Konjunktur: Arbeitslosenzahl steigt im Zuge der Corona-Krise weiter an

10.06.2020

 

Die Situation am deutschen Arbeitsmarkt wird nach wie vor stark durch die Folgen der Coronavirus-Pandemie beeinträchtigt.

Gemäß den aktuellen Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die Arbeitslosenzahl im Mai erneut gestiegen. Sie legte gegenüber April um 169.000 auf 2,813 Mio. Menschen zu. Die Entwicklung der Arbeitsplatzverluste hat sich aber etwas abgeflacht. So nahm die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl, nachdem sie im April um deutliche 372.000 gestiegen war, im Mai um schwächere, aber noch immer beachtliche, 238.000 zu. Hauptgrund hierfür dürfte sein, dass die Maßnahmen gegen die Virusverbreitung, die ab der zweiten März-Hälfte maßgeblich zu einem Herunterfahren der wirtschaftlichen Aktivitäten (Lockdown) führten, ab Ende April allmählich gelockert wurden. Der Anstieg der Arbeitslosenzahl wäre wohl noch erheblich stärker ausgefallen, wenn die Unternehmen nicht vielfach das Instrument der Kurzarbeit genutzt hätten. Nach BA-Angaben wurde vom 1. bis zum 27. Mai für 1,06 Mio. Menschen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote kletterte zuletzt von 5,8 % im April auf 6,3 % im Mai. Auch in den Angaben zur Erwerbstätigkeit zeigen sich deutlich die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Die Erwerbstätigenzahl ist nach jüngsten amtlichen Berechnungen von März auf April saisonbereinigt um 275.000 gesunken. Angesichts der verhaltenen Arbeitskräftenachfrage ist in naher Zukunft mit einem weiteren Beschäftigungsabbau zu rechnen. So ist der BA-Stellenindex, ein Indikator für die Personal-Nachfrage in Deutschland, im Mai um 3 Punkte auf 91 Punkte gesunken. Er befindet sich damit um 38 Punkte unter seinem entsprechenden Vorjahreswert.

Massiver Einbruch der Industrieaufträge

In der deutschen Industrie hat sich der Rückgang der Neuaufträge im April beschleunigt. Anders als noch im März, kam der weit verbreitete Lockdown des Wirtschaftslebens nun voll zum Tragen. Die preis-, saison- und kalenderbereinigten Auftragseingänge gaben gegenüber dem Vormonat um außerordentliche 25,8 % nach. Bereits im März waren die Bestellungen sehr deutlich mit einer Verlaufsrate von 15,0 % gesunken. In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger stark betroffenen Zweimonatsvergleich März/April gegenüber Januar/Februar verminderten sich die Bestellungen ebenfalls sehr kräftig, um 26,3 %. Besonders deutlich brach die Nachfrage aus den Partnerländern der Eurozone (-32,6 %) ein. Aber auch bei den inländischen Orders (-22,6 %) und bei den Aufträgen aus den Nicht-Eurozone-Staaten (-26,6 %) waren massive Rückgänge zu verzeichnen. Wegen der allmählichen Lockerungen von Krisen-Maßnahmen in Deutschland und anderen wichtigen Ländern ist davon auszugehen, dass sich die Auftragslage in naher Zukunft stabilisieren wird. Der Tiefpunkt der Industrierezession dürfte damit durchschritten sein.

Euroraum-Arbeitslosenquote auf 7,2 % gestiegen

Vor dem Hintergrund der krisenbedingt stark rückläufigen Wirtschaftsleistung hat sich die Arbeitsmarktlage auch im Euroraum verschlechtert. Gemäß neuen Angaben von Eurostat stieg die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im Währungsraum leicht von 7,1 % im März auf 7,3 % im April. Der seit Mitte 2013 feststellbare Abwärtstrend der Quote ist damit abrupt zum Ende gekommen. Unter den großen Euroraum-Staaten wies jüngst das besonders von der Corona-Krise betroffene Spanien mit 14,8 % die höchste Arbeitslosenquote auf. In naher Zukunft ist mit einer weiteren Verschlechterung der Arbeitsmarktlage zu rechnen.

Erzeugerpreise geben im Euroraum stärker nach

Im April, dem zweiten Monat in dem in den meisten europäischen Staaten Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronaviruses wirkten, hat sich der Rückgang der Industrie-Erzeugerpreise verstärkt fortgesetzt. Der Erzeugerpreisindex des Euroraums unterschritt das Niveau des Vorjahresmonats um 4,5 %. Im März waren die Erzeugerpreise noch um 2,8 % gesunken. Die Gesamtentwicklung wird nach wie vor in erster Linie durch die Energiepreise nach unten getrieben, die im April wegen der nachfragebedingt niedrigeren Rohölnotierungen stärker nachgaben. Energie hat sich nach einem Rückgang um 11,2 % zuletzt um 16,5 % verbilligt. Neben den Energiepreisen waren im April allerdings auch die Preise für Vorleistungsgüter (-2,7 %) rückläufig. Bei Verbrauchs- (+1,7 %), Gebrauchs- (+1,3 %) und Investitionsgütern (+1,0 %) waren hingegen leichte Preisanhebungen zu verzeichnen. Insgesamt geht von den Erzeugerpreisen weiterhin keine treibende Wirkung für die Preise auf der Verbraucherstufe aus. Der Anstieg der Verbraucherpreise hat sich nach jüngsten amtlichen Be-rechnungen von 0,3 % im April auf 0,1 % im Mai vermindert.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR