Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 14.11.2022

  • US-Inflation niedriger als erwartet – aber das Gesamtbild bleibt angespannt
  • Aktien: Inflationszahlen machen Börsen Hoffnung
  • Rückgang der Anleiherenditen
  • Euro profitiert von US-Inflationszahlen
  • Ölpreis fällt leicht auf hohem Niveau
  • Insolvenz der Kryptobörse FTX ein Schlag für das Segment
  • Industrieproduktion tendiert seitwärts
  • Neuaufträge stark rückläufig
  • Mehr Unternehmensinsolvenzen
  • Anstieg der Inflationsrate auf über 10 % bestätigt

US-Inflation niedriger als erwartet – aber das Gesamtbild bleibt angespannt

Am Donnerstag, dem 10. November, veröffentlichte das US Bureau of Labour Statistics die Inflationsdaten für Oktober. Analysten hatten mit 7,9 % gerechnet, der tatsächliche Wert lag mit 7,7 % leicht darunter. Damit verlangsamte sich die Inflation in den USA im Vergleich zu den letzten Monaten.

Die Märkte nahmen diese Botschaft sehr positiv auf. Es begann eine breite Rallye, deren Sinnbild der Nasdaq ist: Der Index stieg am Donnerstag um über 7 %. Die Technologieunternehmen im Nasdaq hatten in den vergangenen Monaten am stärksten verloren, da ihre auf Wachstum ausgelegten Geschäftsmodelle besonders von steigenden Zinsen betroffen sind. Die Erwartungen für den nächsten Zinsschritt der Fed im Dezember sanken parallel auf eine Höhe von 50 Basispunkten statt 75.

Wenngleich ein solcher Schritt wahrscheinlicher geworden ist, erscheint der Optimismus verfrüht. Die Kernrate der US-Inflation liegt zum Vorjahresmonat bei immer noch 6,3 %, die stärker lohnabhängige Dienstleistungsinflation bei 6,7 %. Auch Offizielle der US-Notenbank Fed äußerten sich eher zurückhaltend. Die Inflation sei weiterhin zu hoch und halte an. An ihrer restriktiven Politik wollen die Notenbankiers festhalten.

Die Gefahr der Inflation ist zudem nicht gebannt, wie ein Blick nach Europa zeigt. Dort war die Lohnentwicklung bisher noch zurückhaltend, doch ragen erste Abschlüsse nun heraus. Die österreichischen Metallarbeiter konnten einen Anstieg ihrer Gehälter um 7 % durchsetzen, rückwirkend zum November. Die deutsche IG Metall fordert gegenwärtig 8 % bei einem Jahr Laufzeit. Diese Abschlüsse erhöhen das Risiko von Zweitrundeneffekten, wenn sie zur Norm werden und die Arbeitgeber Preismacht ausüben können.

Diese Entwicklungen, wie auch geldpolitische Maßnahmen, erzeugen ihre Wirkung bekanntlich erst mit Verzögerung. Darin ähneln sie den Strom- und Gaspreisen, die erst mit der Zeit, nach Ablauf von Fristen und Verträgen, vollständig auf die Endverbraucher übergewälzt werden. Die Unsicherheiten bezüglich der Inflation und der wirtschaftlichen Entwicklung werden daher bestehen bleiben.

Aktien: Inflationszahlen machen Börsen Hoffnung

Auch in Europa wirkten sich die hohen, aber niedriger als erwarteten US-Inflationszahlen positiv aus. Der Dax wie auch der Euro Stoxx 50 sprangen am 10. November nach oben und konnten die Gewinne am Freitag noch leicht ausbauen. Insgesamt steigerte sich der Dax unter der Woche von 13.459 auf 14.224 Punkte, also 5,7 %. Der Euro Stoxx stieg um 4,9 % auf 3.868. Wie nachhaltig diese Anstiege sind, wird sich mit den nächsten Inflationsdaten für Europa zeigen.

Rückgang der Anleiherenditen

Auch die Anleihemärkte reagierten deutlich auf die Inflationszahlen aus den USA. Die Renditen der zehnjährigen Anleihen der Vereinigten Staaten fielen am Donnerstag, dem 10. November, von 4,15 auf 3,83 %. Zum Wochenende verharrte sie bei 3.83 %. Die zehnjährige Bundesanleihe fiel parallel in Richtung der Marke von 2- Prozent zurück, stieg am Freitag aber wieder auf 2,16 %.

Euro profitiert von US-Inflationszahlen

Die niedrigeren Inflationsdaten erlaubten auch dem Euro in der vergangenen Woche leichte Zugewinne. Die Gemeinschaftswährung stieg auf einen Wert von 1,03 US-Dollar, ein Anstieg um 3,9 %. Denn sollte die Fed die Zinsen weniger als erwartet erhöhen, würde sich der erwartete Zinsabstand des Dollar zum Euro verringern.

Ölpreis fällt leicht auf hohem Niveau

Das Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent notierte vergangene Woche zu einem Schlusskurs von 96,4 Dollar. Das sind 3,2 % weniger als zum Wochenauftakt, aber immer im Umfeld des Dreimonatsmittels (93,8 Dollar). Der Preis scheint sich damit vorerst auf hohem Niveau stabilisiert zu haben, was jedoch auch an der von Lockdowns gebremsten chinesischen Nachfrage liegt.

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Insolvenz der Kryptobörse FTX ein Schlag für das Segment

Am Freitag, dem 11. November, meldete die USKryptobörse FTX Insolvenz an, nachdem sie unter der Woche in Liquiditätsengpässe gekommen war. Eine Übernahme durch den größeren Konkurrenten Binance scheiterte, als dieser sich nach Blick in die FTX-Bücher zurückzog. Die US-Aufsicht SEC soll Ermittlungen aufgenommen haben. Diese Vorwürfe gegen einen etablierten Akteur auf dem Kryptomarkt könnten das Vertrauen in das Segment untergraben und weitere Kursverluste auslösen.

Industrieproduktion tendiert seitwärts

Angesichts der kräftig steigenden Energie- und Materialkosten, der eingetrübten weltwirtschaftlichen Entwicklung, der andauernden Störungen der Logistikketten und der enormen Unsicherheiten zeigt sich die Industriekonjunktur hierzulande weiterhin gedämpft. Die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes ist im September zwar gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,7 % gestiegen. Das Wachstum reichte jedoch nicht, um die Rückgänge vom Juli (-0,6 %) und August (-0,4 %) wieder auszugleichen. Ein zentraler Treiber des jüngsten Produktionszuwachses war der für die Gesamtentwicklung sehr wichtige Bereich Kfz und Kfz-Teile (+9,3 %). Möglicherweise führten hier nachlassende Materialknappheiten zu einer gewissen Belebung. So ist der Anteil von Unternehmen, die über Beeinträchtigungen durch Materialengpässe berichten, in der Automobilbranche jüngst im Vormonatsvergleich von 82,0 % auf 74,9 % gesunken. In anderen wichtigen Bereichen, wie in der Herstellung chemischer Erzeugnisse (-2,9 %) und im Maschinenbau (-1,7 %), hat sich die Produktion im September allerdings vermindert. Auch im Baugewerbe ist die Produktion gesunken. Die Bauproduktion verminderte sich um 0,3 %, nach einem Anstieg im Juli (+1,9 %) und einem darauffolgenden deutlichen Rückgang im August (-3,5 %). Im gesamten 3. Quartal unterschritt die Bauproduktion ihren Vorquartalswert um 0,6 %; während die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes — wegen eines statistischen Überhangs — um 0,5 % im Plus lag.

Neuaufträge stark rückläufig

Die Auftragseingänge des Verarbeitenden Gewerbes sind im September um deutliche 4,0 % gesunken. Sie hatte bereits im August (-2,0 %) merklich nachgegeben. Maßgeblich für den jüngsten Auftragsschwund waren die Bestellungen aus dem Ausland (-7,0 %), deren Rückgang nur sehr begrenzt durch eine leicht höhere inländische Nachfrage (+0,5 %) kompensiert werden konnte. Nach Branchen differenziert sanken die Bestellungen sowohl im wichtigen Kfz-Bereich (- 9,0 %) als auch im Maschinenbau (-8,1 %). Vor dem Hintergrund der jüngsten Rückgänge befinden sich die Neuaufträge nunmehr wieder in der Nähe des Niveaus, dass sie Ende 2019 vor dem Ausbruch der Coronakrise erreicht hatte. Die Auftragsentwicklung spricht zusammen mit der starken Eintrübung wichtiger Stimmungsindikatoren dafür, dass sich die Industriekonjunktur zum Jahresende merklich abschwächen wird.

Mehr Unternehmensinsolvenzen

Vor dem Hintergrund des sich merklich eintrübenden Konjunkturumfelds ist die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland im August gestiegen. Sie legte gegenüber dem Vorjahresmonat um 11,5 % auf 1.147 zu. Damit setzte sich der leichte Aufwärtstrend fort, der seit dem lokalen Tiefstand im August 2021 zu beobachten ist. Nach Wirtschaftsbereichen differenziert waren die meisten Firmenpleiten erneut im Baugewerbe mit 198 Fällen (+4,2 % zum Vorjahresmonat) zu verzeichnen und im Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) mit 167 Verfahren (+18,4 %). Die andauernde Verschlechterung des Konjunkturumfelds, die im langfristigen Vergleich noch immer sehr niedrigen Fallzahlen und der amtliche Schnellindikator zu den beantragten Regelinsolvenzen lassen für die nächste Monate weitere Anstiege der Unternehmensinsolvenzen erwarten. Der Schnellindikator ist jüngst, im Oktober, gegenüber dem Vormonat um deutliche 18,4 % gestiegen und befindet sich damit spürbar über seinem Vorjahresmonatswert. Im Gegensatz zu den Unternehmensinsolvenzen sind die Verbraucherinsolvenzen im August zurückgegangen. Sie verminderten sich im Vorjahresmonatsvergleich um 6,9 % auf 5.383.

Anstieg der Inflationsrate auf über 10 % bestätigt

Das Statistische Bundesamt hat inzwischen detaillierte Angaben zur jüngsten Entwicklung der Verbraucherpreise in Deutschland vorgelegt und dabei das zentrale Ergebnis seiner Ende Oktober veröffentlichten vorläufigen Schätzungen bestätigt. Demnach ist die Inflationsrate, gemessen am Verbraucherpreisindex (VPI), von 10,0 % im September auf 10,4 % im Oktober gestiegen.

Der Hauptgrund für die hohe Gesamtteuerung bleiben die Energiepreise. Hier hat sich der Anstieg gegenüber dem Vormonat aber leicht vermindert (+43,0 % im Oktober nach +43,9 % im September), wofür unter anderem die Senkung der Umsatzsteuer für Erdgaslieferungen und Fernwärme von 19 auf 7 % verantwortlich war. Maßgeblich für den weiteren Anstieg der Inflationsrate im Oktober sind die Dienstleistungs- und die Nahrungsmittelpreise, die sich stärker verteuerten als zuvor (+4,0 % nach +3,6 % beziehungsweise +20,3 % nach +18,7 %). Zum Jahresende dürfte der Höhenflug der Verbraucherpreise zunächst anhalten. Gemäß der aktuellen Inflationsprognose des BVR dürfte die Inflationsrate im Mittel des 4. Quartals bei rund 11 % liegen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR