amtlichen Arbeitsmarktdaten bisher nur wenig Spuren. Nach vorläufigen Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die Arbeitslosenzahl im Dezember gegenüber dem Vormonat zwar leicht um 12.000 auf 2,330 Mio. Menschen gestiegen. Der Anstieg war jedoch rein saisonal bedingt, da die Aktivitäten in den Außenberufen gegen Ende eines Jahres üblicherweise zurückgehen. In saisonbereinigter Rechnung verminderte sich die Arbeitslosenzahl nochmals, um 23.000 Personen. Die Arbeitslosenquote sank saisonbereinigt von 5,3 % im November auf 5,2 % im Dezember. Die Zahl der Erwerbstätigen ist zuletzt weiter gestiegen. Sie legte nach jüngsten amtlichen Schätzungen im November saisonbereinigt um 43.000 zu und damit sogar etwas stärker als im Oktober (+37.000).

Der Beschäftigungsaufbau dürfte in naher Zukunft andauern. Hierauf deutet zumindest der BA-Stellenindex BA-X hin. Der Index, der bundesweit die Nachfrage nach neuem Personal misst, erhöhte sich von 129 Punkten im November auf 132 Punkte im Dezember. Getrübt wird das Bild der Erholung jedoch durch die Anzeigen für Kurzarbeit: Im Zeitraum vom 1. bis zum 27. Dezember wurden von den Unternehmen für 286.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt und somit deutlich mehr als im November (+147.000). Die Zahl lag aber noch immer erheblich unter den entsprechenden Vorjahresmonatswerten. Im Dezember 2020 wurden angesichts der zweiten Welle noch Anzeigen für 781.000 Menschen registriert.

Inflationsrate steigt auf 5,3 %

Im Dezember hat sich hierzulande der Höhenflug der Verbraucherpreise weiter beschleunigt. Gemäß vorläufigen Schätzungen des Statistischen Bundesamtes lag der Verbraucherpreisindex (VPI) um 5,3 % über seinem Vorjahresmonatswert. Die Inflationsrate ist damit so hoch wie seit Juni 1992 (+5,8 %) nicht mehr. Im November hatte sie noch bei 5,2 % gelegen. Die Inflationsrate wird noch immer vor allem durch die Energiepreise nach oben getrieben. Diese haben sich allerdings im Dezember etwas weniger stark verteuert als zuvor (+18,3 % nach +22,1 %). Im Gegensatz dazu hat sich der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln und Dienstleistungen erhöht (+6,0 % nach +4,5 % und +3,1 % nach +2,9 %). Im Jahresdurchschnitt 2021 sind die Verbraucherpreise gegenüber dem Vor- jahr um 3,1 % gestiegen und damit genauso stark wie vom BVR im Rahmen seiner Winterkonjunkturprognose erwartet. Die Inflationsrate dürfte im Dezember einen lokalen Höhepunkt erreicht haben. Mit dem Wegfall und Auslaufen von preistreibenden Sondereffekten, wie dem MwSt.-Basiseffekt und dem Ölpreis-Normalisierungseffekt, zeichnen sich für das neue Jahr niedrigere Inflationsraten ab. Auch im Euroraum hat der Preisauftrieb auf der Verbraucherstufe zum Jahresende erneut zugenommen. Die Inflationsrate, basierend auf dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), ist von 4,9 % im November auf 5,0 % im Dezember gestiegen.

Stabilisierung der Industrieproduktion

In Deutschland hat sich die Industriekonjunktur zuletzt weiter gefestigt. Darauf lassen zumindest die jüngsten amtlichen Monatsdaten zur Produktion im Verarbeitenden Gewerbe schließen. So ist die preis-, kalender- und saisonbereinigte Produktion des Verarbeitenden Gewerbes im November gegenüber dem Vormonat leicht um 0,2 % gestiegen. Sie hatte bereits im Oktober zugelegt, um kräftige 3,1 %. Zuvor hatte die Erzeugung angesichts globalen Materialknappheiten und gestörter Lieferketten noch sichtlich abwärts tendiert. Für den leichten Zuwachs im November war nicht zuletzt der gewichtige Kfz-Bereich verantwortlich dessen Ausstoß erneut merklich zunahm, um +4,1 %. Allerdings liegt die Kfz-Produktion nach wie vor erheblich unter ihrem Vorkrisenniveau. In dem für die Gesamtentwicklung ebenfalls sehr bedeutsamen Maschinenbau ist die Erzeugung allerdings gesunken, um 3,6 %. Auch im Baugewerbe war die Produktion im November rückläufig, nachdem sie zuvor gestiegen war (-0,8 % nach +0,7 % im Oktober).

Wieder zunehmende Auftragseingänge

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe sind im November ebenfalls sichtlich gestiegen, nach zwei kräftigen Rückgängen im August und Oktober. Die Neubestellungen nahmen gegenüber dem Vormonat um 3,7 % zu. Ausschlaggebend für den Anstieg war die zunehmende Nachfrage aus dem Euroraum (+13,1 %) und aus dem Nicht-Euroraum (+5,0 %), die den Rückgang der Inlandsorders (-2,5 %) mehr als ausgleichen konnte. Positiv stimmt auch, dass sowohl der Kfz-Bereich (+7,0 %) als auch Maschinenbau (+2,0 %) Zuwächse verzeichnen konnten. Alles in allem deuten die jüngsten Monatsdaten darauf hin, dass das Verarbeitende Gewerbe im 4. Quartal, erstmals seit Ende 2020, wieder einen positiven Beitrag zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum leisten könnte.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR

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