Anleger erst zum Wochenausklang mutiger

03.08.2020

Die letzte Juliwoche war am Aktienmarkt von Zurückhaltung geprägt. Dabei hatte die Woche mit positiven Wirtschaftszahlen begonnen

Der ifo Geschäftsklimaindex machte mit dem dritten Anstieg in Folge Hoffnung auf eine konjunkturelle Trendwende. Doch wurden die Märkte von steigenden Infektionszahlen, Sorgen vor einer zweiten Coronawelle und neuen Mobilitätseinschränkungen gebremst. Bereits am Montag überraschte Großbritannien mit einer zweiwöchigen Quarantänepflicht für einreisende Spanien- Urlauber.

Hoffnungen richteten die Märkte auf die geldpolitischen Entscheidungen der Fed. Gerechnet wurde mit der Ankündigung weiterer Lockerungen auf der Sitzung des Offenmarktausschusses. Doch hielten die US-amerikanischen Geldpolitiker am Mittwoch zwar zur Enttäuschung der Börsianer die Füße still, bekräftigten lediglich die Bereitschaft zum vollen Mitteleinsatz. Einen negativen Leitzins erteilte die Fed erneut eine Absage.

Am Donnerstag und Freitag zogen dann die schlechten Zahlen zur Wirtschaftsleistung in Deutschland, dem Euroraum und den USA die Kurse nach unten. In allen Regionen meldeten die Statistikämter einen zweistelligen Rückgang des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts und damit eine Rezession von noch nie gesehener Schärfe. Allerdings entsprach die Größe des Rückgangs auch weitgehend den Erwartungen. Am Freitag meldete auch Deutschland Reisewarnungen für drei Regionen Spaniens, die mit einer Quarantänepflicht der Rückkehrer einhergeht, und verstärkte so die Sorgen vor bevorstehenden Belastungen der Wirtschaft durch das Wiederaufflammen der Coronapandemie.

Doch gab es zum Wochenausklang noch positive Nachrichten, die den Abwärtsdruck auf die Kurse in Europa aber nicht ausgleichen konnten. Überraschend starke Zahlen großer US-Tech-Unternehmen (Amazon, Facebook, der Google-Mutter Alphabet und Apple) gaben den Kursen wieder Auftrieb.

Der DAX schloss am Freitag, dem 31. Juli, mit 12.313,36 Punkten. Im Vorwochenvergleich entspricht dies einem Rückgang um immerhin 4 %. Der Dow Jones schloss mit 26.428,32 Punkte praktisch auf dem Stand der Vorwoche.

Kräftiges Geldmengenwachstum

Das saisonbereinigte Wachstum der Geldmenge M3 verlief im Juni mit einem jährlichen Zuwachs von 9,2 % sehr dynamisch, im Mai hatte die Rate noch bei 8,9 % gelegen. Ein höheres Wachstum hatte es zuletzt im Sommer 2008 gegeben. Die extrem lockere Geldpolitik ist aktuell auch mit einer spürbaren Belebung der Kreditvergabe verbunden. Während die Kredite an private Haushalte mit einem Zuwachs von 3,0 % unverändert moderat wachsen, weiteten sich die an nicht-finanzielle Unternehmen vergebenen Kreditbestände kräftig um 7,0 % aus.

Goldpreis rekordhoch, Öl billig

Der Höhenflug des Goldpreises hielt in der letzten Juliwoche an. Nachdem die Marke von 1.900 Punkten schon Ende der vergangenen Woche übersprungen worden war, wurde nun das bisherige Maximum von 1.921 Punkten aus dem Jahr 2011 getoppt. Am Freitag, dem 31. Juli, lag der Preis mit 1.975 Dollar pro Unze 73 Dollar über dem alten Hoch. Damit nahm das Gold seine traditionelle Rolle als Versicherung in Krisenzeiten wahr. Zum Teil spiegelt der Preisanstieg auch das nachlassende Vertrauen in den Dollar wider. Auch haben viele Anleger Sorgen vor einer mittelfristig steigenden Inflation. Rohöl der Sorte Brent kostete am Freitag, dem 31. Juli, 43,07 Dollar pro Barrel, das waren rund 30 Cent weniger als eine Woche zuvor.

Euro wertet weiter auf

Die Stärke des Euro gegenüber dem Greenback setzte sich auch in den letzten Julitagen fort. Der EZB-Referenzkurs lag am Freitag, dem 31. Juli, mit 1,1848 Dollar pro Euro um gut 2 Cent höher als eine Woche zuvor. Vorübergehend stieg der Euro sogar über die Marke von 1,19 und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2018. Unterstützt wird der Euro durch die hohen Infektionszahlen in den USA und zuletzt schwache US-Wirtschaftsdaten sowie die Unruhen in einigen Städten der USA. Das Vertrauen in den Euro ist nach den Beschlüssen des EU-Gipfels hingegen gewachsen. Die schwachen Zahlen zum Wirtschaftswachstum stärkten hingegen den Dollar.

Rentenwerte profitieren von Krisenangst

Von den zunehmenden Wirtschaftssorgen profitieren auch die Rentenwerte. Dementsprechend gingen die Renditen zurück. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen lag am Freitag, dem 31. Juli, mit -0,53 %, 9 Basispunkte niedriger als eine Woche zuvor. Die Renditen zehnjähriger US-Anleihen gingen weniger stark um 4 Basispunkte auf 0,54 % zurück.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR