Finanzmärkte: Augen zu und durch!

17.02.2020

An den Finanzmärkten werden die Risiken der Auswirkungen des Coronavirus weiterhin ignoriert.

Auch die Stagnation des deutschen Bruttoinlandsproduktes im 4. Quartal 2019 gegenüber dem Vorquartal beunruhigt die Marktteilnehmer nicht. Die Aktienindizes sind weiter auf Rekordjagd und die Renditen, der als sicherer Hafen geltenden Anleihen, bewegen sich im Takt der Meldungen zum Coronavirus. Dass die Auswirkungen des Virus in China auf die Weltwirtschaft und insbesondere die Exportabhängige deutsche Wirtschaft zurückfallen kann, zeigen erste Diskussionen, ob die EZB nochmals lockern sollte, um einer drohenden Rezession im Euroraum entgegenzuwirken. Eine solche Entscheidung wäre freilich eher ein Placebo als ein wirklicher Effekt und würde nicht lediglich eine Zinssenkung bedeuten. Es würde sich um ein Paket handeln, welche Anleihekäufe, aber auch Instrumente zur Abschwächung der Nebenwirkungen auf die Finanzindustrie beinhalten würde. Soweit ist es allerdings noch nicht. Zunächst hängt vieles davon ab, wie lange die Werkbank der Welt aufgrund des Virus die Produktion drosseln muss. Weiterhin nicht berücksichtigt sind die anhaltenden geopolitischen Risiken. Neben dem Handelsabkommen mit Großbritannien wird der Freispruch im Impeachment-Verfahren und die zunehmende Wahrscheinlichkeit einer Wiederwahl von Donald Trump dazu führen, dass dieser seine Politik noch verschärft. Europa und insbesondere Deutschland ist hinsichtlich Zöllen noch nicht sicher.

Bundesanleihen als sicherer Hafen

Die Renditen der als sicherer Hafen geltenden Bundesanleihen bewegen sich in Anhängigkeit der Meldungen zum Coronavirus. Sinkende Zahlen für Neuansteckungen führten Mitte der vergangenen Woche zu steigenden Renditen. Umgekehrt führten weiter steigende Krankheitsfälle zum Ende der Woche wieder zu sinkenden Renditen. Am Freitag rentierten zehnjährige Bundesanleihen mit rund -0,4 %. Auch US-Treasuries mit gleicher Restlaufzeit vollzogen den beschriebenen Renditeverlauf. Am Freitagabend rentierten die Papiere leicht über dem Niveau der Vorwoche bei 1,59 %.

Ölpreisanstieg surreal

Nachdem die Ölpreise in der Vorwoche noch deutlich unter Druck geraten sind, stiegen sie in der vergangenen Woche wieder deutlich an. Die Marktteilnehmer ignorierten ebenfalls die, durch das Coronavirus, aber auch die warmen Temperaturen – und somit geringeren Heizungsbedarf – auf der Nordhalbkugel, resultierende Nachfrageschwäche. Das massive Überangebot wird auf der Angebotsseite durch hohe Lagerbestände und deutliche Produktionserfolge der Nicht-OPEC-Länder unterstützt. Letztlich lässt sich der Anstieg bei Brent von rund 4 US-Dollar auf über 57 Dollar und bei WTI von rund 2,5 Dollar auf über 52 Dollar nur durch Erwartungen einer deutlichen Produktionskürzung der OPEC erklären. Dieser sind allerdings Grenzen gesetzt, da zum einen Russland noch nicht eingewilligt hat und zum anderen die Produktion eines ruhenden Ölfeldes zwischen Saudi-Arabien und Kuweit wiederaufgenommen wird.

Der Euro hat Schnupfen

Auch die europäische Gemeinschaftswährung leidet unter den möglichen Folgen einer langanhaltenden Corona-Krise. Ergänzt werden die Erwartungen durch negative harte Konjunkturdaten, wie der Industrieproduktion, welche einen leichten Aufwärtstrend der einzelnen Frühindikatoren infrage stellt. Entsprechend schwach notiert der Euro seit Anfang Februar. Er notierte am Freitag, dem 7. Februar, bei 1,0823 US-Dollar, 1 Cent unter seinem Vorwochenultimo.

Aktienmärkte: blinde Rekordjagd?

Trotz der Ängste über die Folgen der Coronavirus-Epidemie und weiter steigenden Zahlen infizierter Menschen, ist der Deutsche Leitindex weiter auf Rekordjagd. Zwar sorgten die neuen Zahlen zum Coronavirus am Donnerstag – ergänzt um einzelne negative Unternehmensmeldungen innerhalb der Bilanzsaison – für einen kurzen Ausverkauf. Dieser wurde jedoch bereits am gleichen Tag und auch am Freitag wieder korrigiert. Der DAX notierte zum Wochenende bei 13.744,21 Punkten etwas über 200 Punkte über dem Vorwochenultimo. Auch der Dow Jones stieg abermals an und verbesserte sich um rund 300 Punkte auf 29.398 Punkte. Die US-Märkte sind zum Wochenstart wegen des Presidents Day geschlossen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR