Finanzmärkte: Corona breitet sich weiter aus

30.03.2020

Die globale Ausbreitung des Coronavirus gewinnt global weiter an Fahrt und kostet nun auch in Großbritannien sowie den USA immer mehr Menschenleben.

Die Auswirkungen auf die Volkswirtschaften sind weiterhin kaum absehbar. Besonders der rasante Anstieg der Infizierten in den USA sollte in der neuen Woche die Sorgen an den Finanzmärkten verstärken. Einen ersten Ausblick lieferten die Erstanträge auf Arbeitslosengeld in der Woche bis zum 21. März. Diese sprangen über das rund zehnfache von 282.000 Anträgen auf 3,3 Mio. – in einer Woche. Der Lockdown in den USA ist in vollem Gange. Die Geschwindigkeit der Virus-Ausbreitung ist auch in den USA enorm. Entsprechend liefern die in der kommenden Woche für den Monat März anstehenden Daten (Ein-kaufmanagerindizes, Verbrauchervertrauen, ISM-Index, verschiedene Arbeitsmarktdaten) nur einen ersten Eindruck auf die Entwicklung in den USA. Insbesondere am Freitag stehen mit den ISM für den Dienstleistungssektor und den amtlichen Arbeitsmarktdaten für März zwei Daten mit ho-hem Schockpotenzial im Kalender.

Inzwischen ist eine Verlängerung des Lockdown in den USA bis Ende April beschlossen, die ursprünglich angestrebte kurze Phase des Lockdown wird es somit sehr wahrscheinlich nicht geben. Dies erkannte auch die britische Regierung. Ein Staatssekretär deutete an, dass ein Ende der Beschränkungen im optimistischen Szenario nicht vor Mai möglich sei. Beiden Ländern droht ebenso wie Deutschland und vielen anderen Staaten eine schwere Rezession, deren Länge noch nicht absehbar ist. Insbesondere der Zustand der US-Wirtschaft wird durch die internationale Bedeutung an den Finanzmärkten genau beobachtet. Entsprechend nervös sollten die Marktteilnehmer in der kommenden Woche auch die Daten der Neuansteckungen beobachten. In Europa ist indessen die Diskussion über eine Vergemeinschaftung der finanziellen Belastungen durch Corona-Bonds entstanden. Gleichzeitig diskutieren Ökonomen über mögliche Formen des Exits aus dem Lockdown. Auch wenn es aus pandemischer Perspektive zu früh erscheint, wurde eine Diskussion in Gang gesetzt, die früher oder später auch das Geschehen an den Finanzmärkten tangiert.

Ölmarkt auf Talfahrt

Auch am Ölmarkt macht sich die Pandemie bemerkbar. Die Preise fielen die fünfte Woche in Folge. Angebotssorgen waren maßgeblich. So steht durch das Virus nicht nur die Produktion in vielen wichtigen Abnehmerländern still, sondern auch die Luftfahrt ist nahezu zum Erliegen gekommen. Auch der Individualverkehr ist durch die Aufforderungen zu Hause zu bleiben, deutlich eingeschränkt. Ergänzt werden die Nachfragesorgen durch den Preiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien. Dieser könnte auch auf die US-Konkurrenz zielen, da die Frackingunternehmen zu den aktuellen Preisen nicht mehr kostendeckend produzieren können. Aufgrund der hohen Forderungen gegen die Ölproduzenten aus Krediten und Anleihen ist dies eine weitere drohende Gefahr für die US-Wirtschaft. Am Freitag notierte die US-Sorte WTI bei rund 21,40 Dollar pro Barrel und die europäische Sorte Brent bei 24,60 Dollar.

Notenbanken senken Renditen

Während die schützende Hand der EZB insbesondere die Renditen italienischer Staatsanleihen aber auch die Bundesanleihen deutlich gedrückt hat, sorgte bei den US-Treasuries die Entscheidung, künftig unbegrenzt Anleihen zu kaufen, für einen deutlichen Rückgang bei den Renditen. Während zehnjährige US-Papiere noch in der Vorwoche bei etwa 1,28 % rentierten, sanken die Renditen bis zum Freitagabend deutlich auf 0,67 %. Bundesanleihen mit derselben Restlaufzeit rentierten am Freitag bei -0,47 %. Bei italienischen Staatstiteln, die in der Vorwoche noch bei bis zu 3 % rentierten, sanken die Renditen bis zum Freitagabend ebenfalls deutlich auf 1,36 %.

Positive Woche an den Aktienmärkten

Befeuert durch die parlamentarische Zustimmung zu einem 2 Bill. US-Dollar umfassenden Konjunkturprogramm, stiegen die Aktienbarometer in den USA und in Europa deutlich an. Insbesondere die ersten drei Handelstage sorgten für deutliche Kurssprünge im Dow Jones und DAX. Der Deutsche Aktienindex notierte im Wochenverlauf kurzzeitig wieder über der Marke von 10.000 Punkten, musste aber insbesondere am Freitag wieder Punkte abgeben. Der DAX ging mit 8.633 Punkten rund 8 % über dem Wert der Vorwoche ins Wochenende. Der Dow Jones musste am Freitag ebenfalls wieder einen Teil seiner Wochengewinne abgeben und notierte am Freitagabend mit einem Gewinn von etwa 13 % bei 21.637 Punkten.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR