Finanzmärkte: Brexit und Handelsstreit vor Lösung?

14.10.2019

Abwarten! Die neu aufgenommenen Handelsgespräche zwischen den USA und China sorgen bereits aufgrund der hoffnungsvollen Statements von beiden Streitparteien für Euphorie an den Märkten. Dort wird die Möglichkeit einer Zwischenlösung diskutiert. Demnach könnten Teilaspekte der Streitigkeiten beigelegt werden.
Unter der Führung von US-Präsident Trump eigentlich undenkbar. Allerdings ist dieser durch das drohende Impeachment-Verfahren schwer angeschlagen. Kurzfristige Erfolge könnten nun im vordergründigen Interesse von Trump sein. Allerdings sollte auch der chinesischen Seite klar sein, dass es wohl kein Verlass auf Zusagen der aktuellen US-Administration gibt. Insofern wäre eine Einigung auch ein Anzeichen, dass China noch mehr unter Druck steht, als es selbst einräumt. Anderenfalls wäre ein Abwarten auf den Ausgang des Impeachment und die Wahl im kommenden Jahr eher rational. Womöglich setzt China auf eine Misch-Strategie, die darauf abzielt, ein weiteres Anziehen der Daumenschrauben zu verzögern. Eine nachhaltige Einigung erscheintunter den aktuellen Vorzeichen kaum erreichbar. Dies scheint bei der zweiten hoffnungsvollen Nachricht der vergangenen Woche eher möglich. Der irische Premierminister Leo Varadkar und sein britischer Amtskollege Boris Johnson brachten bei einem Treffen am Donnerstag eine Zollpartnerschaft ins Spiel, die eine harte (Zoll-)Grenze ausschließen würde. Die verbleibenden EU-Staaten stimmten am Freitag neuen Verhandlungen zu, die allerdings bis zum Ende der laufenden Woche bereits beendet werden müssten, wenn ein Ausscheiden Großbritanniens zum 31. Oktober mit einem Abkommen erfolgen soll. Weiterhin müsste anschließend noch eine Ratifizierung erfolgen, die insbesondere im Parlament in London vollkommen unklar ist. Boris Johnson hat keine Mehrheit mehr. Wahrscheinlich wäre eine Zustimmung der Opposition wohl nur bei der Zusage von Neuwahlen in diesem Jahr möglich. Das negative Überraschungspotential in der laufenden Woche bleibt hoch.

Bunds: Risk on lässt Renditen steigen

Die Renditen von Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit stiegen in der vergangenen Woche aufgrund der verringerten Risikoaversion in Europa und den USA. Bunds gingen im Zuge der Handelsgespräche und der Brexit-Hoffnung mit -0,44 % und US-Treasuries mit 1,75 % ins Wochenende.

Ölpreise: Hoffnung auch am Ölmarkt

Auch am Ölmarkt wurden die Konjunktursorgen der Vorwochen durch die optimistische Wahrnehmung zum Handelskonflikt und dem Brexit überkompensiert. Sollten beide Risiken für den Welthandelt reduziert oder gar aufgelöst werden, würde dies der geschwächten Weltkonjunktur einen neuen Anschub geben. Entsprechend stiegen die Rohölpreise im Verlauf der Woche. Uneinheitlich war der Anstieg, nachdem am Freitag bekannt wurde, dass ein iranischer Tanker vermeintlich angegriffen wurde. Zudem verlegten die USA weitere Militäreinheiten in den mittleren Osten. Das Risiko einer Eskalation mit entsprechenden Wirkungen auf die Ölversorgung besteht weiterhin. Die europäische Sorte Brent notierte am Freitag bei etwa 60,5 Dollar und die US-Sorte WTI bei rund 54,8 Dollar pro Barrel.

Devisen: Optimismus stärkt Euro

Die Mischung aus Handelshoffnung und der Hoffnung auf einen geregelten Brexit stärkte in der vergangenen Woche den Euro gegenüber dem US-Dollar, aber auch gegenüber dem Yen. Die Marktreaktionen zeigen, welche Last durch die geopolitischen Risiken auf der europäischen Wirtschaft liegen. Und welche Erwartungen bezüglich einer Lösung der Konflikte am Markt vorherrschen. Gegenüber dem Euro notierte der US-Dollar am Freitag bei etwa 1,10 Dollar pro Euro, gegenüber dem Yen notierte der Euro bei rund 120 Yen pro Euro. Einzig das britische Pfund notierte gegenüber dem Euro stärker. Getrieben war das Pfund durch die Erwartungen nun doch noch einen geregelten Brexit zu erzielen. Für einen Euro mussten lediglich etwa 0,88 GBP gezahlt werden. Geringer war der Gegenwert des Euro zuletzt im Mai 2019.

DAX macht Sprung von 4,2 %

Der Deutsche Aktienindex profitierte insbesondere am Freitag von den positiven Meldungen. Der DAX stieg deutlich um 2,9 %. Im Laufe der Woche stieg der Index um annähernd 500 Punkte bzw. 4,2 % auf 12.512 Punkte. Die beginnende Bilanzsaison sorgte auch bei den Einzelwerten für Überraschungen. So nahm die Aktie von SAP am Freitag nach guten Zahlen um über 10 % zu. Auch die Dow Jones profitierte vom positiven Sentiment und stieg zum Wochenende hin deutlich. Im Wochenverlauf steht ein Plus von rund 240 Punkten auf 26,817 Punkte.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR