Finanzmärkte: Bundesanleihen stärker gefragt

28.01.2020

An den Finanzmärkten hat der in China weiter um sich greifende Coronavirus die Stimmung spürbar belastet.

Von chinesischen Behörden wurden im Zusammenhang mit dem Virus bereits einige Todesfälle und mehrere hundert Krankheitsfälle gemeldet. Zudem wurden für drei chinesische Großstädte Reisebeschränkungen verhängt.

Von Seiten der Geldpolitik gingen hingegen kaum Impulse für das Marktgeschehen aus. So hat der EZB-Rat bei seiner jüngsten geldpolitischen Sitzung am Donnerstag, dem 23. Januar, wie erwartet die Leitzinsen unverändert belassen. Eine Änderung des extrem expansiv ausgerichteten Kurses der Notenbank zeichnet sich weiterhin nicht ab. Jedoch soll das gesamte Jahr 2020 genutzt werden, um die geldpolitische Strategie der Notenbank umfassend auf den Prüfstand zu stellen.

Die Unsicherheit über die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus ließ die Kurse der als sicher geltenden Staatsanleihen Deutschlands und der USA steigen und ihre Renditen im Umkehrschluss sinken. Die Umlaufrendite von Bundesanleihen lag am Freitag, dem 24. Januar, bei -0,33 % und ist damit binnen Wochenfrist um rund 1 Basispunkt gesunken. Die Rendite von Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren gab noch stärker nach. Sie fiel im Wochenvergleich um knapp 12 Basispunkte auf ebenfalls -0,33 %. Bei zehnjährigen US-Staatsanleihen fiel die Rendite um rund 16 Basispunkte auf 1,68 %.

Ölpreise geben nach

Die Sorgen um eine Ausbreitung des Coronavirus trugen auch dazu bei, dass die Rohölpreise merklich nachgaben. So wird befürchtet, dass im Zuge einer weiteren Virusausbreitung der internationale Flugreiseverkehr und auch der Warenverkehr massiv eingeschränkt werden könnte. Dämpfend wirkte zudem die Meldung, dass die Internationale Energieagentur IEA befürchtet, dass es im ersten Halbjahr zu einer Öl-Überversorgung um 1 Mio. Barrel pro Tag kommen könnte. Vor diesem Hintergrund verbilligte sich Rohöl der Sorte Brent im Wochenvergleich um 2,8 Cent auf rund 62,9 US-Dollar pro Barrel. Der Preis für WTI-Rohöl gab sogar um 4,5 Cent auf etwa 54,1 US-Dollar nach.

Eurokurs leicht schwächer

Der Wechselkurs des Euro bewegte sich weiterhin in der Spanne zwischen 1,10 und 1,12 US-Dollar. Die Euro-Notierung wurde zum Ende der vergangenen Woche allerdings etwas durch Äußerungen der EZB-Präsidentin Christine Lagarde belastet. Diese verwies auf das Risiko, dass sich die Konjunktur des Euroraums schwächer entwickeln könnte als allgemein angenommen. Am Freitag, dem 24 Januar, lag der Eurokurs bei rund 1,10 US Dollar. Der Euro hat sich damit gegenüber dem Freitag der Vorwoche um knapp 1 Cent verbilligt.

In den nächsten Wochen dürften die Verhandlungen über die künftigen Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU ein wichtiges Thema an den Devisenmärkten bleiben. An diesem Freitag dürfte das Vereinigte Königreich zwar aus der EU austreten, in der anschließenden Übergangsperiode wird sich aber zunächst praktisch kaum etwas verändern. Sollte sich die Londoner Regierung mit der EU bis zum Jahresende auf eine neue Kooperation einigen, dürfte dies den Kurs des britischen Pfunds Auftrieb geben.

DAX erzielt neuen Rekordstand

Trotz der Sorgen um eine Ausweitung des Coronavirus hielt der Aufwärtstrend an den deutschen Aktienmärkten in der zurückliegenden Woche an. Der Deutsche Aktienleitindex DAX stieg zur Wochenmitte zeitweise sogar über seinen vor rund zwei Jahren erreichten bisherigen Rekordstand von 13.640 Punkte, konnte diese Marke im weiteren Wochenverlauf aber nicht halten. Befördert wurden die Aktienkurse unter anderem durch die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland, die im Januar kräftig gestiegen sind und die Hoffnung auf eine Überwindung der wirtschaftlichen Stagnation nähren. Positiv wurde an den Märkten auch die Signale wahrgenommen, die auf eine Entspannung des Streits zwischen den USA und Frankreich um die Einführung einer Digitalsteuer deuten. Bis Ende des Jahres sollen hier keine weiteren Strafmaßnahmen ergriffen werden.

Der DAX stieg binnen Wochenfrist um 0,4 % auf 13.576 Punkte. Der Dow Jones gab hingegen auf Wochensicht etwas nach. Er lag zum Handelsschluss am Freitag bei 28.989 Punkten, 1,2 % unter seinem Vorwochenultimo.

In den nächsten Tagen dürfte unter anderem die Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Fed im Blickpunkt der Märkte stehen. Es ist davon auszugehen, dass die Fed ihre Leitzinsen unverändert belassen wird.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR