Finanzmärkte: Corona bestimmt das Tagesgeschehen

23.03.2020

Auch wenn man wollte, käme man für die Einschätzung der Finanzmärkte nicht an der Corona-Pandemie vorbei. 

Die menschliche Tragödie spielt sich aktuell im Süden Europas ab. In Italien und in Spanien sind die Fallzahlen so hoch, dass das Gesundheitssystem teilweise kollabiert. Entsprechend hoch sind die Sterberaten der Patienten in den beiden Ländern. Um vergleichbares in Deutschland zu verhindern, wurden umfangreiche Einschränkungen des täglichen Lebens vollzogen. Es bleibt der vorsichtige Blick in die Zukunft, welche sich durch die Inkubationszeit in etwa 14 Tagen abzeichnet. Die deutlichen Einschränkungen des täglichen Lebens haben natürlich Einfluss auf die deutsche Wirtschaft. Es gilt als ausgemacht, dass eine Rezession im ersten Halbjahr festgestellt wird. Es ist allerdings klar, dass nach dem Ende der Pandemie eine Gegenbewegung einsetzen wird. Von welchem Niveau diese beginnt, hängt jedoch maßgeblich von der Länge der Pandemie und damit verbunden von den einschränkenden Maßnahmen ab. Abfederung kommt durch ein umfangreiches Fiskalpaket.

Die Bundesregierung stellt über verschiedene Programme insgesamt rund 1,2 Bill. Euro zur schnellen Hilfe, insbesondere für kleine Unternehmen und Selbstständige zur Verfügung. Auch für Arbeitnehmer wird über das Kurzarbeitergeld zumindest eine Grundversorgung gesichert – die Anträge hierfür sind auf einem Rekordniveau. Zusätzlich stemmt sich die EZB mit ihren Mitteln gegen einen Anstieg der Refinanzierungskosten für Staaten. Die, Ende vergangener Woche, beschlossenen zusätzlichen 750 Mrd. Euro zum Ankauf von Schuldtiteln dienen zunächst insbesondere dem Ziel, die Renditen der schwer betroffenen Länder – insbesondere Italien – im Euroraum zu senken. Auch von der EU-Kommission kommen Signale der Unterstützung, unter anderem durch den Verzicht auf die Defizitregeln, Förderprogramme für Unternehmen aber auch dem Ansatz zumindest für die Corona-Krise Gemeinschaftsbonds aufzulegen. All diese Maßnahmen dienen der Bekämpfung einer durch die Pandemie hervorgerufenen Wirtschaftskrise und der Vermeidung von Zweitrundeneffekten wie Unternehmenspleiten, Bankinsolvenzen oder gar einer erneuten Staatsschuldenkrise. Ziel ist es, so viel wie möglich Unternehmen, Kapazitäten und Arbeitsplätze für die Zeit nach der Pandemie zu erhalten. Deutschland ist hierbei recht gut aufgestellt, für andere Länder in Europa könnte Deutschlands Solidarität gefragt sein

Großbritannien und USA fehlen noch

Bei der Analyse der Auswirkungen auf die Finanzmärkte fällt als erstes auf, dass zwei für die Weltwirtschaft überaus relevante Länder – zumindest in den Statistiken – noch nicht wirklich von der Pandemie betroffen sind. Die USA und Großbritannien stechen allerdings nicht nur aufgrund ihrer ökonomischen Bedeutung hervor, sondern auch mit einem für eine solche Entwicklung ungenügenden Gesundheitssystem. Allen Beobachtern sollte klar sein, dass hohe Fallzahlen in beiden Ländern zu einem erneuten Schock der Öffentlichkeit, aber ganz besonders auch der Märkte führen sollte.

DAX und Dow Jones weiter unter Druck

Entsprechend kann noch nicht von einer Bodenbildung an den Aktienmärkten ausgegangen werden. Zu hoch sind noch die Unsicherheiten hinsichtlich der Pandemie und zu viel Hoffnung auf die Wirkung der fiskalischen Maßnahmen ist bereits eingepreist. Zum Wochenende hin beflügelte die Geldflut der EZB den DAX, der mit einem Tagesplus von 3,7 % bzw. 8.929 Punkten den Handel am Freitag beendete. Im Wochenverlauf stand allerdings dennoch ein Minus von etwa 3,2 %. Der Dow Jones hingegen verbuchte am Freitag einen Verlust um 4,5 % auf 19.174 Punkte. Ursache waren abermals Auswirkungen der Corona-Krise auf die Finanzbranche. Im Wochenverlauf verlor der Dow Jones mehr als 17 %.

Anleihen verlieren

Ausgelöst durch die enormen fiskalischen Anstrengungen zur Bewältigung der ökonomischen Folgen der Pandemie gehen die Märkte von einem erhöhten Angebot an Staatsanleihen aus. Dies belastet die Kurse und lässt die Renditen steigen. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten zum Wochenende bei -0,34%, etwa 30 Basispunkte über dem Wert zu Wochenbeginn. Auch zehnjährige US-Treasuries rentierten mit 0,88 % höher als zu Wochenbeginn. Besonders markant war die Entwicklung zehnjähriger italienischer Staatsanleihen. Die Renditen stiegen in Folge der Corona- Krise am Mittwoch auf über 3 %. Durch die Intervention der EZB (Ankündigung des 750 Mrd. Euro Programmes) sanken die Renditen auf unter 1,4 % um anschließend mit etwa 1,70 % ins Wochenende zu gehen. Diese Entwicklung zeigt das Misstrauen des Marktes, gegenüber Italiens Staatsfinanzen aber auch dem Gesundheitssystem. Sie zeigt allerdings auch, dass diese Krise möglicherweise ein neues Europa zur Folge haben wird. Die stets geforderte Solidarität könnte nun durch Corona-Bonds deutlich schneller erfolgen als viele Kritiker sich das bisher vorstellen konnten.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR