Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 11.10.2021

  • Sondierungsgespräche über eine mögliche Ampelkoalition
  • Leichte Kursgewinne an den Börsen
  • Steigende Anleiherenditen
  • Eurokurs gibt weiter nach
  • Höhere Ölpreise
  • Industrieproduktion deutlich gesunken
  • Anstieg der Auftragseingänge pausiert
  • Schwächeres Exportgeschäft
  • Euroraum-Erzeugerpreise weiter im Höhenflug

Sondierungsgespräche über eine mögliche Ampelkoalition

In Deutschland ist zwei Wochen nach der Bundestagswahl weiterhin unklar, wer künftig die Bundesregierung stellen wird. Nach verschiedenen bilateralen Gesprächen kamen die Parteien SPD, Grüne und FDP am vergangenen Donnerstag erstmals zu gemeinsamen Gesprächen zusammen. Die Gespräche sollen Anfang dieser Woche fortgesetzt werden. Neben der Bildung einer Ampelkoaltion aus SPD, Grünen und FDP scheint auch eine Jamaikakoaltion aus Union, Grünen und FDP nach wie vor möglich. Positiv stimmte hierzulande die Meldung, dass es wohl deutlich mehr geimpfte Menschen gibt als bislang gedacht. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts, die auf Bürgerbefragungen und Meldedaten beruhen, sind in Deutschland bis zu 84 % der Erwachsenen mindestens einmal und bis zu 80 % vollständig geimpft.

Wichtiger als die Regierungsbildung und die Pandemiezahlen in Deutschland waren an den internationalen Finanzmärkten in der zurückliegenden Woche aber erneut die Konjunktur- und Inflationssorgen sowie die Implikationen daraus für die Geldpolitik der großen Notenbanken. Angesichts des vielfach weiter zunehmenden Preisdrucks, etwa bei den Industrie-Erzeugerpreisen im Euroraum (siehe letzte Seite dieses Woche-Infos), scheint eine baldige geldpolitische Normalisierung wahrscheinlicher zu werden. Spekulationen um eine schnellere geldpolitische Wende im Euroraum nährte auch der EZB-Vizepräsident Luis de Guindos. Er teilte Anfang der Woche mit, dass sich die Wahrnehmung der Inflation durch die Notenbank ändern könnte. Seinen Äußerungen zufolge müsse die Notenbank insbesondere Zweitrundeneffekte über Löhne im Blick behalten. Von Seiten der Konjunkturdaten gingen in der vergangenen Woche keine eindeutigen Signale aus. Zwar ist sind die Industrie- und Exportdaten in Deutschland zuletzt im Zuge der gestiegenen Materialengpässe unerwartet deutlich zurückgegangen (siehe Seite 4 des Wochen-Infos). Die jüngsten Daten zum US-Arbeitsmarkt fielen aber teilweise günstiger aus als zuvor erwartet. Positiv wurde allgemein wahrgenommen, dass der US-Senat nunmehr eine Zwischenlösung im Haushaltsstreit bis Anfang Dezember beschlossen hat und damit eine drohende Zahlungsunfähigkeit des Staates vorerst abwendete. Die Schuldenobergrenze soll zunächst um 480 Mio. US-Dollar angehoben werden.

Leichte Kursgewinne an den Börsen

Zu den wichtigsten Gesprächsthemen auf dem Börsenparkett zählten neben den Konjunkturund Inflationssorgen auch der weiterhin drohende Zusammenbruch des chinesischen Immobilien- Unternehmens Evergrande. Die Kurse sind daher zunächst auf Tauchstation gegangen. Der Deutsche Aktienindex DAX fiel zeitweilig unter die Marke von 15.000 Punkten. Zum Ende der Woche setzte nicht zuletzt mit dem Beschluss des US-Senats und der besser als erwartet verlaufenden Entwicklung der US-Arbeitslosenquote aber eine Gegenbewegung hin zu höheren Kursen ein. Der DAX schloss am Freitag, dem 8. Oktober, bei 15.206 Punkten. Er ist damit binnen Wochenfrist um 0,3 % gestiegen. Der Dow Jones kletterte auf Wochensicht um 1,2 % auf 34.764 Punkte.

Steigende Anleiherenditen

Die Aussicht auf eine möglicherweise früher einsetzende Verminderung des geldpolitischen Expansionsgrades ließ die Renditen für die Staatsanleihen Deutschlands und der USA steigen. Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten Ende vergangener Woche bei rund-0,15 % und damit 7 Basispunkte über ihrem Vorwochenultimo. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stiegen um 14 Basispunkte auf knapp 1,61 %.

Eurokurs gibt weiter nach

An den Devisenmärkten hat sich die Talfahrt des Euro gegenüber dem US-Dollar fortgesetzt. Nach EZB-Angaben beendete der Euro die Handelswoche bei knapp 1,15 US-Dollar, 0,2 % unter dem Vorwochenultimo. Im Vergleich zu den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartner des Euroraums gab die Gemeinschaftswährung auf Wochensicht ebenfalls leicht um 0,2 % nach.

Höhere Ölpreise

Die Rohölnotierungen sind im Verlauf der vergangenen Woche weiter gestiegen. Befördert wurde die Entwicklung nicht zuletzt von der Entscheidung der OPEC+-Mitgliedsstaaten, die bestehenden Förderquoten nicht stärker auszuweiten. Meldungen wie die, dass Russlands Präsident Putin „Rekordmengen“ an Gaslieferungen nach Europa in Aussicht stellte und dass die Rohöl-Lagerbestände in den USA stark gestiegen sind, konnten den Trend zu steigenden Rohölnotierungen nur vorübergehende unterbrechen. Im Wochenvergleich legte die Nordseesorte Brent um 3,4 % auf rund 82,2 Dollar je Barrel zu. Die US-Sorte WTI erhöhte sich um 4,7 % auf etwa 79,6 Dollar je Barrel.

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Industrieproduktion deutlich gesunken

Die Folgen der gestiegenen Knappheiten bei wichtigen Vorprodukten wie Computerchips, Halbleitern, Plastik und Metallen scheinen gravierender auszufallen als bislang erwartet. Darauf lassen zumindest die jüngsten amtlichen Monatsdaten zur Industriekonjunktur in Deutschland schließen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Industrieproduktion im August gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 4,7 % gesunken. Im Juli war der industrielle Ausstoß noch um 1,4 % gestiegen. In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger stark beeinträchtigten Zweimonatsvergleich Juli/August gegenüber Mai/Juni kam es zu einem Produktionsrückgang um 1,1 %. Für den Produktionsschwund im August war nicht zuletzt der gewichtige Kfz-Bereich verantwortlich. Hier sank die Erzeugung um deutliche 17,5 %, gedämpft auch durch spätere Betriebsferien einiger Hersteller, die offenbar nur unzureichend durch das Saisonbereinigungsverfahren berücksichtigt werden können. Der ähnlich bedeutsame Maschinenbau meldete ebenfalls ein merkliches Minus, von 6,3 %. Auch im Baugewerbe hat sich die Produktion im August vermindert. Der Rückgang fiel mit einem Minus von 3,1 % aber weniger stark aus als im Verarbeitenden Gewerbe. Im Zweimonatsvergleich kam es zu einer Stagnation der Bauproduktion.

Anstieg der Auftragseingänge pausiert

Der deutliche Aufwärtstrend bei den Auftragseingängen des Verarbeitenden Gewerbes hat sich im August nicht fortgesetzt. Die Neubestellungen sind um deutliche 7,7 % gesunken, nachdem sie im Juni und Juli noch um kräftige 4,6 % und 4,9 % gestiegen waren. Für den Zweimonatsvergleich ergibt sich ein Rückgang der Auftragseingänge um 3,1 %. Treibender Faktor für den Auftragsschwund war die nachlassende Nachfrage aus dem Ausland (-9,5 %) und hier insbesondere aus dem Nicht-Euroraum (-15,2 %). Die Nachfrage aus dem Inland (-5,2 %) gab demgegenüber weniger deutlich nach. Innerhalb der Industrie verzeichneten die Hersteller von Investitionsgütern, die offenbar im besonderen Umfang von den anhaltenden Chip- und Halbleitermangel betroffen sind, mit -11,1 % den stärksten Rückgang. Insgesamt lässt das trotz des jüngsten Rückgangs nach wie vor hohe Niveau der Neuaufträge für die nächsten Monate an Anziehen der Industriekonjunktur erwarten. Dies setzt aber voraus, dass die Beeinträchtigungen durch die Materialengpässe allmählich nachlassen.

Schwächeres Exportgeschäft

Parallel zur Entwicklung der Industriedaten hat sich auch das Exportgeschäft der deutschen Wirtschaft abgeschwächt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden von Deutschland im August kalender- und saisonbereinigte Waren im Wert von 113,0 Mrd. Euro ausgeführt und Waren im Wert von 100,1 Mrd. Euro eingeführt. Die Ausfuhren sind damit gegenüber dem Vormonat um 1,2 % gesunken, nachdem sie seit April 2020 kontinuierlich gestiegen waren. Zuvor, im Juli, hatten die Warenexporte um 0,6 % zugelegt. Sie befinden sich aber um 0,5 % über dem Stand, den sie im Februar 2020 vor dem Ausbruch der Coronakrise in Deutschland erlangt haben. Bei den Wareneinfuhren nach Deutschland kam es im August zu einem deutlichen Anstieg um 3,5 %, mit dem der Rückgang vom Vormonat (-3,6 %) größtenteils wieder ausgeglichen werden konnte. Alles in allem deuten die jüngsten Daten zum grenzüberschreitenden Handel darauf hin, dass der Außenhandel als Ganzes im 3. Quartal einen positiven Beitrag zum Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) leisten wird. Im 2. Quartal hatte der Außenbeitrag das BIP-Wachstum noch um 0,6 % vermindert.

Euroraum-Erzeugerpreise weiter im Höhenflug

Der kräftige Anstieg der Industrie-Erzeugerpreise hat sich im Euroraum noch weiter beschleunigt. Nach Angaben von Eurostat lag der Erzeugerpreisindex im August um 13,4 % über seinem Vorjahresmonatswert. Im Juli hatten sich die Preise noch um 12,4 % verteuert. Haupttreiber der Gesamtentwicklung sind weiterhin die Energiepreise, die im August stärker stiegen als zuvor (+32,0 % nach +30,1 % im Juli). Überdurchschnittliche Preissteigerungen waren im Zuge der globalen Materialengpässe aber auch bei den Vorleistungsgütern (+14,2 %) zu verzeichnen. Die Preise für Verbrauchs- (+2,8 %), Gebrauchs- (+3,0 %) und Investitionsgüter (+3,1 %) haben sich demgegenüber weniger deutlich erhöht. Angesichts des anhaltenden Höhenflugs auf der Erzeugerstufe dürfte der Preisauftrieb in naher Zukunft auch auf der Verbraucherstufe hoch bleiben. Die Verbraucherpreise sind jüngst, im September, um 3,4 % gestiegen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR

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