BIP etwas weniger stark eingebrochen

02.09.2020

 

Das Statistische Bundesamt hat inzwischen detaillierte Angaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands für das 2. Quartal vorgelegt und dabei das zentrale Ergebnis seiner ersten vorläufigen Schnellschätzung von Ende Juli leicht aufwärts korrigiert.

Gemäß den neuen Daten ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um außerordentliche 9,7 % zurückgegangen. Ende Juli war noch ein BIP-Rückgang um 10,1 % gemeldet worden. Verantwortlich für den Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Produktion waren in erster Linie die privaten Konsumausgaben. Diese gaben im Zuge der virusbedingten Beeinträchtigungen des Wirtschaftslebens um massive 10,9 % nach und trugen rechnerisch mit -6,9 Prozentpunkten zum BIP-Rückgang bei. Auch die Ausrüstungs- (-19,6 %) und Bauinvestitionen (-4,2 %) waren stark rückläufig, ebenso wie die Exporte (-20,3 %) und Importe (-16,0 %), deren Einbrüche stärker ausfielen als jene zum Höhepunkt der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Lediglich die Konsumausgaben des Staates (+1,5 %) wurden leicht ausgeweitet und dämpften damit den BIP-Rückgang etwas. Angesichts der inzwischen vorgenommenen Lockerungen von Krisenmaßnahmen und der massiven staatlichen Hilfen zeichnet sich für das zweite Halbjahr eine konjunkturelle Stabilisierung ab. Modellbasierte Schätzungen des BVR legen sowohl für das laufende 3. Quartal, als auch für das 4. Quartal einen merklichen BIP-Zuwachs nahe. Für den Jahresdurchschnitt 2020 erwartet der BVR weiterhin einen Rückgang der preisbereinigten Wirtschaftsleistung um 7,0 %.

Erholung des Geschäftsklimas setzt sich fort

Auf eine Stabilisierung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im zweiten Halbjahr deuten auch wichtige Stimmungsindikatoren wie das Geschäftsklima hin. Der ifo Geschäftsklimaindex für Deutschland legte im August gegenüber Juli um 2,2 Punkte auf 92,6 Punkte zu. Maßgeblich für den nunmehr vierten Anstieg des Konjunkturindikators in Folge war sowohl seine Lage – als auch seine Erwartungskomponente. So haben die vom ifo Institut befragten Unternehmen ihre aktuelle Lage insgesamt deutlich weniger verhalten bewertet. Der Saldo der Prozentanteile von „gut“- und „schlecht“-Meldungen zur Geschäftslage ist von -7,5 Punkten im Juli auf 0,3 Punkte im August gestiegen. Er befindet sich damit erstmals seit März wieder im positiven Bereich. Die Geschäftsaussichten für die nächsten sechs Monate haben sich weiter aufgehellt. Der entsprechende Saldo- wert kletterte von 2,7 Punkten auf 4,5 Punkte. Die Verbesserung des Geschäftsklimas war breit angelegt. Mit Ausnahme des Handels war in allen betrachteten Wirtschaftsbereichen eine Aufhellung zu verzeichnen.

Konsumklima erhält deutlichen Dämpfer

Anders als in den Unternehmen, hat sich die Stimmung unter den Verbrauchern in Deutschland jüngst eingetrübt. Gemäß der aktuellen Prognose der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) dürfte das Konsumklima im September um 1,6 Punkte auf -1,8 Punkte sinken, nachdem es zuvor drei Monate in Folge gestiegen war. Gemäß den GfK-Angaben entwickelten sich die einzelnen Teilindikatoren des Konsumklimas zuletzt uneinheitlich. Während die Konjunkturerwartungen und die Anschaffungsneigung der befragten Verbraucher weiter zulegten, war bei ihren Einkommenserwartungen ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Der Indikator der Einkommenserwartungen fiel im August um 5,8 Punkte auf 12,8 Punkte, wozu insbesondere die steigenden Coronavirus-Infektionszahlen und die damit einhergehenden Sorgen vor einer möglicherweise bevorstehenden Verschärfung von Krisenmaßnahmen beigetragen haben dürften. Trotz des prognostizierten Rückgangs des Konsumklimas im September dürfte der Indikator im gesamten 3. Quartal deutlich über dem Niveau des Vorquartals liegen. Dies spricht dafür, dass die privaten Konsumausgaben, nach dem Absturz während des Lockdowns, im 3. Quartal wieder einen positiven Beitrag zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum leisten werden.

Weitere Festigung des Euroraum-Wirtschaftsklimas

Im Euroraum hat sich das Wirtschaftsklima weiter vom historischen Einbruch während des Lockdowns erholt. Der von der EU-Kommission anhand einer monatlichen Umfrage unter Unternehmen und Verbrauchern ermittelte Wirtschaftsklimaindex ist im August um 5,3 Punkte auf 87,7 Punkte gestiegen. Der außerordentliche Rückgang der Monate März und April wurde damit zu etwa 60 % wieder ausgeglichen. Die weitere Erholung des Wirtschaftsklimas erfolgte auf einer breiten Grundlage. Mit Ausnahme des Bausektors hat sich die Stimmung in allen betrachteten Bereichen verbessert. Insgesamt legt der Verlauf des Wirtschaftsklimas nahe, dass das BIP des Währungsraums im 3. Quartal wieder steigen wird. Im 2. Quartal war es gemäß aktuellen amtlichen Angaben um massive 12,1 % gesunken.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR