Konjunktur: Arbeitsmarkt im Zeichen der Corona-Krise

06.05.2020

 

Vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Corona-Krise gerät auch der deutsche Arbeitsmarkt immer stärker unter Druck.

Im April kommt es üblicherweise wegen der Frühjahrsbelebung zu einem Rückgang der Arbeitslosenzahl. Dieser Rückgang ist 2020 aber krisenbedingt ausgefallen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) stieg die Arbeitslosenzahl von März auf April um deutliche 308.000 auf 2,644 Mio. Menschen. Saisonbereinigt nahm die Arbeitslosenzahl sogar um 373.000 Menschen zu. Die Arbeitslosenquote kletterte saisonbereinigt auf 5,8 %, nachdem sie in den Vormonaten noch bei 5,0 % gelegen hatte. Auch die jüngsten Verlaufszahlen zur Erwerbstätigkeit stehen im Zeichen der Krise. Gemäß den Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die saisonbereinigte Erwerbstätigenzahl im März gegenüber dem Vormonat um merkliche 41.000 Personen gesunken. Zudem brach die Arbeits-kräftenachfrage regelrecht ein. Der BA-Stellenindex BA-X, der die bundesweite Nachfrage nach Personal misst, sank im April um 19 Punkte auf 94 Punkte. Er befindet sich damit um 37 Punkten unter seinem Vorjahresmonatswert. Sehr deutlich zeigt sich die Krise auch im enormen Anstieg der Kurzarbeit-Zahlen. Bei der BA gingen bis zum 26. April 751.000 Kurzarbeit-Anzeigen ein, für insgesamt bis zu 10,1 Mio. Menschen.

Inflationsrate fällt auf 0,8 %

In Deutschland hat sich die Preisdynamik auf der Verbraucherstufe erheblich vermindert. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Verbraucherpreisindex (VPI) im April um 0,8 % über seinem entsprechenden Vorjahresmonatswert. Im März waren die Preise noch um 1,4 % gestiegen. Ausschlaggebend für den spürbaren Rückgang der Inflationsrate waren die Energiepreise, die wegen der krisenbedingt anhaltend unter Druck stehenden Rohölnotierungen stärker nachgaben als zuvor. Die Preise für Haushaltsenergie und Kraftstoffe haben sich im April um deutliche 5,8 % verbilligt, nachdem sie im März um moderate 0,9 % gesunken waren. Zur Verminderungen der Inflationsrate trugen aber auch die Dienstleistungspreise bei, die nach einem Anstieg um 1,4 % im März zuletzt um 1,3 % zulegten. Bei Nahrungsmitteln hat der Preisauftrieb allerdings etwas zugenommen (+4,8 % nach +3,7 % im März). Auch im Euroraum ist die Inflationsrate jüngst gesunken. Basierend auf den vorläufigen Angaben zum Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gab sie von 0,7 % im März auf 0,4 % im April nach.

Euroraum-BIP sinkt um 3,8 %

Im Euroraum ist die Wirtschaftsleistung im Zuge der Maßnahmen zu Eindämmung der Coronavirus-Verbreitung sehr deutlich zurückgegangen. Gemäß der vorläufigen Schnellschätzung von Eurostat gab das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 1 Quartal gegenüber dem Vorquartal um 3,8 % nach. Dies war der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen BIP-Erfassung im Jahr 1995. Im 4. Quartal, vor Ausbruch der Krise, war die Wirtschaftsleistung noch leicht um 0,1 % gestiegen. Erste Angaben zur BIP-Entwicklung in den einzelnen Euroraum-Staaten wird Eurostat voraussichtlich am 15. Mai veröffentlichen. Eine Veröffentlichung von Daten zum Verlauf der BIP-Verwendungskomponenten (Konsum, Investitionen und Außenhandel) im Jahresauftaktquartal ist für den 9. Juni vorgesehen.

Wirtschaftsklima bricht im Euroraum ein

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zeigen sich nun auch verstärkt in den Angaben zum Wirtschaftsklima im Euroraum. Wie die EU-Kommission mitteilte, ist der Wirtschaftsklimaindex im April gegenüber dem Vormonat um 27,2 Punkte auf 67,0 Punkte gesunken. Der Rückgang des auf Basis einer Umfrage unter Unternehmen und Verbrauchern ermittelten Stimmungsindikators fiel damit so stark aus wie noch nie seit Anfang seiner Berechnung im Jahr 1985. Das Wirtschaftsklima befindet sich nunmehr deutlich unter seinem langjährigen Mittelwert von 100 Punkten und nahe bei den Werten, die es während der großen Rezession im Frühjahr 2009 erreichte. Der Stimmungseinbruch war bereits angelegt. Das Wirtschaftsklima hat sich in allen betrachteten Sektoren verschlechtert. Besonders stark verdunkelte sich das Sentiment bei den Verbrauchern und im Dienstleistungssektor. Insgesamt deuten die aktuellen Umfrageergebnisse darauf hin, dass sich der BIP-Rückgang vom Jahresauftaktquartal im laufenden 2. Quartal beschleunigt fortsetzen wird.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR