Börsen bei erhöhter Nervosität auf Richtungssuche

26.10.2020

Die hohen und steigenden Infektionszahlen in vielen Staaten beunruhigen die Börsianer zunehmend. Inzwischen haben sich die Sorgen um die künftige Wirtschaftsentwicklung auch in den jüngsten Konjunkturindikatoren sichtbar niedergeschlagen.

Das Verbrauchervertrauen ist sowohl in Deutschland als auch in der EU zurückgegangen. Dies dürfte über zurückhaltendere Konsumausgaben die Wirtschaft dämpfen.

Aber auch auf Unternehmensseite ist ein Rückschlag erkennbar. Der Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleister ist im Euroraum im Oktober wieder unterhalb der Rezessionsmarke von 50 Punkten gerutscht. In Deutschland zeigte sich allerdings die Industrie mit 58 Punkten robust. In der Tendenz lassen diese Zahlen eine deutliche Verlangsamung der Erholung im vierten Quartal, wenn nicht gar eine Stagnation erwarten. Doch muss sich das Bild erst im Zuge der Veröffentlichung weiterer Wirtschaftsdaten verdichten, bevor belastbare Prognosen möglich werden. An den Aktienbörsen kam es im Zuge der Konjunkturrisiken zu weiteren Kursverlusten. Hierzu trug auch bei, dass sich die politischen Parteien in den USA noch nicht auf ein neues Konjunkturpaket einigen konnten. Bei den Unternehmensnachrichten zeigte sich im Wochenverlauf kein einheitlicher Trend. Einige Analysten sehen aber aktuell die Konjunkturrisiken als nicht angemessen eingepreist an und rechnen mit einer Kurskorrektur. Ein wichtiges Signal an die Märkte könnte von der EZB-Ratssitzung am kommenden Donnerstag, dem 29. Oktober, ausgehen. Zwar wird an den Märkten nicht mit einer weiteren geldpolitischen Lockerung gerechnet. Es könnte aber eine Verlängerung und Ausweitung der Anleihekaufprogramme für die folgende Sitzung im Dezember in Aussicht gestellt werden. Im Dezember werden neue Prognosen der Währungshüter für die Wirtschafts- und Inflationsaussichten veröffentlicht. Vorstellbar ist auch eine Erhöhung des sogenannten Tiering-Faktors, der Kreditinstitute mit Einlagen bei der EZB von zunehmenden Belastungen durch den Strafzins entlasten, und damit ihre Ertragsfähigkeit erhöhen würde.

Am Freitag, dem 23. Oktober, schloss der DAX bei 12.645 Punkten und damit um 2,0 % unter seinem entsprechenden Vorwochenstand. Der Dow Jones ging mit 28.335 Punkten aus dem Handel, 0,9 % unter seinem Vorwochenultimo.

Hohe Nachfrage nach EU-Bonds

An den Anleihemärkten kam es ebenfalls zu Kurseinbußen, auch wegen einem höheren Angebot. Zum Wochenbeginn waren die Renditen zunächst noch in Fortsetzung der Vorwochentendenz leicht zurückgegangen. Am Dienstag rentierte die 10-jährige Bundesanleihe noch mit - 0,63 % auf dem tiefsten Stand seit Mitte März. Danach profitierten die Märkte von einer hohen Nachfrage, was bei Neuemissionen zu starken Überzeichnungen führte. Auf das Social-Bond- Debut der EU reagierten die Märkte stärker als erwartet. Die Emission von 17 Mrd. Euro wurde von den Bietern um das 14-fache überzeichnet, was frühere Rekorde in den Schatten stellte. Eine hohe Nachfrage verzeichneten auch Griechenland mit einer Anleiheaufstockung sowie Italien mit einer 30-jährigen Anleihe. Am Freitag, dem 23. Oktober, rentierte die zehnjährige Bundesanleihe mit -0,57 %, das waren 5 Basispunkte mehr als eine Woche zuvor. Die zehnjährige US-Bundesanleihe rentierte mit 0,84 % um knapp 10 Basispunkte höher als in der Vorwoche.

Rohölpreis gibt nach

Der Ölpreis hat in der vergangenen Woche leicht nachgegeben. Zum Anfang der Woche stiegen die Preise zunächst unter dem Einfluss von Hoffnungen auf eine Einigung auf ein neues US-Konjunkturpaket. Belastend wirkten sich hingegen die weiter um sich greifenden Coronaviruspandemie und Bestrebungen Libyens aus, die Ölproduktion zu steigern. Auch waren Marktteilnehmer enttäuscht, dass es auf einer Sitzung des Ölproduzentenkartells „Opec plus“ keine Vereinbarung weitergehender Produktionskürzungen gab. Zum Ende der Woche standen die Preise aufgrund der Sorge vor Angebotsüberschüssen unter Druck. Rohöl der Sorte Brent notierte am Freitag, dem 23. Oktober bei 41,84 Dollar, das war 1,14 Dollar weniger als eine Woche zuvor. WTIRohöl verbilligte sich um 97 Cent auf 39,73 Dollar.

Euro legt zu, türkische Lira auf neuem Tief

Der Euro konnte trotz der steigenden Risikoaversion der Anleger im Zuge steigender Coronainfektionen gegenüber dem US-Dollar leicht zulegen. Auch belastete die Gemeinschaftswährung die schwindende Wahrscheinlichkeit auf ein Handelsabkommen der EU mit dem Vereinigten Königreich nur wenig. Insofern scheint die Eurostärke eher eine Dollar-Schwäche zu sein. Der EZB-Referenzkurs des Greenbacks lag am Freitag, dem 23. Oktober, bei knapp 1,19 Dollar, das war rund 1 Cent mehr als eine Woche zuvor.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR