Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 16.01.2023

  • Inflation und Geldpolitik weiterhin zentrale Themen an den Märkten
  • Kräftig steigende Aktienkurse
  • Sinkende Anleiherenditen
  • Eurokurs deutlich fester
  • Höhere Rohölpreise
  • Gegenläufige Kräfte in der Industrie
  • Neuaufträge brechen ein
  • 1,9 % Wirtschaftswachstum im Jahr 2022
  • Anstieg der Unternehmensinsolvenzen

Inflation und Geldpolitik weiterhin zentrale Themen an den Märkten

Auch in der zurückliegenden Woche zählten die globale Preisentwicklung und die Geldpolitik der großen Zentralbanken zu den wichtigsten Themen an den Finanzmärkten. Dabei verdichteten sich weiter die Zeichen dafür, dass die Verbraucherpreisinflation weltweit allmählich ihren Höhepunkt überschreitet oder bereits überschritten hat. So ist die US-Inflationsrate erneut zurückgegangen, nach jüngst veröffentlichten Daten von 7,1 % im November auf 6,5 % im Dezember. Zu-dem berichtete hierzulande das ifo Institut, dass der Anteil der Unternehmen, die für die kommen-den Monate eine Erhöhung ihrer Preise planen, zuletzt so niedrig war wie seit über einem Jahr nicht mehr. Der Saldowert der Prozentanteile der Umfrageteilnehmer, die ihre Preise erhöhen wollen und jener, die Preissenkungen planen, verminderte sich von 46,2 im November auf 40,3 Punkte im Dezember.

Die jüngsten US-Inflationsdaten sprechen dafür, dass die US-Notenbank Fed ihren Leitzins nur noch wenig erhöhen wird. Für den Euroraum lassen Äußerungen wichtiger EZB-Vertreter aber weitere deutliche Zinsanhebungen erwarten.

Der EZB Chefvolkswirt Philip Lane, erklärte auf einer Podiumsdiskussion in New Orleans, dass die Lohnerhöhungen bisher hinter den Preissteige-rungen zurückgeblieben sei. Nach seiner Auffassung klafft nun eine Lücke, welche die Inflation unter Druck halten werde. Der ursprüngliche Energieschock infolge des Krieges in der Ukraine und die Auswirkungen der Pandemie würden sich noch in den nächsten zwei oder drei Jahren in den Löhnen niederschlagen. Untermauert wird die Erwartung eines kräftigen Lohnwachstums durch eine Analyse im aktuellen EZB-Wirtschafts-bericht.

Das EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sprach sich auf einer Konferenz der schwedischen Notenbank in Stockholm explizit für weitere Leit-zinserhöhungen aus. Ihrer Ansicht nach muss die EZB ihre Zinsen noch viel weiter anheben, um ein Niveau zu erreichen, das ausreichend restriktiv ist, um eine rechtzeitige Rückkehr der Inflation zum mittelfristigen Ziel von 2% zu gewährleisten. „Von selbst wird die Inflation nicht nachlassen“, sagte Schnabel.

Kräftig steigende Aktienkurse

Die durch die jüngsten US-Inflationsdaten geschürte Spekulation darauf, dass die US-Noten-bank ihren Leitzins nur noch wenig erhöhen wird, ließ die Aktienkurse erneut merklich steigen. Marktbeobachter planen für die nächsten Fed-Sitzungen Anfang Februar und Mitte März Zins-anhebungen um jeweils 25 Basispunkte ein. Dann könnte die Notenbank ihren Zinserhöhungszyklus beenden. Der DAX beendete die Handelswoche am Freitag, dem 13. Januar, bei 15.086 Punkten, 3,2 % über seinem Vorwochenwert. Der Dow Jones kletterte im Wochenvergleich um 2,0 % auf 34.302 Punkte.

Sinkende Anleiherenditen

An den Anleihemärkten erholten sich die Renditen von Staatsanleihen aus Deutschland und den USA zu Wochenbeginn zunächst von den Rück-gängen der Vorwoche. Zur Wochenmitte setzte aber eine Wende ein. Die durch die neuen US-Inflationsdaten gedämpften Zinserwartungen übten einen Abwärtsdruck aus. Die Rendite zehn-jähriger Bundesanleihen notierte am Freitag bei 2,14 % und lag damit um 7 Basispunkte unter ihrem Vorwochenultimo. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank auf Wochensicht um 6 Basispunkte auf 3,51 %.

Eurokurs deutlich fester

Der Wechselkurs des Euro hat in der zurückliegen-den Woche gegenüber dem US-Dollar merklich an Wert gewonnen. Die Spekulation auf weniger stark steigende Zinsen in den USA, aber zuletzt auch robuste Produktionsdaten der deutschen Industrie stützen die Gemeinschaftswährung (siehe Seite 4 dieses Wochen-Infos). Der Euro wurde am vergangenen Freitag mit gut 1,08 US-Dollar gehandelt, rund 2 Cent mehr als zum Vorwochenultimo.

Höhere Rohölpreise

Etwas nachlassende Konjunktursorgen trieben die Rohölnotierungen nach oben. So hat die US-Bank Goldman Sachs ihre Konjunkturprognose für den Euroraum erhöht. Sie geht nun davon aus, dass eine Rezession vermieden werden kann. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt des Währungsraums wird der Prognose zufolge 2023 um 0,6 % steigen. Zuvor hatte die Bank mit einem Rückgang um 0,1 % gerechnet. Befördert wurden die Ölpreise auch durch die Erwartungen einer höheren Nachfrage aus China, dem größten Rohölimporteur der Welt, nach der Abkehr von der Null-Covid-Politik. Der Preis der Nordsee-Sorte Brent ist im Wochenvergleich um 9,2 % auf 83,43 US-Dollar je Barrel gestiegen.

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Gegenläufige Kräfte in der Industrie

Die Industriekonjunktur in Deutschland wird derzeit durch gegenläufige Kräfte beeinflusst. Während die langsam schwindenden Materialengpässe bei anhaltend hohen Auftragsbeständen für eine gewisse Belebung sorgen, geht von anderen Faktoren wie der sich abkühlenden Weltwirtschaft und den hohen Energiepreisen weiterhin spürbarer Gegenwind aus. Vor diesem Hintergrund zeichnen die jüngsten amtlichen Industriedaten ein gemischtes Bild. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes legte die preis-, kalender- und saisonbereinigte Produktion des Verarbeitenden Gewerbes im November gegenüber dem Vormonat um 0,5 % zu. Damit konnte der Rückgang vom Oktober (-0,6 %) allerdings noch nicht ausgeglichen werden. Für den Produktionszuwachs im November war nicht zuletzt der gewichtige Bereich Kfz und Kfz-Teile verantwortlich, der offenbar wegen nachlassender Lieferengpässe bei Halbleitern seinen Ausstoß um kräftige 5,6 % erhöhen konnte. In einigen energieintensiven Wirtschaftszweigen wie den Bereichen Papier und Pappe (-2,5 %) sowie Metallerzeugung und -bearbeitung (-2,3 %) kam es hingegen abermals zu Rückgängen. Auch im Baugewerbe (-2,2 %) gab die Produktion sichtlich nach, wozu auch die höheren Hypothekenzinsen beigetragen haben dürften.

Neuaufträge brechen ein

In naher Zukunft ist eher mit einem Rückgang als mit einem Anstieg der Industrieproduktion zu rechnen. Darauf deuten neben wichtigen Stimmungsindikatoren, die sich trotz jüngster Aufhellungen weiterhin auf niedrigen Niveaus befinden, auch die Neuaufträge im Verarbeitenden Gewerbe hin. Die Auftragseingänge sind im November gegenüber dem Vormonat um deutliche 5,3 % zurückgegangen. Vom Trend her sind die Neuaufträge bereits seit Februar 2022 abwärtsgeneigt. Hauptgrund für den Auftragsschwund im November war ein Einbruch bei der Auslandsnachfrage (-8,1 %). Die Bestellungen aus dem Inland (-1,1 %) verminderten sich demgegenüber weniger stark. Nach Branchen differenziert, trugen vor allem die Bestellungen im sonstigen Fahrzeugbau (-40,9 %) zum Rückgang bei. In anderen Wirtschaftszweigen wie im Bereich Kfz/Kfz-Teile (+1,1 %) und in der chemischen Industrie (+2,4 %) nahmen die Bestellungen hingegen zu.

1,9 % Wirtschaftswachstum im Jahr 2022

Das Statistische Bundesamt hat am vergangenen Freitag erste Angaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands im Jahr 2022 vor- gelegt. Gemäß den Angaben ist das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorjahr um 1,9 % gestiegen. Das Wachstum fiel damit geringfügig stärker aus als im Dezember vom BVR prognostiziert (+1,8 %). Für das laufende Jahr 2023 erwartet der BVR in seinem aktuellen Konjunktur-Hauptszenario einen Rückgang des BIP um 0,6 %. Demnach dürfte es im Winterhalbjahr 2022/23 zu einer milden Rezession kommen. Für das preis-, kalender- und saisonbereinigte BIP wird sowohl für das 4. Quartal 2022 als auch für das 1. Quartal 2023 gegenüber dem Vorquartal ein Rückgang um 0,4 % prognostiziert.

Anstieg der Unternehmensinsolvenzen

Vor dem Hintergrund des eingetrübten Konjunkturumfelds und der hohen Energiepreise ist die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen in Deutschland weiter gestiegen. Gemäß dem Schnellindikator des Statistischen Bundesamtes legten die Regelinsolvenzen im Dezember gegenüber dem Vormonat um 3,1 % zu, nachdem sie sich im November um 1,2 % erhöht hatten. Der Schnellindikator ist ein Frühindikator für die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Amtsgerichte in vielen Fällen erst rund drei Monate nach dem Eingang eines Insolvenzantrags über diesen entscheiden, sodass die Unternehmensinsolvenz erst mit einer Verzögerung in der Statistik erfasst wird. Amtliche Angaben zu den beantragten Unternehmensinsolvenzen liegen derzeit bis Oktober vor. Im Oktober stieg die Fallzahl gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonatswert um deutliche 17,9 % auf 1.245. Die Firmenpleiten tendieren bereits seit ihrem im August 2021 mit 1.029 Fällen erreichten lokalen Tiefpunkt aufwärts. Im Gegensatz dazu folgen die Verbraucherinsolvenzen noch immer eher einem Abwärtstrend. Sie sind im Oktober im Vorjahrsmonatsvergleich um 15,7 % auf 5.041 Fälle gesunken. Wichtigster Einflussfaktor für die Entwicklung der Verbraucherinsolvenzen war in der jüngeren Vergangenheit die schrittweise Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens von sechs auf drei Jahre, die ab Anfang 2021 zu einem starken Anstieg und dann zu einer Verminderung der Fallzahlen führte. Allmählich dürften die Effekte dieser Neuregelung auslaufen, sodass sich auch bei den Verbraucherinsolvenzen künftig eher steigende als rückläufige Fallzahlen abzeichnen. Entscheidend für den weiteren Verlauf der Insolvenzen dürfte neben der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sein, wann und in welchem Umfang die umfangreichen staatlichen Entlastungsmaßnahmen bei den bedürftigen Verbrauchern und Unternehmen tatsächlich ankommen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR