Konjunktur: Arbeitsmarkt weiterhin durch Corona-Krise belastet

08.07.2020

 

Das Arbeitsmarktgeschehen wird hierzulande nach wie vor stark durch die Folgen der Coronavirus-Pandemie beeinträchtigt.

Den jüngsten Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) zufolge steigt die Arbeitslosigkeit weiter an. Die Zahl der bei der BA registrierten Arbeitslosen legte von Mai auf Juni um 40.000 auf 2,853 Mio. Menschen zu. Saisonbereinigt fiel der Anstieg aber mit 69.000 merklich schwächer aus als noch im April (+372.000) und Mai (+237.000). Hauptgrund für den schwächeren Zuwachs im Juni dürften die Lockerungen der krisenbedingten Beschränkungen sein. Die Arbeitslosigkeit wäre zuletzt noch deutlich stärker gestiegen, wenn nicht viele Unternehmen das Instrument der Kurzarbeit nutzen würden. Nach BA-Schätzungen stieg die Zahl der Arbeitnehmer, für die Kurzarbeitergeld gezahlt wird, von 2,49 Mio. im Mai auf 6,83 Mio. im April. Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit liegt damit weiter über den Werten, die während der großen Rezession 2008/2009 verzeichnet wurden. Die Folgen der Pandemie schlagen sich auch in den Daten zur Erwerbstätigkeit nieder. Die saisonbereinigte Erwerbstätigenzahl ging nach jüngsten amtlichen Angaben im Mai gegenüber dem Vormonat um 314.000 zurück, nachdem sie bereits im April (-273.000) merklich gesunken war. In den nächsten Monaten ist mit einer Fortsetzung des Beschäftigungsabbaus zu rechnen. Hierauf lässt unter anderem das ifo Beschäftigungsbarometer schließen. Der Indikator ist im Juni zwar um deutliche 4 Punkte auf 92,3 Punkte gestiegen. Er befindet sich damit aber noch immer auf einem sehr niedrigen Niveau.

Inflationsrate steigt leicht auf 0,9 %

In Deutschland hat der Preisauftrieb auf der Verbraucherstufe im Juni etwas an Fahrt aufgenommen. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilte, lag der Verbraucherpreisindex (VPI) um 0,9 % über seinem entsprechenden Vorjahresmonatswert. Im Mai hatten die Verbraucherpreise noch um 0,6 % zugelegt. Maßgeblich für den Rückgang der Inflationsrate waren die Energiepreise. Diese sind im Juni wegen der nicht mehr ganz so niedrigen Rohölpreise weniger deutlich gesunken als zuvor (-6,2 % gegenüber -8,5 % im Mai). Bei den Nahrungsmitteln ließ der Preisanstieg etwas nach, wenn auch nur minimal (+4,4 % gegenüber +4,5 %). Dienstleistungen verteuerten sich hingegen geringfügig stärker als zuvor (+1,4 % nach +1,3 % im Mai). Die Preisentwicklung in den kommenden Monaten dürfte weiterhin stark durch den Verlauf der Rohölpreise geprägt werden. Darüber hinaus wird die inzwischen wirksam gewordene Senkung der Mehrwertsteuersätze das Preisgeschehen spürbar beeinflussen. Sollten die Steuersatz-senkungen vollständig an die Verbraucher weitergeleitet werden, wäre nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ein Rückgang der Inflationsrate um 1,6 % zu erwarten. Die Steuersatzsenkung dürfte aber nur zum Teil auf die Verbraucher übergewälzt werden.

Etwas stärkere Teuerung auch im Euroraum

Analog zur Entwicklung in Deutschland nahm der Preisauftrieb auf der Verbraucherstufe im Euroraum als Ganzes ebenfalls leicht zu. Gemäß ersten amtlichen Berechnungen stieg der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) im Juni um 0,3 % über seinen Vorjahresstand. Im Mai hatten sich die Verbraucherpreise noch um 0,1 % verteuert. Auch im Euroraum waren für die leichte Zunahme der Inflationsrate vor allem die Energiepreise verantwortlich, die weniger stark nachgaben als zuvor (-9,4 % gegenüber -11,9 %). Die Kerninflationsrate ohne Berücksichtigung der Energie- und der ebenfalls vielfach merklich schwankenden Nahrungsmittelpreise blieb daher im Juni nahezu unverändert (+0,8 % nach +0,9 % im Mai). In naher Zukunft dürfte der Anstieg der Verbraucherpreise schwach bleiben. Dies signalisiert auch der Verlauf der Industrie-Erzeugerpreise. Diese gaben zuletzt, im Mai, um 5,0 % nach, nachdem sie bereits zuvor merklich zurück-gegangen waren.

Erholung des Euroraum-Wirtschaftsklimas schreitet voran

Im Euroraum hat sich im Zuge weiterer staatlicher Stützungs- und Lockerungsmaßnahmen die Erholung der wirtschaftlichen Stimmung fortgesetzt. Nach Angaben der EU-Kommission stieg der Wirtschaftsklimaindex von Mai auf Juni um kräftige 8,5 Punkte auf 75,7 Punkte. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Unternehmen und Verbrauchern ermittelte Indikator legte damit so stark zu wie noch nie zuvor gemessen. Mit dem zweiten Anstieg in Folge hat der Wirtschaftsklimaindex rund 30 % seines kumulierten Rückgangs von März und April wieder wettmachen können. Die Erholung des Wirtschaftsklimas wurde von allen betrachteten Bereichen getragen. Besonders deutlich festigte sich die Stimmung im Einzelhandel. Insgesamt deuten die jüngsten Umfrageergebnisse darauf hin, dass sich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im Euroraum nach einem krisenbedingt sehr schwierigen 2. Quartal im 3. Quartal stabilisieren wird.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR