Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 13.09.2021

  • Bundesländer wollen Lohnfortzahlung im Quarantänefall einschränken
  • Europäische Zentralbank drosselt Anleihekäufe
  • Aktienmärkte im Vorfeld der EZB-Ratssitzung im Minus
  • Euro verliert an Außenwert
  • Kapitalmarktzinsen ziehen leicht an
  • Rohölpreisnotierungen kaum verändert
  • Steigende Industrieproduktion
  • Erneut mehr Aufträge
  • Firmenpleiten im 1. Halbjahr um 17,7 % gesunken
  • Weiter rückläufige Konjunkturerwartungen

Bundesländer wollen Lohnfortzahlung im Quarantänefall einschränken

Das Infektionsgeschehen hat in der vergangenen Woche nur noch leicht zugenommen. Hierauf deutet zumindest der lediglich noch leichte Anstieg der 7-Tage-Inzidenz von 80 auf 84 Fälle je 100.000 Einwohner am vergangenen Freitag hin. Auch der Anstieg der Zahl der Erwachsenen in intensivmedizinischer Behandlung hat sich erstmals seit fünf Wochen nicht weiter beschleunigt. Allerdings lassen sich immer weniger Menschen impfen. In der vergangenen Woche wurden lediglich noch rund 171.000 Impfdosen am Tag verabreicht. Darunter rund 70.000 Erstimpfungen. Aktuell haben 62,0 % der Bevölkerung alle für eine Immunisierung notwendigen Dosen verabreicht bekommen. 66,4 % der Bevölkerung haben mindestens eine Impfdosis empfangen. Angesichts des vergleichsweise hohen Anteils Impfunwilliger, wollen einige Länder die Lohnfortzahlung im Quarantänefall nicht aufrechterhalten. Dies soll für Personen gelten, für die keine medizinischen Gründe vorlägen, welche gegen eine Impfung sprächen.

Europäische Zentralbank drosselt Anleihekäufe

Am Donnerstag hat der EZB-Rat die erwartete Drosselung der Anleihekäufe im Rahmen des Pandemie-Notfallankaufprogramms (PEPP) beschlossen. Nach Ansicht des Rates können günstige Finanzierungsbedingungen nun auch bei einem geringeren monatlichen Ankaufvolumen gewährleistet werden. Die Konjunktur wird nun deutlich optimistischer eingeschätzt. So wurden in der vierteljährlichen EZB-Projektion sowohl das Tempo der gesamtwirtschaftlichen Expansion als auch der Preisauftrieb im Euroraum deutlich nach oben korrigiert. Keine offizielle Aussage gibt es allerdings dazu, wie hoch die monatlichen Nettokäufe nach der verkündeten moderaten Reduktion ausfallen werden. Im 1. Quartal 2021 lagen die monatlichen PEPP-Käufe bei rund 60 Mrd. Euro. Im Sommerhalbjahr sollten diese Käufe deutlich umfangreicher ausfallen und beliefen sich auf monatlich rund 80 Mrd. Euro. Insidern zufolge werde ein monatliches Kaufziel von 60 bis 70 Mrd. Euro angepeilt. Eine Entscheidung bezüglich eines Endes bzw. einer Verlängerung des PEPP wurde hingegen nicht gefällt. Hierüber soll im Dezember entschieden werden. Auch die übrigen Maßnahmen wie Leitzinsen, die Konditionen der gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte und die Ankaufvolumina im Rahmen des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten wurden nicht angepasst.

Aktienmärkte im Vorfeld der EZB-Ratssitzung im Minus

An den Finanzmärkten wurde in der vergangenen Woche mit Spannung auf die EZB-Ratssitzung am Donnerstag geschaut. Aufgrund von Äußerungen im Vorfeld der Sitzung wurde eine Straffung der geldpolitischen Ausrichtung erwartet, weshalb die Notierungen an den Aktienmärkten bereits vor der Sitzung nachgaben. Die Einigung des EZB-Rats auf eine lediglich moderate Reduktion der Nettokäufe wurde an den Aktienmärkten mit Erleichterung aufgenommen. Der DAX verlor in der vergangenen Woche dennoch 1,1 % an Wert und schloss mit rund 15.610 Punkten. Auch europäische Aktien verzeichneten in der vergangenen Woche Wertverluste. Der STOXX EUROPE 600 verlor 1,2 % an Wert. In den USA notierte der S&P 500 Index zum Wochenende 1,7 % schwächer als eine Woche zuvor.

Euro verliert an Außenwert

Der Euro hat in der vergangenen Woche insbesondere im Vorfeld der EZB-Ratssitzung spürbar an Außenwert verloren. Gegenüber dem US-Dollar verlor der Euro 0,6 % an Wert und notierte zum Wochenultimo bei 1,18 US-Dollar. Gegenüber den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartner des Euroraums wertete der Euro um 0,2 % ab.

Kapitalmarktzinsen ziehen leicht an

Die Kapitalmarktzinsen haben in der vergangenen Woche trotz der angekündigten Kürzung der PEPP-Käufe nur leicht angezogen. Da die Entscheidung erwartet worden war, dürfte diese zum Teil bereits zuvor eingepreist gewesen sein. Deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten zum Wochenende bei -0,33 %. Dies waren 3 Basispunkte mehr als vor Wochenfrist.

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Rohölpreisnotierungen kaum verändert

In Europa notierte ein Fass Rohöl der Sorte Brent zum Wochenultimo bei 72,4 US-Dollar. Dies waren 0,9 % weniger als vor Wochenfrist. In den USA notierte ein Fass Leichtöl der Sorte WTI zum Wochenende bei 69,8 US-Dollar, damit 0,7 % fester als am Freitag der Vorwoche. Zu Wochenbeginn hatten noch Preiskürzungen für Öllieferungen Saudi-Arabiens an asiatische Kunden die Märkte belastet.

Steigende Industrieproduktion

Zu Beginn des zweiten Halbjahres hat die Industriekonjunktur in Deutschland an Fahrt aufgenommen. Die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes erhöhte sich im Juli gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,3 %. Zuvor war der Ausstoß drei Monate in Folge leicht zurückgegangen, nicht zuletzt wegen der deutlich gestiegenen Knappheiten bei wichtigen Vorprodukten. In dem für die Gesamtentwicklung sehr wichtigen Bereich Kfz und Kfz- Teile legte die Erzeugung um 1,9 % zu, trotz der Knappheiten insbesondere bei Halbleitern. Auch im ähnlich gewichtigen Maschinenbau wurde die Erzeugung ausgeweitet. Sie stieg um kräftige 6,9 %, was als Zeichen für eine dynamische Weltkonjunktur interpretiert werden kann. Positiv stimmt zudem, dass die Produktion im Baugewerbe ebenfalls zunahm. Ungeachtet der auch hier bestehenden Engpässe beispielsweise bei Holz- und Stahlvorprodukten expandierte die Bauproduktion um 1,1 %. Damit konnte der Rückgang des Vormonats (-1,8 %) größtenteils wieder ausgeglichen werden. Insgesamt nähren die jüngsten Produktionsdaten die Hoffnung, dass die Materialknappheiten in der zweiten Jahreshälfte allmählich an Bedeutung verlieren. Das Wirtschaftswachstum dürfte daher im weiteren Jahresverlauf nicht nur von den kräftig zunehmenden Konsumausgaben, sondern auch von steigenden Investitionen und Nettoexporten getragen werden.

Erneut mehr Aufträge

Die spürbare Aufwärtsbewegung bei den hiesigen Industrie-Auftragseingängen hält an. Die Bestellungen des Verarbeitenden Gewerbes sind im Juli um 3,4 % gestiegen, nachdem sie bereits im Juni um merkliche 4,6 % zugelegt hatten. Befördert wurde die dynamische Gesamtentwicklung im Juli allein durch die Auslandsorders (+8,0 %). Die Aufträge aus dem Inland gaben, nach einem sehr kräftigen Zuwachs im Vormonat (+9,8 %), im Juli (-2,5 %) etwas nach. Innerhalb der Industrie waren vor allem die Hersteller pharmazeutischer Erzeugnisse sowie der sonstige Fahrzeugbau für den Bestellzuwachs verantwortlich. Im wichtigen Kfz-Bereich kam es hingegen, nach einem merklichen Zuwachs im Vormonat, zu einem Rückgang. Insgesamt legen die Bestellungen für die nächsten Monate eine Fortsetzung des Wachstums der Industrieproduktion nahe. Voraussetzung hierfür ist aber, dass die weit verbreiteten Materialknappheiten auch tatsächlich abflauen.

Firmenpleiten im 1. Halbjahr um 17,7 % gesunken

Die wirtschaftliche Not, in die viele Unternehmen in Deutschland im Zuge der Coronakrise geraten sind, findet in den amtlichen Daten zum Insolvenzgeschehen bislang noch immer keinen Widerhall. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden von den Amtsgerichten im ersten Halbjahr 2021 7.408 Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Dies waren 17,7 % weniger als im entsprechenden Vorjahrszeitraum und 22,9 % weniger als in dem von der Krise unbeeinflussten ersten Halbjahr 2019. Angesichts der seit Mai 2021 vollumfänglich ausgelaufenen Aussetzung der Insolvenzantragspflicht und wegen des niedrigen Ausgangsniveaus vom Krisenjahr 2020 könnte es in der zweiten Jahreshälfte zu im Vorjahresvergleich steigenden Fallzahlen kommen. Auf einen baldigen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen im Vorjahresvergleich lässt auch der Schnellindikator zu den Regelinsolvenzen schließen, der im August um 14 % gestiegen ist, nachdem er im Juli (+0,4 %) noch nahezu stagniert hatte. Angesichts der andauernden staatlichen Hilfen dürfte es zunächst aber nicht zu einer großen Insolvenzwelle kommen. Im Kontrast zu den Firmenpleiten sind die Verbraucherinsolvenzen im ersten Halbjahr merklich gestiegen. Sie legten im Vorjahrsvergleich um 51,1 % auf 42.304 Fälle zu. Maßgeblich für den Anstieg dürfte die ab Oktober 2020 wirkende schrittweise Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre gewesen sein.

Weiter rückläufige Konjunkturerwartungen

Im September sind die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland erneut gesunken. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Finanzmarktfachleuten beruhende Indikator gab um 13,9 Punkte auf 26,5 Punkte nach. Er nähert sich damit weiter seinem langjährigen Mittelwert von 23,0 Punkten an. Maßgeblich für den nunmehr vierten Rückgang des Stimmungsindikators in Folge dürfte neben den Materialknappheiten die gestiegenen Pandemiesorgen sein. Die Indikatoren zu den Neuinfektionen mit dem Coronavirus sowie zur Hospitalisierung in Deutschland tendieren seit einigen Wochen sichtlich nach oben, was eine baldige Verschärfung der Infektionsschutzmaßnahmen nach sich ziehen könnte. Im Gegensatz zu den Konjunkturerwartungen wurde die aktuelle Lage aber nochmals günstiger beurteilt. Der entsprechende ZEW-Indikator ist um 2,6 Punkte auf einen Stand von 31,9 Punkten gestiegen. Alles in allem signalisieren die jüngsten ZEW-Daten, dass das Wirtschaftswachstum hierzulande nach einem sehr dynamischen 3. Quartal im 4. Quartal an Schwung verlieren wird.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR

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