Dauerhoch im Steuerland

27.09.2019

von Stefan Bielmeier  

 

Die immer weiter fortschreitende Globalisierung hat die Mobilität der Produktionsfaktoren spürbar erhöht. Die Arbeitskräfte und vor allem auch das Kapital sind mobiler geworden. Die Staaten sehen sich immer mehr unter Handlungsdruck gesetzt, im internationalen Wettbewerb für günstige Rahmenbedingungen für Produktion und Beschäftigung zu sorgen. Dazu zählt auch die Unternehmensbesteuerung. Die Besteuerungder Unternehmensgewinne ist nicht nur für den bereits gewählten Standort eine wichtige Determinante, auch Neu- und Erweiterungsinvestitionen werden davon maßgeblich mit beeinflusst.

Im Bereich der Besteuerung von Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten einiges bewegt. Innerhalb der Gruppe der OECD-Länder sind die Körperschaftsteuersätze seit dem Jahr 2000 deutlich reduziert worden. Hier sank der Durchschnitt der Unternehmenssteuersätze zwischen 2000 und 2019 immerhin von 32,2 auf 23,5 Prozent.

In Deutschland gab es dagegen bei der Unternehmensbesteuerung in den vergangenen Jahren keine großen Veränderungen. Die letzten großen Körperschaftsteuerreformen wurden in den Jahren 2001 und 2008 auf den Weg gebracht. Seitdem gab es, wenn überhaupt, nur noch kleinere Anpassungen. Mit einem Steuersatz von knapp 30 Prozent (als Kombination aus Bundessteuern und kommunalen Steuern) liegt Deutschland nach Berechnungen der OECD damit inzwischen unter den Industrieländern im Spitzenfeld der Hochsteuerländer.

Deutschland könnte aufgrund von Untätigkeit in absehbarer Zeit immer mehr ins Hintertreffen geraten.

Die jüngsten Steuerreformen in zahlreichen Industrieländern und die Pläne für die kommenden Jahre zeigen nur in eine Richtung: Reduktion der Körperschaftsteuersätze, eben nur nicht in Deutschland.

Deutschlands Stellung als attraktiver Wirtschaftsstandort ist dadurch mehr und mehr gefährdet. Dies gilt für die Unternehmen,die hierzulande bereits tätig sind. Vor allem aber gilt das auch für das Ansiedeln neuer und innovativer Unternehmen, die mit ihrer Standortentscheidung auch zu neuen Investitionen führen.

Stefan Bielmeier

Über den Autor

Nach Abschluss seines Studiums der Volkswirtschaftslehre begann er 1996 seine Karriere bei der Deutschen Bank AG. Im Juni 2010 trat Stefan Bielmeier in die DZ BANK ein. Er leitet dort den Bereich Research und Volkswirtschaft und ist Chefvolkswirt der DZ BANK. Daneben wirkt Stefan Bielmeier in verschiedenen Gremien mit.

Neben den Funktionen in der DZ BANK ist Stefan Bielmeier auch Vorsitzender des Vorstandes der DVFA - Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management e.V., des Berufsverbands der Investment Professionals in Deutschland. Ziel der DVFA und ihrer Mitglieder ist die Pflege des Berufsbildes, die Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für die Berufsausübung sowie die Förderung des Verständnisses der Öffentlichkeit für den Beruf.