Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 12.02.2024

  • Ratsmitglied Schnabel sieht langsamere Zinssenkungen
  • Regionalbankenkrise Reloaded?
  • Aktien: Abwarten in der Breite, Optimismus bei Technologie
  • Anleihen: „Higher for longer“ – ein bisschen
  • Devisen: Euro stagniert bei langfristiger Schwäche zum Dollar
  • Rohstoffe: Ölpreis schwingt zurück nach oben
  • Industrieproduktion erneut gesunken
  • Auftragslage abgesehen von Großaufträgen mau
  • Außenhandel gibt stark nach
  • Rückläufiger Preisauftrieb im Euroraum

Ratsmitglied Schnabel sieht langsamere Zinssenkungen

In einem am 7. Februar veröffentlichten Interview mit der Financial Times mühte sich EZB-Ratsmitglied Isabel Schnabel, den Zinsoptimismus zu dämpfen. Es bestünden weiterhin Inflationsrisiken wie Energieknappheit oder nötige Klimainvestitionen. Die EZB beobachte zudem steigende Löhne ohne steigende Produktivität, die inflationstreibend wirken könnten. Zwar dämpfe die Geldpolitik die Nachfragte, wodurch Unternehmen gezwungen sein könnten, ihre Profitmargen zu senken, statt die Lohnkosten als Preiserhöhungen weiterzureichen. Diese Entwicklungen müsse die Notenbank im Auge behalten.

Daher müsse die EZB aus Schnabels Sicht die Zinsen vorsichtig, also langsam, senken, und gegebenenfalls auch pausieren, um relevante Wirtschaftsdaten abzuwarten. Damit wehrte sie sich gegen den Marktoptimismus und erklärte: Der Zeitpunkt für Zinssenkungen sei noch nicht gekommen. Schnabel und ihre Fraktion im Rat dürften versuchen, diese Sicht bis in den Sommer zu halten.

Regionalbankenkrise Reloaded?

In der vergangenen Woche geriet die New York Community Bancorp (NYCB) in die Schlagzeilen. Sie musste einen Verlust berichten und erlebte in der Folge schwere Kursverluste. Sie gehört zu den US-Regionalbanken, die typischerweise intensiv im Immobilienkreditgeschäft arbeiten. Da dieser Markt aufgrund der Zinswende schwächelt, müssen diese Banken gegenwärtig ihre Risikopuffer erhöhen. Das gilt insbesondere für den besonders betroffenen Gewerbeimmobilienmarkt, der von strukturellen Faktoren wie dem Home-Office zusätzlich geschwächt wird.

NYCB erinnert als Regionalbank an die Vorjahresinsolvenzen von Silicon Valley oder First Republic Bank. Daher reagieren die Anleger nervös, obwohl NYCB ausreichend liquide ist und bisher keine massiven Einlagenabflüsse zu verzeichnen hat, wie es bei Silicon Valley Bank der Fall gewesen war.

Die Nervosität um NYCB dürfte daher weniger eine neue Bankenkrise einläuten, sondern die Konsolidierungsphase bei Gewerbeimmobilien mit entsprechenden Verlusten bei betroffenen Banken.

Aktien: Abwarten in der Breite, Optimismus bei Technologie

Der US-Technologieindex legte in der vergangenen Woche um weitere 2,31 % zu. Damit steht er gut ein Drittel höher als vor einem Jahr und profitiert weiterhin von KI-Hoffnungen auf Produktivitätssteigerungen.

Die breiteren Märkte jedoch stagnierten eher. Der DAX beschloss die Woche fast unverändert bei 16.926,5 Punkten und damit unterhalb der Grenze von 17.000 Punkten, die er am Mittwoch kurzzeitig überschritten hatte. Euro Stoxx 50 und S&P 500 konnten immerhin noch im Bereich von einem Prozentpunkt zulegen.

Anleihen: „Higher for longer“ – ein bisschen

Die Kurse von Staatsanleihen fielen in der Vorwoche. Die Renditen legten im Umkehrschluss leicht zu: Für zehnjährige US-Anleihen um 14,9 Basispunkte auf 4,18 %, für gleichlange deutsche Papiere um 15,1 Basispunkte auf 2,38 %. Die Warnungen der Fed und der EZB, dass die Finanzmärkte zu viele und zu schnelle Zinssenkungen erwarten, scheinen also zumindest in geringer Dosis zu verfangen.

Devisen: Euro stagniert bei langfristiger Schwäche zum Dollar

Die Gemeinschaftswährung fiel in der Vorwoche um 0,14 % auf 1,079 Dollar und zeigt sich damit unter der Woche sowie seit einem Jahr in der Endabrechnung fast unverändert. Gleiches gilt für die Lage dahinter: Die US-Wirtschaft wächst, die europäische stagniert und beide Notenbanken agieren in relativem Gleichschritt. Allerdings warnen sie inzwischen nicht mehr vor weiteren Zinserhöhungen, sondern gegen die Hoffnung auf schnelle Senkungen, weil die Inflation beiderseits des Atlantiks stark zurückgegangen ist.

Rohstoffe: Ölpreis schwingt zurück nach oben

Unter der Woche stieg der Preis für den Barrel Rohöl der Referenzsorte Brent um 5,42 % auf 81,73 US-Dollar. Dieser starke Ausschlag verdeckt aber nur eine anhaltende Stagnation. Der Ölpreis lag vor drei Monaten auf demselben Niveau, vor einem Jahr etwas höher (-3,36 % Rückgang seitdem). Daran zeigt sich, dass die Förderkürzungen der OPEC+, die Förderung der USA, geopolitische Krisen und Konjunkturschwäche bisher in einer Art Gleichgewicht stehen.

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Industrieproduktion erneut gesunken

Zum Jahresende zeigte sich die Industriekonjunktur in Deutschland weiterhin schwach. Nach vorläufigen amtlichen Daten ist die Industrieproduktion im Dezember gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,5 % zurückgegangen. Auch im Baugewerbe (-3,4 %) wurde die Produktion verringert. Innerhalb der Industrie verminderten sich die Erzeugung in der chemischen Industrie (-7,6 %) besonders stark. Dieser Wirtschaftszweig gilt als überdurch-schnittlich energieintensiv und ist daher im stärkeren Umfang von den Energiepreisen betroffen, welche vielfach noch immer über den vor dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine markierten Ständen liegen. Auch im Maschinenbau (-1,6 %) gab die Produktion nach, was angesichts der hohen Unsicherheiten und der schwachen Weltkonjunktur nicht verwundert. In der Automobilindustrie (+4,0 %) legte der Ausstoß hingegen, entgegen der allgemeinen Tendenz, zu. Im gesamten 4. Quartal lag die Industrieproduktion um 1,8 % im Minus.

Auftragslage abgesehen von Großaufträgen mau

Die Auftragseingänge des verarbeitenden Gewerbes sind im Dezember zwar kräftig gestiegen. Sie legten gegenüber dem Vormonat um 8,9 % zu, wobei der Anstieg bei den Inlandsbestellungen (+9,4 %) stärker ausfiel als bei den Auslandsorders (+8,5 %). Die Gesamtentwicklung wurde jedoch durch ein sehr hohes Volumen an Großaufträgen überzeichnet. Zu nennen sind hier vor allem außergewöhnlich viele Flugzeugbestellungen, welche die Neuaufträge im Bereich des sonstigen Fahrzeugbaus mit einer Verlaufsrate von +110,9 % mehr als verdoppelten. Auch in den Bereichen Herstellung von Metallerzeugnissen (+18,0 %) und Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (+38,7 %) wurde die Entwicklung merklich durch Großaufträge befördert. Im Gegensatz dazu gingen die Aufträge in den gewichtigen Bereichen Automobilindustrie (-14,7 %), Maschinenbau (-5,3 %) und chemische Industrie (-3,7 %) zurück. Über das gesamte 4. Quartal betrachtet stagnierten die Neuaufträge im Wesentlichen (+0,1 %). Gemäß der jüngsten Unternehmensumfragen des ifo Instituts hat sich die Auftragsschwäche zu Jahresbeginn noch verstärkt. Demnach ist der Anteil von Industriefirmen, die über fehlende Aufträge berichten, von 36,0 % im Oktober auf 36,9 % im Januar gestiegen. Alles in allem spricht die Auftragsentwicklung gegen eine rasche Belebung der Industriekonjunktur.

Außenhandel gibt stark nach

Beim grenzüberschreitenden Handel der deutschen Wirtschaft hat sich die Erholung vom November erwartungsgemäß nicht fortgesetzt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden von Deutschland im Dezember kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 125,3 Mrd. Euro ausgeführt und Waren im Wert von 103,1 Mrd. Euro eingeführt. Die Exporte sanken gegenüber dem Vormonat um deutliche 4,6 %, die Importe brachen um 6,7 % ein. Auch über das gesamte 4. Quartal betrachtet sind die Exporte (-0,8 %) und Importe (-3,6 %) zurückgegangen, was als weiteres Anzeichen für die verhaltene Weltkonjunktur, aber auch für die schwache Binnennachfrage hierzulande gewertet werden kann. Der Start in das neue Jahr dürfte für die Außenhandelsunternehmen ebenfalls schlecht verlaufen. Darauf deuten zumindest die ifo Exporterwartungen hin, die von -7,1 Punkten im Dezember auf -8,4 % im Januar gesunken sind.

Rückläufiger Preisauftrieb im Euroraum

Im Euroraum hat sich im Dezember der seit Mai 2023 bestehende Rückgang der industriellen Erzeugerpreise fortgesetzt. Der Erzeugerpreis-index lag um 10,6 % unter seinem Vorjahresmonatswert. Maßgeblich für den jüngsten Rückgang waren die Preise für Energie und Vorleistungen, die sich binnen Jahresfrist um 27,5 % beziehungsweise 4,9 % verbilligten. Im Gegensatz dazu haben die Preise für Investitions- (+2,8 %), Gebrauchs- (3,0 %) und Verbrauchsgüter (+3,2 %) aber erneut verteuert. Insgesamt legen die neuen Daten nahe, dass der Preisauftrieb auf der Verbraucherstufe perspektivisch weiter nachlassen wird. Die Inflationsrate, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), war zuletzt von 2,9 % im Dezember auf 2,8 % im Januar gefallen. Auch die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmitteln) war gesunken, von 3,4 % auf 3,3 %.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR