Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 19.09.2022

  • Inflationsanstieg vor Fed-Entscheidung
  • Aktien: Rezessions- und Fed-Sorgen drücken die Märkte
  • Anleihemärkte vor Fed-Zinsentscheid noch stabil
  • Euro hält Parität knapp
  • Stagnation am Ölmarkt, Gaspreis sinkt weiter
  • Konjunkturerwartungen weiter im Sinkflug
  • Mehr Regelinsolvenzen
  • Inflationsrate von 7,9 % bestätigt
  • Rückläufige Euroraum-Industrieproduktion

Inflationsanstieg vor Fed-Entscheidung

Entgegen den Erwartungen der Analysten stieg die Inflation in den USA im August zum Vormonat an, wenngleich um lediglich 0,1 %. Zum Vorjahresmonat bedeutet das eine Inflationsrate von 8,3 %, was aufgrund gesunkener Ölpreise eine niedrigere Rate als im Juli (8,5 %) darstellt. Die Kernrate der Inflation in den USA blieb mit 6,3 % ebenfalls sehr hoch. Dadurch wird nunmehr ein weiterer großer Zinsschritt der US-Notenbank Fed in der kommenden Woche erwartet. Wahrscheinlich ist eine erneute Anhebung des Leitzinses um 75 Basispunkte auf dann 3 bis 3,25 %. Einzelne Beobachter der Fed halten sogar eine An-hebung um einen vollen Prozentpunkt für möglich. In dieser Befürchtung zeigt sich jedoch pri-mär die Stimmungslage des Marktes.

Diese Entwicklung in den USA wird den Druck auf die EZB hochhalten, im Oktober ebenfalls die Zinsen deutlich zu erhöhen – womöglich ebenfalls um weitere 75 Basispunkte. Allerdings wird das von den Daten im Oktober abhängen und ist da-her zum jetzigen Zeitpunkt noch eher ungewiss. Die Lage in der Eurozone lässt der EZB allerdings wenige Alternativen, denn die Inflation ist zwar stärker von den Energiepreisen getrieben, liegt allerdings auch ohne Energie für August noch bei 5,7 % zum Vorjahresmonat. Die Kernrate, ohne Energie und Nahrung, liegt mit 4,2 % zum Vorjahresmonat noch niedriger, aber immer noch deutlich über dem Zielwert der EZB von 2 %. Zudem ist die Kerninflation seit Jahresanfang von 2,25 % auf die genannten 4,25 % gestiegen.

Damit jedoch wird es wahrscheinlicher, dass die EZB ihre Zinsen in eine Rezession hinein erhöhen muss, um auf die hohe Inflation von zuletzt 9,1 % im August zum Vorjahresmonat zu reagieren. Denn die Energieknappheit in Europa ist weiterhin nicht gelöst, wodurch eine Rezession aufgrund des physischen Mangels an Energieerzeugungskapazitäten wahrscheinlicher wird. Auch aus diesem Grund blieben die Wechselkurse des Euro und die Anleiherenditen der Eurostaaten nach den anfänglichen Reaktionen auf den Zinsentscheid der EZB am 8. September in der vergangenen Woche eher statisch und verharrten in Erwartung auf die weiteren Schritte der Europäischen Union zur Stabilisierung der Energiemärkte.

Aktien: Rezessions- und Fed-Sorgen drücken die Märkte

Die unerwartet hohe Inflation der USA dämpfte die ohnehin verhaltene Stimmung an den internationalen Finanzmärkten, denn stärkere Zinsschritte der Fed schwächen auch die globale Kon-junktur. So verloren die US-Indizes zwischen 4,1 (Dow Jones) und 5,5 % (Nasdaq). DAX und Euro Stoxx folgten dieser Abwärtsbewegung und verloren 2,7 beziehungsweise 2 %. Die geringeren Verluste der letzten Woche resultieren dabei auch aus den höheren Verlusten der vergangenen Monate. Ein weiterer Faktor ist die anstehende Berichtssaison zum auslaufenden 3. Quartal 2022, für die nach den guten Zahlen zum Jahresanfang nun eine Abschwächung durch Kriegs- und Inflationsfolgen erwartet wird.

Anleihemärkte vor Fed-Zinsentscheid noch stabil

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg in der Vorwoche um 6,1 Basispunkte auf 1,76 %. Damit folgte sich der gleichlangen US-Anleihe, deren Rendite um 12,6 Basispunkte auf 3,45 % anzog. In Italien, dessen zehnjährige Anleiherendite jedoch bereits bei 4,04 % liegt, war der An-stieg mit 2,9 Basispunkten deutlich geringer. Auch die britischen Staatsanleihen verhielten sich trotz der am Donnerstag anstehenden Zinsentscheidung der Bank of England eher statisch und stiegen nur um 4,4 Basispunkte auf 3,14 %. Angesichts der bevorstehenden Zinsentscheidungen und der anstehenden Wahlen in Italien ist in dieser Woche von einer höheren Volatilität auszugehen.

Euro hält Parität knapp

Der Euro beendete die Woche nach kleineren Schwankungen faktisch unverändert (-0,24 %) bei Parität zum Dollar. Auch gegenüber ihren anderen Handelspartnern blieb die Gemeinschaftswährung weitgehend stabil (-0,1 %), wenngleich sie zum Britischen Pfund 1,2 % gewinnen konnte.

Stagnation am Ölmarkt, Gaspreis sinkt weiter

Zwischen Rezessionssorgen, Gassubstitution und fortwährenden europäischen Sanktionsbemühungen blieb der Ölpreis in der vergangenen Woche relativ stabil. Die Notierungen der Nordseesorte Brent fielen um 2,5 % auf 89,4 Dollar pro Bar-rel. Deutlich abwärts bewegte sich hingegen der Gaspreis am niederländischen Markt: Der Tages-future verlor 15,8 % auf nunmehr 161,5 Euro pro Megawattstunde. Das ist zwar weiterhin ein sehr hoher Preis, aber nur noch die Hälfte des Höchst-preises im Sommer.

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Konjunkturerwartungen weiter im Sinkflug

Im September haben sich die konjunkturellen Perspektiven für Deutschland weiter verdunkelt. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind gegenüber dem Vormonat um 6,6 Punkte auf -61,9 Punkte gesunken. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Finanzmarktfachleuten beruhende Stimmungsindikator tendiert bereits seit Februar, mit Beginn des russischen Krieges in der Ukraine, merklich nach unten. Hauptgrund für die jüngste Stimmungsverschlechterung dürfte die Ende August erfolgte Beendigung der russischen Gaslieferungen nach Deutschland über die Nord Stream 1-Pipeline sein. Hier ist nach wie vor unklar, ob und falls ja, wann und in welchem Umfang die Lieferungen über diese Pipeline wieder aufgenommen werden. Die Wahrscheinlichkeit für mögliche Energieengpässe im Winter ist im Zuge dessen deutlich gestiegen. Darüber hinaus dürften auch die jüngsten amtlichen Verlaufsdaten zur Industriekonjunktur und zum Außenhandel Deutschlands die Stimmung verschlechtert haben, die überwiegend schwach ausfielen. Neben den Aussichten haben die befragten Fachleute auch die aktuelle Lage pessimistischer bewertet. Der entsprechende ZEW-Lage-Indikator sank um 12,9 Punkte auf -60,5 Punkte. Insgesamt signalisieren die jüngsten Umfrageergebnisse, dass die gesamtwirtschaftliche Produktion Deutschlands sowohl im zu Ende gehenden 3. Quartal als auch im kommenden 4. Quartal zurückgehen wird.

Mehr Regelinsolvenzen

Die Gemengelage aus kräftig steigenden Kosten und einer allgemein schwindenden Nachfrage belastet zunehmend die Ertragslage des hiesigen Unternehmenssektors. Dies scheint sich allmählich auch in den amtlichen Insolvenzdaten niederzuschlagen. So ist die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen gemäß den jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamtes im August gegenüber dem Vormonat um 6,6 % gestiegen, nachdem sie im Juli um 4,2 % gesunken war. Die Regelinsolvenzen gelten als Frühindikator für die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen, die seit ihrem im August 2021 erreichte lokalem Tiefpunkt einem leichten Aufwärtstrend folgen. Im ersten Halbjahr 2022 waren die beantragten Unternehmensinsolvenzen gegenüber dem Vorjahreszeitraum aber nochmals gesunken, um 4,0 % auf 7.113 Fälle. Auch die Verbraucherinsolvenzen sind in den ersten sechs Monaten des Jahres 2022 zurückgegangen, gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 20,2 % auf 33.772 Fälle. Sie tendieren seit ihrem im März 2021 erreichten lokalen Höchststand, der aus der schrittweisen Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahren resultierte, nach unten. In naher Zukunft ist wegen der schwachen Konjunktur und der stark gestiegenen Verbraucherund Erzeugerpreise eher mit höheren als mit niedrigeren Insolvenzzahlen zu rechnen. Entscheidend für den künftigen Verlauf der Insolvenzen dürfte neben der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung auch der Umfang staatlicher Hilfs- und Entlastungsmaßnahmen sein.

Inflationsrate von 7,9 % bestätigt

Nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die auf dem Verbraucherpreisindex (VPI) beruhende Inflationsrate Deutschlands von 7,5 % im Juli auf 7,9 % im August gestiegen. Die Wiesbadener Statistik haben damit das zentrale Ergebnis ihrer Ende August veröffentlichten vorläufigen VPI-Schätzungen bestätigt. Zum Anstieg der Gesamtrate trugen insbesondere die Nahrungsmittelpreise bei, die sich im August stärker verteuerten als zuvor (+16,6 % nach +14,8 % im Juli). Vor allem bei Speisefetten und Speiseölen (+44,5 %), Molkereiprodukte und Eier (+26,8 %), Fleisch und Fleischwaren (+18,6 %) sowie Brot und Getreideerzeugnissen (+17,1 %) waren sehr kräftige Preisanstiege zu verzeichnen. Überdurchschnittlich stark legten auch die Energiepreise zu. Diese verteuerten sich im August um spürbare 35,6 % und damit ähnlich deutlich wie im Vormonat (+35,7 %). Die Kerninflationsrate, ohne Berücksichtigung der häufig stark schwankenden Energie- und Nahrungsmittelpreise, lag im August bei 3,5 %. Sie tendiert seit Jahresbeginn in einer Bandbreite zwischen 3 und 4 % seitwärts. Angesichts des Wegefalls des staatlichen Tankrabatts und des 9-Euro-Tickets im September sowie der Einführung der Gasumlage und der außerordentlichen Mindestlohnanhebung im Oktober zeichnet sich für die kommenden Monate ein weiterer Anstieg der Inflationsrate ab.

Rückläufige Euroraum-Industrieproduktion

Im Zuge des schwieriger gewordenen Konjunkturumfelds haben die Industriebetriebe des Euroraums ihre Produktion im Juli vermindert. Die preis-, kalender- und saisonbereinigte Erzeugung ist gegenüber dem Vormonat um 2,3 % gesunken und hat damit die zwischen April und Juni erfolgten Zuwächse zunichte gemacht. In den kommenden Monaten ist eher mit einem weiteren Rückgang als mit einem Anstieg der Industrieproduktion zu rechnen. Hierauf deutet auch der Order- Indikator hin, der — ausgehend von einem vergleichsweise hohen Niveau — seit Februar sichtlich abwärts tendiert.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR