Konjunktur: Corona-Krise hinterlässt erste Spuren am Arbeitsmarkt

08.04.2020

 

Die durch den neuartigen Coronavirus verursachte Krise zeigt am deutschen Arbeitsmarkt erste Auswirkungen. Der Einbruch der Wirtschaftsleistung und der zunehmende Stillstand im öffentlichen Leben führen zu einer rasanten Ausweitung der Kurzarbeit.

Gemäß vorläufigen Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) sind im März bundesweit 470.000 Anzeigen auf Kurzarbeit eingegangen. Im Februar lag die Zahl der Kurzarbeiter noch bei 1.900 Menschen. Das Instrument der Kurzarbeit wird dabei in nahezu allen Branchen eingesetzt; anders als während der globalen Rezession 2008/2009, als Kurzarbeit vor allem im Verarbeitenden Gewerbe genutzt wurde. Branchenschwerpunkte sind derzeit ins-besondere der Handel und das Gastgewerbe. In den aktuellen Daten zur Arbeitslosigkeit spiegelt sich die Corona-Krise hingegen noch nicht wider, da diese lediglich die Entwicklung bis zum 12. März dokumentieren. Demnach ist die Arbeitslosenzahl im Zuge der Frühjahrsbelebung von Februar auf März um 60.000 auf 2,335 Mio. Menschen gesunken. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote verharrte nach BA-Angaben im März bei vergleichsweise niedrigen 5,0 %. Auch in den Angaben zur Erwerbstätigkeit des Statistischen Bundesamtes spiegelt sich die Krise noch nicht wider. Die Erwerbstätigenzahl legte jüngst, im Februar, saisonbereinigt um 18.000 zu und damit in gleicher Größenordnung wie in den Vormonaten.

Ölpreisverfall dämpft Inflationsrate

In Deutschland hat sich der Preisauftrieb auf der Verbraucherstufe merklich abgeschwächt. Nach ersten vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes lag der Verbraucherpreisindex (VPI) im März um 1,4 % über seinem entsprechenden Vorjahreswert. Im Februar hatten sich die Verbraucherpreise noch um 1,7 % verteuert. Hauptgrund für den Rückgang der Inflationsrate waren die Energiepreise. Haushaltsenergie und Kraftstoffe haben sich im März im Zuge deutlich niedrigerer Rohölnotierungen um 0,9 % verbilligt. Im Februar mussten die Verbraucher für Energie noch 2,0 % mehr Geld aufwenden. Zur Verminderung der Inflationsrate trugen allerdings auch die Dienstleistungspreise bei, die zuletzt schwächer stiegen als zuvor (+1,4 % nach +1,6 % im Februar). Bei den Nahrungsmitteln hat sich der Preisauftrieb allerdings leicht erhöht, entgegen der allgemeinen Tendenz. Die Nahrungsmittelpreise sind im März um 3,7 % gestiegen, nachdem sie sich im Vormonat um 3,3 % verteuert hatten.

In den nächsten Monaten dürften die voraussichtlich anhaltend niedrigen Ölpreise für weiterhin lediglich moderat steigende Verbraucherpreise sorgen.

Euroraum-Inflationsrate auf 0,7 % gesunken

Nicht nur in Deutschland, als größte Volkswirtschaft im Euroraum, sondern auch im Währungsraum als Ganzes hat die Preisdynamik auf der Verbraucherstufe spürbar nachgelassen. Wie Eurostat anhand vorläufiger Daten mitteilte, ist die Inflationsrate, basierend auf dem Harmonisierten Verbraucherpreiseindex (HVPI), von 1,2 % im Februar auf 0,7 % im März gefallen. Maßgeblich hierfür waren wie in Deutschland die Energiepreise, die - nach einem leichten Rückgang um 0,3 % im Februar - im März um deutliche 4,3 % nachgaben. Die Kerninflationsrate ohne Berücksichtigung der schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise ist vor diesem Hintergrund nur vergleichsweise leicht von 1,2 % auf 1,0 % gesunken. Im Euroraum dürfte der Auftrieb der Verbraucherpreise in naher Zukunft ebenfalls moderat bleiben. Hierauf lassen – neben den Folgen der Corona-Pandemie – unter anderem auch die Industrie-Erzeugerpreise schließen. Diese waren zuletzt, im Februar, um 1,3 % gefallen, nachdem sie bereits in den Vormonaten nachgegeben hatten.

Dramatischer Rückgang des Euroraum-Wirtschaftsklimas

Im Euroraum verdunkelt sich das Wirtschaftsklima spürbar. Gemäß aktuellen Angaben der EU-Kommission hat sich die wirtschaftliche Stimmung im März nicht nur, wie bereits gemeldet, unter den Verbrauchern, sondern auch in den Unternehmen erheblich verschlechtert. Der auf monatlichen Verbraucher- und Unternehmensumfragen beruhende Wirtschaftsklimaindex sank von Februar auf März um 8,9 Punkte auf 94,5 Punkte. Das Wirtschaftsklima ist damit so stark eingebrochen wie noch nie seit seiner Ermittlung im Jahr 1985. Nach Wirtschaftsbereichen differenziert, hat sich die Stimmung im März insbesondere im Dienstleistungssektor und im Handel verschlechtert. Unter allen Euroraum-Staaten wiesen Italien und Deutschland die stärksten Klimaeintrübungen auf. Im April ist mit einem weiteren Rückgang des Wirtschaftsklimas im Euroraum zu rechnen, da einschneidende Krisenmaßnahmen - wie das Ver-bot von größeren Versammlungen - in den bisherigen Umfrageergebnissen noch nicht voll erfasst sind.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR