Konjunktur: BIP-Stagnation in Deutschland zum Jahresende

19.02.2020

 

Das Statistische Bundesamt veröffentlichte am vergangenen Freitag erste vorläufige Angaben zur  gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands für das 4. Quartal 2019.

Den Angaben zufolge stagnierte das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal, nachdem es im 3. Quartal noch leicht um 0,2 % gestiegen war. Die BIP-Entwicklung vollzog sich damit so, wie vom BVR in seiner Konjunkturprognose vom Dezember erwartet worden war. Gemäß den amtlichen Angaben zeigte sich die Konjunktur zum Jahresende weiterhin gespalten. Bei den privaten- und staatlichen Konsumausgaben setzte sich das Wachstum offenbar fort, wenn auch weniger dynamisch als zuvor. Auch die Bauinvestitionen zogen weiter an. Die Ausrüstungsinvestitionen gaben hingegen angesichts des schwierigen weltwirtschaftlichen Umfelds mit andauernden Handelskonflikten und Brexit-Unsicherheiten erneut merklich nach. Der Außenhandel dämpfte den BIP-Anstieg ebenfalls, da die Exporte sanken, während die Importe im Zuge der robusten Binnennachfrage zulegten. Für das 1. Halbjahr 2020 lassen jüngste Schätzungen des BVR eine Überwindung der gesamtwirtschaftlichen Stagnation erwarten. Die Schätzungen legen für das laufende 1. Quartal einen BIP-Zuwachs um 0,1 % und für das 2. Quartal ein Wachstum von 0,3 % nahe.

Leichtes Wachstum im Euroraum bestätigt

Auch das europäische Statistikamt Eurostat legte am Freitag neue Daten zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung vor. Mit den Daten wurde das zentrale Ergebnis der vorläufigen Schnellschätzung für den Euroraum von Ende Januar bestätigt. So hat sich das  Wachstums des preis-, kalender- und saisonbereinigte BIP im Währungsraum von 0,3 % im 3. Quartal auf 0,1 % im 4. Quartal vermindert. Unter den großen Volkwirtschaften des Euroraums konnte lediglich Spanien sein Wachstumstempo erhöhen. Das spanische BIP expandierte um 0,5 %, nachdem es zuvor um 0,4 % gestiegen war. In Frankreich und Italien ist das BIP hingegen, nach Anstiegen um 0,3 % bzw. 0,1 % im 3. Quartal, im Jahresendquartal um 0,1 % bzw. 0,3 % gesunken. Erste Angaben zum Verlauf der BIP-Verwendungskomponenten (Konsum, Investitionen, Außenhandel) im 4. Quartal wird Eurostat voraussichtlich am 10. März bekanntgeben.

Industrieproduktion bricht im Euroraum ein

Im Euroraum ist die Industrieproduktion zum Jahresende merklich zurückgegangen. Nach vorläufigen Angaben von Eurostat sank der Ausstoß im Dezember gegenüber dem Vormonat um 2,1 %, nachdem er im November (0,0 %) noch eine Stabilisierungstendenz gezeigt hatte. Der Produktionsrückgang war breit angelegt. Alle  Industrie-Hauptgruppen haben ihre Erzeugung vermindert. Besonders stark fiel der Produktionsrückgang bei den Herstellern von Investitionsgütern (-4,0 %) aus, was angesichts des schwierigen globalen Umfelds mit Handelskonflikten und Brexit nicht verwundert. Angesichts der hohen wirtschaftspolitischen Unsicherheiten hat sich das Investitionsklima offenbar eingetrübt. Der Rückgang der Industrieproduktion sollte allerdings nicht überinterpretiert werden, da er teilweise auf Sonderfaktoren wie den Streiks in Frankreich und einer besonderen Arbeitstagekonstellation mit vielen Brückentragen in Deutschland beruht. Diese Sonderfaktoren dürften die Produktion nur vorübergehend belastet haben, sodass zu Jahresbeginn mit einer Gegenbewegung zu rechnen ist. Gegen einen weiteren Rückgang spricht zudem die jüngste Entwicklung des Order-Indikators der EU-Kommission. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Industrieunternehmen basierende Indikator ist leicht gestiegen, von -18,6 Punkten im Dezember auf -18,2 Punkte im Januar. Sein Verlauf scheint allmählich von einer Abwärts- in eine Seitwärtsbewegung überzugehen.

Deutlicher Rückgang der Insolvenzzahlen

Trotz der nur verhaltenen Konjunkturdynamik setzt sich der Abwärtstrend in den amtlichen Insolvenzdaten Deutschlands fort. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte wurden von den Amtsgerichten im November 1.413 Unternehmens- und 4.792 Verbraucherinsolvenzen gemeldet. Die Anzahl der Firmenpleiten ist damit gegenüber November 2018 um deutliche 7,5 % gesunken; die Zahl der Verbraucherpleiten ging binnen Jahresfrist sogar um 18,2 % zurück. Nach wie vor werden die meisten Unternehmensinsolvenzen aus den Bereichen Handel einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (218 Fälle) sowie Baugewerbe (212 Fälle) gemeldet. Die Summe der offenen Gläubigerforderungen aus beantragten Unternehmensinsolvenzen lag den Amtsgerichtsdaten zufolge im November bei 3,4 Mrd. Euro und damit erheblich höher als m entsprechenden Vorjahresmonat (1,1 Mrd. Euro). Der Anstieg der Gläubigerforderungen bei gleichzeitigem Rückgang der Insolvenzzahl ist darauf zurückzuführen, dass zuletzt mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragen mussten als zuvor.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR