Finanzmärkte: Ändert Christine Lagarde die Geldpolitik?

18.10.2019

Ab Freitag, dem 1. November, wird Christine Lagarde als Nachfolgerin von Mario Draghi die EZB als Präsidentin führen. Wird sie die Grundausrichtung der Geldpolitik im Euroraumverändern?

Mit Madame Lagarde steht erstmals eine Juristin und keine Ökonomin an der Spitze der Europäischen Zentralbank. Ihre politischen Fähigkeiten konnte sie mehrfach unter Beweis stellen. Die neue Präsidentin der EZB wird somit zweifellos einen neuen Stil etablieren, wie sie jüngst selbst in Aussicht stellte. Dabei ist inbesondere eine andere, politischere Art der Kommunikation zu erwarten. Auch eine andere Nähe zur Politik ist wahrscheinlich, was künftig die Diskussion um die Unabhängigkeit der Notenbank verstärken sollte. Innerhalb der EZB ist von ihr zu erwarten, dass sie vermehrt den Konsens sucht, weshalb – anders als bei ihrem Vorgänger – kaum Alleingänge zu erwarten sind. Hinsichtlich der originären Geldpolitik sind Madame Lagarde nicht nur durch die ökonomischen und instrumentalen Rahmenbedingungen die Hände gebunden, sie ist auch auf der inhaltlichen Linie von Mario Draghi. Sowohl eine weitere Absenkung des Einlagesatzes als auch eine Erweiterung des Anleihekaufprogrammes sind bei gegebenen Anlässen zu erwarten. Noch stärker als bisher wird Christine Lagarde vermutlich die Politik in die Pflicht nehmen, die Geldpolitik zu unterstützen. Sie tritt für eine expansivere Fiskalpolitik in den Ländern ein, die entsprechenden Spielraum haben – also auch Deutschland. Gleichzeitig fordert sie Strukturreformen, die das Wachstum unterstützen, insbesondere in den Ländern ohne fiskalischen Spielraum. Letzteres wäre auch für das von Lagarde ebenfalls verfolgte Ziel der wieder steigenden Inflation der Ansatz mit den größten Erfolgsaussichten.

Die anstehende Strategiediskussion innerhalb des EZB-Rates sollte in den kommenden Monaten mehr Aufschluss über die künftige Geldpolitikgeben. Eine generelle Änderng der Ausrichtung ist jedoch nicht zu erwarten.

Bunds: nur leicht verändert

Die Renditen von Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit stiegen in der vergangenen Woche leicht, aufgrund der anhaltenden Brexit-Hoffnungen. Zehnjährige Bunds rentierten bei -0,37 %, US-Treasuries allerdings deutlich höher bei 1,80 %.

Ölpreise: geringere US-Lagerbestände

Der Ölpreis profitierte in der vergangenen Woche von sinkenden Lagerbeständen. Am Mittwoch sprang der Ölpreis aufgrund der zu erwartenden Nachfragesteigerung nach oben. Für gute Stimmung an den Ölmärkten sorgen auch die weiterhin vorhandenen Entspannungsmeldungen im Handelsstreit zwischen China und den USA. Während die europäische Sorte Brent bei etwa 62,00 USD pro Barrel in das Wochenende ging, notierte die US-Sorte WTI bei 56,70 US-Dollar.

Devisen: warten auf den Brexit

Am Devisenmarkt warten die Händler des britischen Pfunds offenbar auf weitere Entscheidungen im Brexit-Kapitel. Zuletzt forderte Boris Johnson Neuwahlen am 12. Dezember dieses Jahres. Ob es dazu kommt, hängt von der Opposition im Parlament ab, welche die Mehrheit hat. Labour ziert sich allerdings bisher, auf die Forderung von Neuwahlen einzugehen. Die ohnehin verzwickte Lage für Jeremy Corbyn wird mit einer Verweigerungshaltung allerdings noch problematischer. War er nicht derjenige, der gefordert hatte, das Volk solle neu abstimmen und sich selbst als Übergangspremier ins Spiel brachte? Dies nun zu behindern, kostet Glaubwürdigkeit und am Ende einen möglichen Wahlerfolg. Labour hat es verpasst klar Position zu beziehen. Sie sind unter Corbyn immer noch eine Brexit-Partei und können vermutlich im Wahlkampf nur noch mit der Remain-Position punkten. Sonst wird der Wähler wohl zum „original“ greifen – Boris Johnson. Unter diesen Bedingungen könnten die radikaleren Brexiteers nach einer Wahl sogar noch stärker werden. Das britische Pfund spielt da kaum mit und notiert scheinbar abwartend bei 0,865 GBP pro Euro. Für den US-Dollar steht hingegen eine Woche der Entscheidung an. Wird die Fed einen weiteren und letzten Zinsschritt vornehmen. Oder lässt sie erkennen, dass sie mitten in einem Zinssenkungszyklus ist. Dies würde den Dollar weiter schwächen. In der vergangenen Woche notierte er leicht stärker bei 1,108 Dollar pro Euro.

DAX versucht sich an 12.900 Punkten

Der Deutsche Aktienindex profitiert aufgrund der vermeintlich abnehmenden geopolitischen Risiken weiter vom positiven Sentiment . Er notierte zum Ende der vergangenen Woche um etwa 250 Punkte fester bei 12.895 Punkten. Auch der Dow Jones testet neue Höchstmarken und schloss am Freitag bei 26.958 Punkten rund 200 Punkte höher, verglichen zur Vorwoche.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR