Konjunktur: BIP Deutschlands sinkt im 1. Quartal um 2,2 %

20.05.2020

 

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie zeigen sich nun verstärkt auch in den gesamtwirtschaftlichen Rechenwerken.

Nachdem Eurostat bereits Ende April erste vorläufige Angaben zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Euroraums im Jahresauftaktquartal vorgelegt hatte, veröffentlichte das Statistische Bundesamt am 15. Mai die Ergebnisse seiner Schnellschätzung zur BIP-Entwicklung in Deutschland im 1. Quartal. Demnach ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte BIP hierzulande gegenüber dem Vorquartal um deutliche 2,2 % gesunken, nachdem es im 4. Quartal im Wesentlichen noch stagniert hatte (-0,1 %). Den amtlichen Angaben zufolge verminderten sich die privaten Konsumausgaben zu Jahresbeginn spürbar. Grund hierfür waren nicht zuletzt die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronakrise-Pandemie, wie das allgemeine Kontaktverbot, das bundesweit ab Mitte März die Konsummöglichkeiten stark beeinträchtigten. Darüber hinaus waren aber auch die Ausrüstungsinvestitionen und der Außenhandel stark rückläufig, was unter anderem aus den global gestiegenen wirtschaftlichen Unsicherheiten und dem teilweisen Zusammenbruch internationaler Lieferketten resultierte. Die staatlichen Konsumausgaben und die Bauinvestitionen wirkten aber stabilisierend und verhinderten einen noch tieferen Einbruch. Für das laufende 2. Quartal zeichnet sich angesichts des andauernden Lockdowns in vielen Teilen des Wirtschaftslebens ein noch stärkerer BIP-Rückgang ab. Detaillierte Angaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im 1. Quartal wird das Statistische Bundesamt am 25. Mai vorlegen.

Eurostat bestätigt erste BIP-Schätzungen

Eurostat hat inzwischen das zentrale Ergebnis seiner vorläufigen Berechnungen zum BIP-Verlauf im Jahresauftaktquartal bestätigt. Gemäß den Daten der neuen Schnellschätzung fiel das preis-, kalender- und saisonbereinigte BIP des Euroraums um 3,8 % und damit in noch größeren Umfang als in Deutschland. Hauptgrund für den deutlicheren Rückgang im Währungsraum war die Entwicklung in den stärker krisenbetroffenen Staaten Frankreich (-5,8 %), Spanien (-5,2 %) und Italien (--4,7 %). Erste Angaben zu den BIP-Verwendungskomponenten (Konsum, Investitionen und Außenhandel) plant das europäische Statistikamt am 9. Juni zu publizieren.

Weniger Insolvenzen vor Krisenausbruch

Im Februar, dem Monat vor dem Ausbruch der Corona-Krise in Deutschland, hat sich das Insolvenzgeschehen hierzulande weiter entspannt. Bei den Amtsgerichten wurden 1.529 Unternehmens- und 4.823 Verbraucherinsolvenzen beantragt. Die Anzahl der Firmenpleiten ist damit gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat um 3,2 % gesunken; die Zahl der Verbraucherpleiten gab sogar um 6,4 % nach. In naher Zukunft ist aus zwei Gründen zunächst mit einem weiteren Rückgang der Unternehmensinsolvenzen zu rechnen. Einerseits vergeht zwischen dem Antrag und der Eröffnung eines Regelinsolvenzverfahrens eine Bearbeitungszeit, die sich durch den krisenbedingt eingeschränkten Betrieb vieler Gerichte tendenziell verlängert. Erst nach der erfolgten Gerichtsentscheidung über die Eröffnung oder Abweisung eines Verfahrens geht dieses in die Insolvenz-Statistik ein. Andererseits dürften die Corona-Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung eine schnelle Zunahme der Insolvenzfälle verhindern. Zu diesen Maßnahmen zählt nicht zuletzt die vorübergehende Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis zum 30. September 2020.

Euroraum-Industrieproduktion im freien Fall

Die zur Eindämmung der Coronavirus-Verbreitung im Euroraum ergriffenen Maßnahmen haben die Industrieproduktion außerordentlich stark zurückgehen lassen. Nach Angaben von Eurostat ist der Ausstoß der Industriebetriebe des Währungsraums im März gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 11,3 % eingebrochen. Zuvor, im Februar, hatte die Erzeugung mit einer Verlaufsrate von -0,1 % im Wesentlichen noch stagniert. Vom Rückgang der Industrieproduktion waren mehr oder weniger alle Hauptgruppen betroffen. Besonders deutlich fiel das Minus bei den Herstellern von Gebrauchsgütern sowie bei den Investitionsgüterproduzenten (-26,3 % bzw. -15,9 %) aus. Für April zeichnet sich eine Fortsetzung der rasanten Talfahrt der Industrieproduktion ab. Auf einen beschleunigten Rückgang lässt auch der Order-Indikator der EU-Kommission schließen. Der Indikator, der anhand einer monatlichen Umfrage unter Industrieunternehmen ermittelt wird, ist jüngst von -17,2 Punkten im März auf -36,9 Punkte im April gesunken.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR