Konjunktur: Außenhandel trotzt schwierigem globalen Umfeld

18.12.2019
 

 

Trotz der noch immer schwierigen globalen Rahmenbedingungen, mit schwächerer Weltkonjunktur und Handelskonflikten, fielen die amtlichen Daten zum grenzüberschreitenden Handel der deutschen Wirtschaft zuletzt überwiegend günstig aus.

Gemäß den aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Oktober von Deutschland Waren im Wert von 119,5 Mrd. Euro ausgeführt und Waren im Wert von 98,0 Mrd. Euro eingeführt. In kalender- und saisonbereinigter Rechnung sind die Ausfuhren gegenüber dem Vormonat um 1,2 % expandiert, nachdem sie bereits im September (+1,5 %) zugelegt hatten. Die Ausfuhren, die im September noch um 1,2 % gestiegen waren, stagnierten im Oktober (0,0 %) hingegen. Sollten die jüngsten Tendenzen (steigende Ausfuhren bei stagnierenden Einfuhren) bis zum Ende des Jahres anhalten, könnte der Außenhandel im 4. Quartal erneut einen positiven Beitrag zur hiesigen gesamtwirtschaftlichen Produktion liefern. Im 3. Quartal trug der Außenhandel als Ganzes mit 0,5 Prozentpunkten zum leichten Anstieg des preis-, kalender- und saisonbereinigten Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorquartal in Höhe von 0,1 % bei.

Konjunkturerwartungen hellen sich weiter auf

Zum Jahresende hat die Skepsis von Finanzmarktexperten bezüglich der wirtschaftlichen Aussichten Deutschlands erheblich nachgelassen. Die auf Grundlage einer Expertenumfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelten ZEW-Konjunkturerwartungen legten kräftig zu. Der konjunkturelle Frühindikator kletterte im Dezember gegenüber dem Vormonat um 12,8 Punkte auf 10,7 Punkte, nachdem er bereits im November deutlich gestiegen war. Er befindet sich damit gleichwohl noch immer unter seinem langjährigen Mittelwert von 21,3 Punkten. Für die weitere Aufhellung der Konjunkturerwartungen dürften unter anderem die jüngsten Außenhandelsdaten verantwortlich gewesen sein, die wie bereits zuvor erwähnt, überwiegend günstig ausfielen. Stabilisierend dürften zudem die robusten Daten zum deutschen Arbeitsmarkt und zum Wirtschaftswachstum im Euroraum gewirkt haben. Neben den Konjunkturerwartungen haben die befragten Fachleute auch die aktuelle Lage Deutschlands besser bewertet. Der entsprechende ZEW-Lageindikator stieg um 4,8 Punkte auf -19,9 Punkte. Alles in allem signalisieren die jüngsten Umfrageergebnisse, dass die Konjunktur im kommenden Jahr allmählich wieder an Fahrt aufnehmen wird.

Erneut mehr Unternehmensinsolvenzen

Die schwächere gesamtwirtschaftliche Gangart in Deutschland scheint allmählich auch im Insolvenzgeschehen Spuren zu hinterlassen. Im September ist die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen abermals gestiegen. Gemäß den Angaben der Amtsgerichte legte die Insolvenzzahl gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat um 1,1 % auf 1.507 zu, nachdem sie bereits im Juli (+0,2 %) und August (+0,6 %) leicht gestiegen war. Im ersten Halbjahr 2019 waren die Firmenpleiten aber noch merklich zurückgegangen. Es ist davon auszugehen, dass die Insolvenzzahl in naher Zukunft wieder auf ihren langjährigen Abwärtstrend einschwenken wird. Hierfür spricht unter anderem die allgemein solide Bilanzqualität der Unternehmen, mit vielfach hohen Eigenkapitalpolstern. Zudem beschränkt sich die Konjunkturschwäche im Wesentlichen auf das Verarbeitende Gewerbe, das zwar einen vergleichsweise hohen Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung nicht aber am gesamten Insolvenzgeschehen hat und daher für sich genommen keine Trendwende bei den Unternehmensinsolvenzen herbeiführen dürfte. Ferner legen Stimmungsindikatoren wie die ZEW-Konjunkturerwartungen nahe, dass die gesamtwirtschaftlichen Auftriebskräfte bald wieder an Dynamik gewinnen werden, was perspektivisch ebenfalls für einen Rückgang der Insolvenzen spricht. Bei den Verbraucherinsolvenzen setzte sich die langjährige Abwärtsbewegung fort. Ihre Anzahl ist im September um 3,9 % auf 5.008 Fälle gesunken.

Rückläufige Industrieproduktion im Euroraum

Auch im Euroraum ist die Industriekonjunktur noch immer schwach. Nach vorläufigen Schätzungen von Eurostat sank die Industrieproduktion im September preis-, kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 0,5 %. Zuvor, im August, hatte sie im Wesentlichen stagniert (-0,1 %). Maßgeblich für den Rückgang waren die Hersteller von Investitionsgütern. Diese verminderten ihren Ausstoß um deutliche 2,0 %, was auf eine Verschlechterung des Investitionsklimas deutet. Im Energiesektor (-0,7 %) nahm die Produktion ebenfalls ab. Bei den Herstellern von Gebrauchs- (+1,9 %), Vorleistungs- (+0,6 %) und Verbrauchsgütern (+0,6 %) waren hingegen Produktionssteigerungen zu verzeichnen. Die Auftragsentwicklung lässt für die nächsten Monate keine Trendwende in der Industrieproduktion erwarten. Die Bestellungen, gemessen am Order-Indikator der EU-Kommission, sind im Oktober nochmals leicht gesunken.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR