Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 27.09.2021

  • Federal Reserve hält vorerst an geldpolitischem Kurs fest
  • Aktienkurse nach schwierigem Wochenstart leicht erholt
  • Türkische Lira wertet nach Leitzinssenkung deutlich ab
  • In Aussicht gestellte geldpolitische Straffung lässt Kapitalmarktzinsen anziehen
  • Geringe Lagerbestände treiben Rohölpreise
  • Spürbare Stimmungseintrübung in der Industrie
  • Erzeugerpreise um 12,0 % gestiegen
  • Deutlich nach unten korrigierte Konjunkturprognosen

Federal Reserve hält vorerst an geldpolitischem Kurs fest

In der vergangenen Woche hat die US-Notenbank den aktuellen Expansionsgrad der Geldpolitik bestätigt. Das Ziel für den Leitzins liegt unverändert bei 0 bis 0,25 %. Außerdem sollen weiter Wertpapiere im Umfang von netto 120 Mrd. US-Dollar je Monat erworben werden. Allerdings lassen die Äußerungen von Jerome Powell eine Rückführung der monatlichen Käufe noch in diesem Jahr wahrscheinlich erscheinen. So seien Fortschritte zur Erreichung der Zentralbankziele von Vollbeschäftigung und Preisstabilität gemacht worden. Zudem dürfte der Leitzins früher erhöht werden, als bisher erwartet. So wird im Rahmen der Projektionen nun mehrheitlich eine Zinserhöhung im Jahr 2022 angenommen. In der vergangenen Projektion aus dem Juni waren Zinserhöhungen mehrheitlich erst für das Jahr 2023 angelegt. Auch die Bank von England hat in der vergangenen Woche zwar ihre Ausrichtung der Geldpolitik bestätigt. Allerdings könnte auch diese Notenbank bereits in diesem Jahr noch mit einer Straffung der Geldpolitik beginnen. So votierten zwei der Mitglieder des währungspolitischen Ausschusses für eine Reduktion des Anleihekaufvolumens. In der vorherigen Sitzung hatte hierfür nur ein Mitglied gestimmt. Selbst eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr scheint nicht mehr ausgeschlossen. Bereits am Mittwoch hatte die Zentralbank Norwegens als erste Zentralbank eines Industrielandes seit Ausbruch der Coronapandemie die Zinsen erhöht, um 25 Basispunkte auf 0,25 %.

Aktienkurse nach schwierigem Wochenstart leicht erholt

Die Kursentwicklung an den Aktienmärkten wurde zu Wochenbeginn maßgeblich von den Turbulenzen rund um den chinesischen Immobilienentwickler Evergrande bestimmt. Nach Kursrückgängen sorgte die neuerliche Zuführung von Liquidität am Geldmarkt durch die Zentralbank sowie eine Einigung Evergrandes mit Bondinvestoren für eine Beruhigung. Marktteilnehmer gehen wohl nun davon aus, dass ein unkontrollierter Zusammenbruch Evergrandes verhindert werden kann. Ebenfalls für eine Stimmungsaufhellung sorgte am Mittwoch die Entscheidung der amerikanischen Notenbank, an ihrer geldpolitischen Ausrichtung vorerst festhalten zu wollen. Zwar ist eine leichte Straffung der geldpolitischen Ausrichtung in den kommenden Monaten wahrscheinlich. Allerdings wurde in der Sitzung im September noch kein konkreter Zeitplan beschlossen. Insgesamt schlossen die Aktienmärkte leicht fester als vor Wochenfrist. Der DAX notierte zum Wochenultimo mit rund 15.532 Punkten rund 0,3 % höher als eine Woche zuvor. Dabei setzt sich der DAX seit vergangenem Montag aus nun 40 statt bisher 30 Werten zusammen. Durch die Indexreform, welche unter anderem die Aufstockung umfasste, soll die Qualität der im Index vertretenen Unternehmen verbessert werden. In den USA legte der S&P 500 Index um 0,5 % zu.

Türkische Lira wertet nach Leitzinssenkung deutlich ab

Der Außenwert des Euro hat sich in der vergangenen Woche kaum verändert. Gegenüber dem US-Dollar verlor die europäische Währung 0,1 % an Wert und notierte zum Wochenschluss bei 1,17 US-Dollar. Gegenüber den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartner des Euroraums blieb der Außenwert unverändert. Unter diesen Währungen verlor insbesondere die Türkische Lira an Wert, um rund 2,2 %. Die in der vergangenen Woche beschlossene Zinssenkung um 1 Prozentpunkt trotz einer weiterhin unkontrollierten Inflation, insbesondere auch vor dem Hintergrund der politischen Einflussnahme zur Ablösung hochrangiger Zentralbänker in den vergangenen Monaten, belastet das Vertrauen in die türkische Währung.

In Aussicht gestellte geldpolitische Straffung lässt Kapitalmarktzinsen anziehen

Die absehbare geldpolitische Straffung der Zentralbanken weltweit hat die Kapitalmarktzinsen in der vergangenen Woche auf breiter Front anziehen lassen. Deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten zum Wochenschluss bei -0,23 %. Dies waren 5 Basispunkte mehr als eine Woche zuvor. Die Umlaufsrenditen zehnjähriger US-Staatsanleihen stiegen in der vergangenen Woche sogar um 9 Basispunkte auf 1,46 % zum Wochenultimo.

Geringe Lagerbestände treiben Rohölpreise

Die Rohölpreise haben in der vergangenen Woche erneut spürbar angezogen. In Europa kostete ein Fass Rohöl der Sorte mit 77,4 US-Dollar rund 3,7 % mehr als zum Ende der Vorwoche. In den USA notierte ein Fass Leichtöl der Sorte WTI zum Wochenende bei 74,2 US-Dollar. Dies waren 2,9 % mehr als eine Woche zuvor. Die sturmbedingten Produktionsausfälle im Golf von Mexiko belasten weiter das Angebot. Auch die US-Lagerbestände waren bis zuletzt weiter rückläufig.

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Spürbare Stimmungseintrübung in der Industrie

Im September ist der ifo Geschäftsklimaindex für Deutschland erneut gesunken. Er gab gegenüber dem Vormonat um 0,8 Punkte auf 98,8 Punkte nach. Maßgeblich für den nunmehr dritten Rückgang des wichtigen Konjunkturindikators in Folge waren die deutliche Stimmungseintrübung in der Industrie. Die vom ifo Institut befragten Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes haben ihre Geschäftslage merklich weniger gut bewertet als zuvor. Zudem hat ihr Optimismus in Hinblick auf die künftige Geschäftsentwicklung stark nachgelassen. Grund hierfür sind offenbar die weiter zunehmenden Probleme bei der Beschaffung von Rohstoffen und Vorprodukten. Den Unternehmensangaben zufolge sind die Auftragsbücher zwar noch immer gut gefüllt, die Dynamik der Neubestellungen flacht sich aber ab. Im Gegensatz zum Verarbeitenden Gewerbe hat sich das Geschäftsklima im Baugewerbe und im Dienstleistungssektor (ohne Handel) verbessert. Im Handel blieb die Stimmung nahezu unverändert, obwohl eine große Mehrheit der Händler von Lieferproblemen bei der Beschaffung berichtete. Alles in allem legen die neuen Umfrageergebnisse für die nächsten Monate eine spürbare Abschwächung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums nahe.

Erzeugerpreise um 12,0 % gestiegen

In Deutschland hat sich der bereits zuvor rasante Anstieg der Industrie-Erzeugerpreise im August weiter beschleunigt. Der Erzeugerpreisindex lag um 12,0 % über seinem entsprechenden Vorjahresmonatswert. Der Anstieg fiel damit so hoch aus wie noch nie seit Dezember 1974 (+12,4 %), als die Ölpreise im Zuge des OPECLieferembargos kräftig gestiegen waren. Im Juli hatten sich die Erzeugerpreise noch um 10,4 % verteuert. Die wichtigsten Treiber des jüngsten Preisanstiegs waren die Energiepreise (+24,0 %), gefolgt von den Preisen für Vorleistungsgüter (+17,1 %). Unter den Vorleistungsgütern wiesen Nadelschnittholz (+124 %), Sekundärrohstoffe (+104 %), Holz-Verpackungsmitteln (+89,4 %) und Betonstahl in Stäben (+87,2 %) die höchsten Steigerungsraten auf. Demgegenüber fiel der Preisanstieg bei Gebrauchs- (+2,8 %), Investitions- (+2,4 %) und Verbrauchsgütern (+2,1 %) deutlich schwächer aus. Insgesamt signalisieren die Erzeugerpreise, dass der Preisauftrieb auf der Verbraucherstufe noch zunehmen wird. Die Verbraucherpreise waren im August um 3,9 % gestiegen, so stark wie seit Dezember 1993 nicht mehr.

Deutlich nach unten korrigierte Konjunkturprognosen

In den zurückliegenden Wochen haben viele Forschungsinstitutionen ihre Herbst-Konjunkturprognosen vorgelegt. Angesichts der mehr und mehr zum Problem werdenden globalen Lieferengpässe wurde dabei die Wachstumseinschätzung für Deutschland 2021 unisono vermindert. So prognostizieren beispielsweise die Fachleute des ifo Instituts, dass das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahr um 2,5 % expandieren wird. Im Juni hatten sie noch mit einem BIP-Zuwachs um 3,3 % gerechnet. Deutlich optimistischer sind die Konjunkturforscher des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen, die in ihrer Herbst-Prognose ein Wachstum um 3,5 % erwarten. Etwas pessimistischer sind mit einem Prognosewert von 2,1 % die Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

Ein wichtiger Grund für die derzeit vergleichsweise stark divergierenden Prognosewerte sind unterschiedliche Einschätzungen über die Folgen der Materialengpässe. So gehen die RWI-Experten davon aus, dass die Wertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes trotz der Belastungen der Lieferketten im 3. und 4. Quartal mit Verlaufsraten von 1,0 % und 1,8 % steigen wird. Die DIWFachleute rechnen für diesen Wirtschaftsbereich hingegen mit einer Stagnation im 3. Quartal und einem schwächeren Zuwachs von 1,0 % im Jahresendquartal. Unterschiedliche Einschätzungen gibt es auch in Hinblick auf Pandemiefolgen zum Jahresende. So gehen die DIW-Experten davon aus, dass ein regional aufflammendes Infektionsgeschehen wohl zu neuen Einschränkungen führen wird und dass die Menschen generell vorsichtiger werden. Vor diesem Hintergrund prognostizieren sie für die Wertschöpfung im Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr im 4. Quartal einen Rückgang um 1,4 %. Gemäß der RWI-Prognose dürften die Pandemiefolgen weniger gravierend ausfallen. Das RWI rechnet für den genannten Bereich zum Jahresende mit einem Wertschöpfungszuwachs um 3,2 %. Spiegelbildlich zur Verminderung der Prognosewerte für 2021, wurden die Einschätzungen für das kommende Jahr angehoben, da dann viele Aktivitäten nachgeholt werden dürften. Für das Jahr 2021 streuen die Prognosewerte derzeit in einer Spanne von 3,5 % (Hamburger WeltWirtschaftsInstitut) bis 5,1 % (ifo Institut und Institut für Weltwirtschaft).

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR

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