Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 22.11.2021

  • Märkte können sich der Pandemie nicht entziehen
  • DAX nach neuen Rekorden schwächer
  • Anleiherenditen geben nach
  • Krise der türkischen Lira spitzt sich zu
  • Pandemie drückt Ölpreis
  • Beschäftigungswachstum nimmt an Fahrt auf
  • Auftragsbestände markieren neuen Höchststand
  • Euroraum-Inflationsrate von 4,1 % bestätigt
  • Erzeugerpreise hierzulande weiterhin im Höhenflug

Märkte können sich der Pandemie nicht entziehen

Der Aktienmarkt setzte seine Trippelschritte auf immer neue Höchstwerte zwar fort. Doch ganz ignorieren lässt sich die dramatische Entwicklung des Infektionsgeschehens dann doch nicht, erkennbar in Kursabschlägen zum Wochenausklang. Große Aufmerksamkeit bekam in der Öffentlichkeit die Debatte um die neuen Infektionsschutzregeln, die nach kontroverser Debatte dann am Donnerstag durch die Ampel-Mehrheit im Bundestag und dann letztlich am Freitag vom Bundesrat einstimmig verabschiedet wurden.

Großes Manko der Gesundheitspolitik ist in Deutschland, dass es einerseits im Sommer nicht gelungen ist, deutlich mehr als zwei Drittel der Bevölkerung zu impfen. Andererseits ist es auch nicht gelungen, die Auffrischungsimpfungen (Booster) in der erforderlichen Geschwindigkeit an den Mann (und die Frau) zu bringen. Nun wird es schwierig, das Infektionsgeschehen mit Fingerspitzengefühl für die teilweise prekäre Situation der besonders betroffenen Wirtschaftszweige unter Kontrolle zu bringen. Die unmittelbaren und mittelbaren Einschränkungen der aktuellen Maßnahmen für die Wirtschaft sind fühlbar, aber noch deutlich von den drastischen Maßnahmen vom Frühjahr dieses Jahres entfernt. Gleichzeitig bereitet sich Österreich auf den am heutigen Montag beginnenden Lockdown vor, eine Maßnahme, die noch vor wenigen Wochen angesichts der Impfkampagnen von vielen als nicht mehr zeitgemäß erachtet worden war.

Bislang ist die herrschende Meinung unter den Prognostikern, dass die rasante Zunahme der Infektionen die Erholung nur temporär moderat bremst, aber keine bleibenden Schäden hinterlässt. Die vorhergesagten Wachstumszahlen für das kommende Jahr wurden in den vergangenen Wochen kaum nach unten revidiert. Allerdings übertreiben sie wegen des so genannten statistischen Überhangs die tatsächliche Wachstumsdynamik im Jahresverlauf. Gleichzeitig bleibt die Inflation ein zentrales Thema. Die Materialengpässe und die erhöhten Gaspreise halten an. Die Inflation könnte sich bis weit ins neue Jahr hinein deutlich oberhalb der Marke von 2 % bewegen. Bislang ist aber noch keine Lohn-Preis-Spirale erkennbar. Dies zeigen die vorhandenen Zahlen zur Tariflohnentwicklung. Dies spricht dafür, dass der Aufwärtsdruck auf die Preise doch graduell wieder nachlassen dürfte.

DAX nach neuen Rekorden schwächer

Der DAX kletterte in der dritten Novemberwoche auf ein weiteres Hoch, gab dann zum Ende der Woche aber wieder etwas nach. Die Dividendentitel profitierten von überwiegend guten Unternehmensergebnissen, vom schwächeren Euro und Hoffnungen auf einen starken Konsum im Weihnachtsgeschäft. Die Zuspitzung der Pandemie und die damit verbundenen geschäftlichen und volkswirtschaftlichen Risiken verdarben den Anlegern zum Ende der Woche dann aber doch die Kauflaune. Am Freitag, dem 19. November, schloss der DAX bei 16.159 Punkten, dies entspricht nahezu dem Vorwochenstand. Der Dow Jones gab um 1,4 % auf 35.601 Punkte nach.

Anleiherenditen geben nach

Die Renditen auf zehnjährige Bundesanleihen haben in der dritten Novemberwoche nachgegeben. Sie rentierten mit -0,34 % 9 Basispunkte niedriger als eine Woche zuvor. Die Renditen zehnjähriger US-Anleihen gingen um 5 Basispunkte auf 1,54 % zurück. Der damit verbundene Kursanstieg der Anleihen konzentrierte sich auf das Ende der Woche, das durch verstärkte Sorgen vor einer Zuspitzung der Coronapandemie mit einer zunehmenden Gefahr starker Einschränkungen der Wirtschaftstätigkeit bis hin zum Lockdown verbunden sein könnte. In dieser Situation waren Bundesanleihen als sichere Anlagen besonders gefragt.

Krise der türkischen Lira spitzt sich zu

Infolge einer weiteren Zinssenkung der türkischen Notenbank von 16 % auf 15 % hat sich die Krise der Lira angesichts einer Inflation von rund 20 % verschärft. Seit Jahresbeginn hat der Euro kräftig aufgewertet und war mit 12,55 Lira pro Euro am Freitag, dem 19. November, um mehr als ein Drittel teurer als zu Jahresbeginn (9,11 Lira pro Euro). Derweil verlor der Euro gegenüber dem US-Dollar angesichts der unterschiedlichen Zinsperspektiven erneut an Wert und lag am Freitag mit 1,1289 US-Dollar pro Euro auf dem niedrigsten Stand seit 9. Juli 2020.

Pandemie drückt Ölpreis

Unter dem Eindruck der zunehmenden Pandemiesorgen gab auch der Ölpreis deutlich nach. Rohöl der Nordseesorte Brent kostete am Freitag, dem 19. November, 80,24 US-Dollar, gegenüber der Vorwoche entspricht dies einem Minus von 2,3 %.

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Beschäftigungswachstum nimmt an Fahrt auf

Am deutschen Arbeitsmarkt schreitet die Erholung vom pandemiebedingten Konjunktureinbruch des 1. Halbjahres 2020 weiter voran. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Erwerbstätigen mit inländischen Arbeitsort im 3. Quartal 2021 erneut gestiegen. Sie legte gegenüber dem Vorjahrsquartal um 267.000 auf 45,1 Mio. Menschen zu, was einem Anstieg um 0,6 % entspricht. Die Erwerbstätigenzahl lag damit zwar noch um 370.000 Personen unter dem Niveau, das im 4. Quartal 2019 vor dem Beginn der Coronakrise in Deutschland erreicht wurde. Der Anstieg hat sich aber gegenüber dem 2. Quartal (+22.000) merklich beschleunigt. Auch in saisonbereinigter Rechnung erhöhte sich das Beschäftigungswachstum, von 0,2 % im 2. Quartal auf 0,4 % im 3. Quartal. Maßgeblich für den deutlichen Zuwachs im Sommerquartal war die Entwicklung im Dienstleistungsbereich. Hier legte die Erwerbstätigenzahl im Vorjahresvergleich um 303.000 Menschen beziehungsweise 0,9 % zu. Im Baugewerbe konnten ebenfalls Beschäftigungsgewinne erzielt werden (um 32.000 Personen beziehungsweise 1,2 %). Demgegenüber ist die Erwerbstätigenzahl im Produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) im 3. Quartal 2021 weiter gesunken (um 46.000 Personen beziehungsweise 0,6 %), wozu nicht zuletzt die sehr hohen Materialknappheiten beigetragen haben dürften. Auch im Bereich Land- und Forstwirtschaft, Fischerei sank die Erwerbstätigenzahl (um 22.000 Personen beziehungsweise 3,7 %).

Auftragsbestände markieren neuen Höchststand

Die Auftragsbestände des Verarbeitenden Gewerbes haben in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht. Die Bestände sind im September abermals gestiegen, gegenüber dem Vormonatssaison-, kalender- und preisbereinigt um kräftige 2,4 %. Derart hohe Bestände wurden noch nie seit Einführung der Statistik im Januar 2015 gemessen. Die Nachfrageimpulse kamen jüngst vor allem aus dem Ausland. So sind die ausländischen Neuaufträge im September um 6,3 % gestiegen, während die Inlandsorders um 5,9 % nachgaben (siehe Abbildung). Befördert wird der nunmehr seit Juni 2020 andauernde stetige Anstieg der Auftragsbestände auch durch die im historischen Vergleich außergewöhnlich hohen Engpässe bei wichtigen Vorprodukten wie Computerchips, Metallen und Plastik. Viele Betriebe erhalten derzeit mehr Aufträge als sie wegen der Engpässe abarbeiten können. Sollten die Materialengpässe aber, wie allgemein erwartet, im Verlauf der nächsten Monate merklich an Bedeutung verlieren, dürfte es zu spürbaren Nachholeffekten bei der Produktion kommen.

Euroraum-Inflationsrate von 4,1 % bestätigt

Eurostat hat inzwischen das zentrale Resultat seiner jüngsten vorläufigen Berechnungen zum Anstieg der Verbraucherpreise im Euroraum bestätigt. Demnach erhöhte sich die Inflationsrate im Währungsraum, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) von 3,4 % im September auf 4,1 % im Oktober. Die Verbraucherpreise sind damit so kräftig gestiegen wie letztmalig im Nachgang des Booms vor der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise im Juli 2008 gemessen. Die Inflationsrate befindet sich zudem weiterhin erheblich über der Marke von 2,0 %, bei der die Europäischen Zentralbank (EZB) mittelfristig das Ziel der Preisniveaustabilität als erfüllt ansieht. Hauptgrund für den jüngsten Anstieg der

Inflationsrate sind die Energiepreise. Diese haben sich im Zuge höherer Rohöl- und Gasnotierungen im Oktober noch stärker verteuert als zuvor (+23,7 % gegenüber +17,6 % im September). Im Vergleich dazu fielen die Steigerungsraten für Nicht-Energie-Industriegüter (+2,0 %) und Dienstleistungen (+2,1 %) weiterhin moderat aus.

Erzeugerpreise hierzulande weiterhin im Höhenflug

In Deutschland hat sich bei den Erzeugerpreisen gewerblicher Produkte der Höhenflug fortgesetzt. Der Erzeugerpreisindex ist im Oktober um 18,4 % über seinen Vorjahresmonatsstand gestiegen. Einen noch höheren Anstieg hatte es zuletzt in Westdeutschland während des Nachkriegsbooms im November 1951 (+20,6 %) gegeben. Ausschlagegebend für den andauernden Höhenflug sind auch hier die Energiepreise, die sich im Oktober auf der Erzeugerstufe um 48,2 % verteuerten. Vor allem die Preise für Erdgas in der Verteilung (+81,4 %) steigen überaus kräftig. Sehr deutliche Preissteigerungen waren allerdings auch bei den vielfach knappen Vorleistungsgütern (+18,1 %) zu verzeichnen. Vor dem Hintergrund der erneut gestiegenen Erzeugerpreise zeichnet sich für die Verbraucherpreise noch keine Entspannung ab. Im Gegenteil: Basiseffekte des Vorjahres lassen für November und Dezember Inflationsrate von über 5 % erwarten. Im Oktober lag die Inflationsrate Deutschlands, gemessen am Verbraucherpreisindex (VPI), bei 4,5 %.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR

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