Ein gesundes Ökosystem

11.08.2020

von Frauke van Bevern
Porträt Frauke van Bevern

Das Genossenschaftsmodell macht stark – den Einzelnen und das große Ganze. Es basiert auf Werten, die zeitlos sind und die Gesellschaft zusammenhalten

Meine Helden waren schon immer Teamplayer. Sie ziehen an einem Strang, um gemeinsam gesteckte Ziele zu erreichen. Sie stehen füreinander ein, und wenn einer strauchelt, springt ihm ein anderer bei. So löst man Aufgaben, die unlösbar scheinen. Nie allein, immer gemeinsam.

Zusammen etwas zu erreichen, ist ein gutes Gefühl. Demokratische Gesellschaften und soziale Wirtschaftssysteme bauen erfolgreich auf diese Kraft der Vielen. Einige versprengte Autokraten mögen anderer Meinung sein, aber gemeinsam sind Menschen in komplexen Strukturen wie Staaten, Organisationen und Unternehmen effektiver. Sie profitieren von den Stärken des Einzelnen und entfalten sie zusammen für das große Ganze, damit dieses große Ganze wiederum den Einzelnen schützen und unterstützen kann. Das ist genau das Prinzip der Genossenschaftsbanken. „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele“, so der Gedanke der Gründungsväter vor mehr als 170 Jahren.

Genossenschaft klingt etwas staubig, das Wort hat ja auch ein erhabenes Alter. Das Prinzip aber bleibt zeitlos cool. Ein Modell, das für Partnerschaft, Vertrauen, Nachhaltigkeit und Fairness steht. Für ein gutes Leben für viele. Was in die DNA von Genossenschaftsbanken eingeschrieben ist, gründet auf Basiswerten, die eine überragende Bedeutung für die Stabilität der Gesellschaft haben. Man muss nur auf das Frühjahr 2020 schauen, als sich diese Eigenschaften in einer Solidarität und Selbstdisziplin äußerten, die kaum jemand erwartet hätte. Ohne diese Basis gäbe es kein solidarisches Gesundheitssystem und auch nicht die Kraft, aus Rücksicht auf andere zeitweise auf seinen eigenen Spaß zu verzichten. Unsere Erfahrungen im Bereich der Berliner Volksbank haben gezeigt: Exponentiell war insbesondere das Wachstum unserer Kräfte, unter den Kollegen und auch unter den Mitgliedern füreinander einzustehen. Auch in Turbulenzen zusammen erfolgreich zu sein – das zeichnet das Genossenschaftsmodell vor vielen anderen aus. Die Werte dahinter haben wir nicht erfunden, aber sie tragen uns seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Und jeder vierte Erwachsene macht mit.

Ein Anteil und du bist drin

Was ist so erfolgreich an dieser Idee? Sie ist einfach und sie ist integrativ. Die meisten von uns mögen Gemeinschaften. Wir bilden Teams, reden in Runden, sind Mitglieder von Vereinen, Clubs – oder eben einer Bank. Was viele nicht wissen: Es braucht wenig, Mitglied einer Genossenschaftsbank zu sein und mitzubestimmen. Wer einen Anteil kauft, und sei es auch nur einen einzigen, ist drin. Er bestimmt demokratisch mit, wo es langgeht und fördert die dahinterstehende Idee zum Wohle aller.  

Wer einen Anteil kauft, und sei es auch nur einen einzigen, ist drin. Er bestimmt demokratisch mit, wo es langgeht und fördert die dahinterstehende Idee zum Wohle aller.

Diese „alle“ sind das bunte Leben. Es sind Unternehmer, Selbstständige, Kleinsparer, Künstler, Angestellte, Studierende, Schüler und sogar Babys, die sich später über einen Anteil freuen, der ihnen zur Geburt geschenkt wurde. Haben sie ein gemeinsames Ziel? Vielleicht das, ihr Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Am Standort Berlin und Brandenburg lässt sich das täglich in praller Diversität bewundern. Aber auch umgekehrt wird ein gutes Lebensgefühl daraus, indem eine Genossenschaftsbank Initiativen fördert, die auf eine funktionierende Gemeinschaft einzahlen.

Ein wachsendes Ökosystem ergibt Sinn

Eine weitere Besonderheit von Genossenschaftsbanken ist ihre lokale Verankerung. Die Kenntnis der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Strukturen einer Region ermöglicht eine ganzheitliche Betreuung.  

Aus einer Bank wird erst dann „meine Bank“, wenn persönliche Verbindungen bestehen, also wenn sich die große Familie der Teilhaber auch kennt und begegnet.

In diesem Sinne fördern wir als Berliner Volksbank beispielsweise die Vernetzung der Mitglieder durch Veranstaltungen, Kulturevents oder den Unternehmerclub Brandenburg. Wir vermehren Wissen durch unsere Medien, die auf hohem Level Mitglieder und Kunden informieren und unterhalten. Das reicht vom hochwertigen Print bis hin zum Online-Seminar, das wiederum von Kunden moderiert wird. Kunden werden dadurch aufmerksam auf die Produkte und Dienstleistungen anderer Kunden. Es ist ein Ökosystem, das immer weiterwächst und gedeiht. Was heute als Trendthema gehandelt wird, etwa die allgegenwärtige Suche nach Sinn, machen wir bereits seit 170 Jahren vor. 

Meine Bank, mein Geld

Es soll hier weniger das Thema sein, aber klar geht es auch um gutes Geld. Mitglieder tragen eine Genossenschaftsbank durch ihr Kapital, dafür sind sie direkt am erwirtschafteten Gewinn beteiligt. Sie erhalten Zugang zu einem umfassenden Angebot von Finanzlösungen sowie zu Produkten und Dienstleistungen, die ihren Gewinn mehren. Genossenschaftsbanken tun viel für den lokalen Wirtschaftskreislauf, sie zahlen Steuern und verzichten auf staatliche Hilfen. Manche Krise haben sie deshalb besser durchgestanden als andere Geldinstitute. In vielerlei Hinsicht erweist sich die genossenschaftliche Idee als stabilisierend in Zeiten des permanenten Wandels. Eine Idee, die im November 2016 von der UNESCO in die "Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit" aufgenommen wurde.

Es ist ein Erbe, das uns Stolz macht und dem wir behutsame Wachstumsschübe in Richtung Zukunft geben. „Zukunft braucht Herkunft“ heißt unser Raumkonzept für das Beratungscenter für Firmenkunden Unter den Linden in Berlin. Ein historischer Standort trifft dort auf Digitalisierung und moderne Kunstobjekte. Neues und Altes ergänzen sich. Modernes baut auf Tradition auf. In den Arbeitsabläufen brechen wir mit alten Denk- und Beratungsmustern, stellen andere Fragen, setzen andere Akzente. Zugleich wirken unsere Werte nicht nur für uns, sondern auch für Kunden stabilisierend und vertrauensbildend.
Unsere Bank ist eben anders. Weltoffen und ständig in Bewegung, als Teil einer großen sinn- und nutzenstiftenden Gemeinschaft, mit der ich gerne in die Abenteuer der Zukunft gehe. Zusammen etwas zu erreichen, ist ein tolles Gefühl.

Historisch betrachtet haben Genossenschaftsbanken ihren Ursprung in Einkaufsgenossenschaften und Darlehnsvereinen. Die Raiffeisenbanken wurden von Friedrich-Wilhelm Raiffeisen Mitte des 19. Jahrhunderts für den landwirtschaftlichen Bereich, die Volksbanken durch Hermann Schulze-Delitzsch für den gewerblichen mittelständischen Bereich als Selbsthilfeorganisationen gegründet. Seit 170 Jahren schließen sich Gemeinschaften nun schon zu Genossenschaften nach dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" zusammen. Heute gibt es sie in nahezu allen Bereichen – in der Landwirtschaft, beim Handel, beim Handwerk und im Dienstleistungsgewerbe. Mit etwa 30 Millionen Kunden und über 18,6 Millionen Mitgliedern bilden die Genossenschaftsbanken die größte genossenschaftliche Gruppe in Deutschland.

Frauke van Bevern

Über die Autorin

Bild: Frauke van Bevern
© Lisa Hantke

Nach ihrer Ausbildung zur Werbekauffrau und BWL Studium an der Uni Münster folgten nationale und internationale Stationen mit Aufgaben in Marketing, Kommunikation und in der strategischen Unternehmensentwicklung. 2014 hat sie das Advanced Management Program an der Harvard Business School absolviert und ist langjähriges Jurymitglied des Corporate Design Preises.

Seit 2012 verantwortet Frauke van Bevern den Bereich Marke und Kommunikation der Berliner Volksbank. Neben ihrem Job fotografiert und reist sie leidenschaftlich gerne.

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