Konjunktur: Arbeitsmarkt noch immer robust

08.01.2020

 

Trotz der konjunkturellen Abschwächung, die im Jahresendquartal mit einer Stagnation der gesamtwirtschaftlichen Produktion einhergegangen sein dürfte, zeigt sich der deutsche Arbeitsmarkt nach wie vor robust

Zwar ist die Arbeitslosenzahl nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Dezember gegenüber dem Vormonat um 47.000 auf 2,227 Mio. Menschen gestiegen. Hauptgrund hierfür war jedoch nicht die schwächere Konjunktur, sondern die einsetzende Winterpause. In der um die üblichen saisonalen Effekte bereinigten Rechnung stieg die Arbeitslosenzahl leicht um 8.000 Menschen. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote verharrte mit 5,0 % auf dem niedrigen Niveau der Vormonate. Demgegenüber legte die Erwerbstätigenzahl zuletzt weiter zu, wenn auch schwächer als zuvor. Nach aktuellen Schätzungen des Statistischen Bundesamtes erhöhte sie sich im November gegenüber dem Vormonat saisonbereinigte um 13.000, nachdem sie im Oktober um 41.000 expandiert war. Für die nächsten Monate zeichnet sich ein weiterer Beschäftigungsaufbau ab. Dies legt unter anderem der BA-Stellindex BA-X nahe, der im Dezember zwar um 5 Punkte gesunken ist, sich aber mit 223 Punkten weiterhin auf einem vergleichsweise hohen Stand befindet.

Geschäftsklima legt erneut zu

In den Unternehmen der deutschen Wirtschaft hat sich die Stimmung zum Jahresende weiter aufgehellt. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Dezember gegenüber dem Vormonat um 1,2 Punkte auf 96,3 Punkte gestiegen, nachdem er bereits im November zugelegt hatte. Den Unternehmensangaben zufolge haben sich sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen verbessert. Im Dezember wurde die Geschäftslage von per Saldo rund jedem vierten Unternehmen mit „gut“ bewertet und damit etwas häufiger als zuvor. Der Saldo der Anteile von „schlechter“- und „besser“-Meldungen zu den Geschäftserwartungen kletterte um 3,3 Punkte auf -3,2 Punkte. Er befindet sich damit aber weiterhin im negativen Bereich. Differenziert nach den einzelnen Wirtschaftsbereichen zeigten sich im Dezember erneut unterschiedliche Tendenzen. Im Verarbeitenden Gewerbe hat sich das Geschäftsklima etwas erholt. Vor allem die Entspannungssignale im US-chinesischen Handelskonflikt dürften dazu beigetragen haben, dass die Perspektiven weniger pessimistische beurteilt wurden als noch im November. Auch im Dienstleistungssektor (ohne Handel) verbesserte sich das Geschäftsklima. Im Handel und im Bauhauptgewerbe hat es sich hingegen etwas eingetrübt.

Konsumentenstimmung weiterhin gut

Im Dezember hat sich nicht nur das Geschäftsklima, sondern auch das Konsumklima in Deutschland verbessert. Das GfK Konsumklima erhöhte sich im Vormonatsvergleich geringfügig um 0,1 Punkte auf 9,7 Punkte. Für Januar prognostizieren die GfK-Experten mit 9,6 Punkten einen ähnlich hohen Wert. Zum Jahresende haben die befragten Verbraucher ihre Konjunktur- und Einkommenserwartungen zwar etwas zurückgenommen. Der Indikator der Konjunkturerwartungen sank um 6,1 Punkte auf -4,4 Punkte und der Einkommenserwartungen-Indikator um 10,5 Punkte auf 35,0 Punkte. Die Anschaffungsneigung hat sich jedoch verbessert. Der entsprechende Indikator stieg um 2,2 Punkte auf 52,2 Punkte. Alles in allem deuten die jüngsten Daten zum Geschäftsklima und zum Konsumklima auf eine allmähliche Überwindung der gesamtwirtschaftlichen Stagnation in Deutschland hin. Der Verlauf der Indikatoren steht im Einklang mit der im Dezember veröffentlichten neuen Konjunkturprognose des BVR, die für das Jahr 2020 ein leicht stärkeres preisbereinigtes Wirtschaftswachstum von 0,8 % erwarten lässt. Für 2019 prognostiziert der BVR ein Wirtschaftswachstum von 0,5 %.

Inflationsrate steigt auf 1,5 %

Zum Jahresende hat die Dynamik der Verbraucherpreise hierzulande merklich zugenommen. Gemäß vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Verbraucherpreiseindex (VPI) im Dezember um 1,5 % über seinem Vorjahresmonatswert. Im November hatten sich die Verbraucherpreise noch um 1,1 % verteuert. Maßgeblich für den Anstieg der Inflationsrate waren die Energiepreise, die kaum noch sanken (-0,1 %). Zudem mussten die Verbraucher im Dezember für Nahrungsmittel etwas mehr Geld aufwenden als zuvor (+2,1 % nach +1,8 % im November). Im gesamten Jahr 2019 sind die Verbraucherpreise um 1,4 % gestiegen und damit schwächer als im Vorjahr (+1,8 %). Endgültige Angaben zur jüngsten Entwicklung der Verbraucherpreise wird das Statistische Bundesamt am 16. Januar vorlegen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR