Finanzmärkte: Corona bremst die Welt aus

16.03.2020

Das Corona-Virus breitet sich immer weiter aus und auch die Folgen für den Alltag werden zunehmend spürbar. 

Neben Schulschließungen und Hamsterkäufen in Deutschland gibt es Ausgangssperren in Italien und Spanien. Die Meldungen überschlagen sich nahezu stündlich und so unklar wie der Verlauf der kommenden Tage und Wochen ist, so groß ist auch die Unsicherheit an den Finanzmärkten. So hat nach der Fed nun auch am vergangenen Donnerstag die EZB reagiert und mit einer Neuauflage des Langzeittenders (TLTRO) zu verbesserten Konditionen und einem temporär bis Jahresende höheren Volumen von Anleiheankäufen die Liquiditätsversorgung deutlich erhöht. Am Wochenende überraschte nun die Fed mit einem zweiten und sehr deutlichen Zinsschritt die Marktbeobachter. Um 1 % senkte die amerikanische Notenbank den Leitzins auf eine Spanne von 0 bis 0,25 %. Zudem kündigte sie ein Anleihekaufprogramm von 700 Mrd. US-Dollar an. Die Sorge der Notenbanker weltweit gilt der Liquidität der Unternehmen. Ziel ist es Insolvenzen zu vermeiden. Damit zielen die Notenbanken bereits jetzt auch auf die Zeit nach der Pandemie. Eine Rezession können sie im aktuellen Umfeld kaum vermeiden. Umso erstaunlicher ist der deutliche Zinsschritt der Fed. Sie verschießt schnell ihr letztes (Zins)Pulver um insbesondere die Kapitalmärkte zu beruhigen. Für diese sollte der deutliche Schritt aber genau das Gegenteil bedeuten, da interpretiert werden wird, dass die Situation noch schlimmer ist, als zuletzt eingepreist. Ein weiterer Ausverkauf an den Börsen ist die Folge. Das Vorgehen der EZB scheint nicht nur deshalb deutlich geschickter. Letztlich bleibt die Erkenntnis, dass eine große Unsicherheit nicht nur im Gesundheitswesen und bei den Menschen herrscht, sondern auch an den Finanzmärkten und im Wirtschaftsleben. Dies führt zu einer sich beschleunigenden Entwicklung in Richtung einer Rezession. Auch die große Unbekannte des tatsächlichen Ausmaßes der Pandemie in den USA wird in der kommenden Woche für anhaltende Nervosität und für weiter fallende Kurse sorgen. Bei aller Unsicherheit ist allerdings gewiss, dass nach dem Ausstehen der Pandemie Nachholbedarf besteht. Auch wenn ein V-förmiger Schock, wie bei der Finanzkrise, aktuell unwahrscheinlich erscheint, und eher mit einer längerfristigen Entwicklung zu rechnen ist, sollte an den Märkten das gleiche gelten wie von Virologen kommuniziert: Achtsam und vorsichtig, aber bitte keine Panik!

Bundesanleihen profitieren nicht von Panik

Die Bundesanleihen profitieren hingegen nicht von der Panik an den Börsen. Die Renditen sind in den letzten Tagen wieder leicht gestiegen. Papiere mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten am Freitag bei etwa -0,54 % deutlich über dem Tief vom Montag, welches bei -0,91 % lag. Hintergrund ist die angekündigte expansive Fiskalpolitik zur Bewältigung der Krise. Das knappe Angebot an Bundesanleihen am Markt sollte in der Folge ausgeweitet werden, was die Renditen leicht steigen lässt.

Ölmarkt von zwei Seiten unter Druck

Auch die Ölpreise haben in der vergangenen Woche deutlich nachgelassen. Sowohl der Preis für die US-Sorte WTI als auch die europäische Sorte Brent haben über 20 % verloren. Neben den Nachfragesorgen im Zuge der Corona-Pandemie war insbesondere die Angebotssorge durch den Machtkampf zwischen Russland und Saudi-Arabien ursächlich. Die Ausweitung der Produktion besiegelte das Ende der Absprachen zwischen OPEC und den OPEC+ Ländern. Brent notierte zu Ende der letzten Woche bei etwa 35 US-Dollar pro Barrel, WTI bei rund 33 Dollar.

Panik an den Aktienmärkten

Die hohe Unsicherheit über die tatsächlichen Folgen der Pandemie für die Unternehmen und die Dauer der Produktionseinschränkungen haben in der vergangenen Woche für heftige Verwerfungen an den Aktienmärkten gesorgt. Der deutsche Leitindex verlor seit Freitag der Vorwoche rund 20 % seines Wertes und beendete die Woche entsprechend tiefrot bei 9.232 Punkten. Auch der Dow Jones gab im Wochenverlauf deutlich ab und büßte etwa 11 % ein. Mit 23.185,6 Punkten war insbesondere der Handel am Freitag dafür verantwortlich, dass das Wochenminus nicht noch größer war. Die Ankündigungen von der US-Regierung den Notstand auszurufen und damit entsprechende Mittel frei zu setzen, sorgte zunächst an den Börsen für Erleichterung.

Das Vorgehen der Fed vom Wochenende sollte jedoch zu Beginn der aktuellen Woche erneut für Unsicherheit und sinkende Kurse sorgen. Mit Spannung werden die Marktteilnehmer auf die reguläre Sitzung der US-Notenbank am Dienstag und Mittwoch blicken. Sollte es keine weiteren Maßnahmen geben, würde sich auch dies negativ auf die Märkte auswirken, weshalb der Erwartungsdruck – durch die Fed am Wochenende selbst geschürt – sehr hoch bleibt.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR