Finanzmärkte: Die USA fest im Blick behalten

22.06.2020

Die Herausforderungen für die Weltwirtschaft sollten in den kommenden Monaten geprägt sein von Themen, welche die USA betreffen. 

Eines der Risiken stellt die Corona-Pandemie, welche in bisher weniger betroffenen US-Regionen für steigende Fallzahlen sorgt. Von einer zweiten Welle auszugehen, ist noch zu früh, allerdings muss weiterhin mit regionalen Einschränkungen gerechnet werden. Was mit Blick auf die nun betroffenen Staaten durchaus Folgen für die gesamtwirtschaftliche Lage in den USA hat. Denn mit Florida, Texas und Kalifornien sind gleich drei der ökonomisch relevanten Staaten der USA betroffen. Zwar werden in den USA auch die ersten zaghaften Erholungen sichtbar, sie finden sich aber auf fragilem Untergrund. Insbesondere der US-Konsum sprang im Mai wieder deutlich nach oben – was auch auf Nachholeffekte zurückzuführen sein sollte. Aber auch die Industrieproduktion stieg von niedrigem Niveau wieder an, wenngleich nicht so stark wie erwartet. Auch wenn bei weiterhin steigenden Fallzahlen nicht mehr mit einem vollständigen Lockdown zu rechnen ist, würde eine zweite Welle dennoch zu deutlichen Spuren in den ökonomischen Kennzahlen führen. Das Timing für Donald Trump wäre vermutlich ungünstig, eine neue Welle während der heißen Wahlkampfphase im Herbst würde seinen Wahlkampf nochmals deutlich schwächen. Ergänzt um das zweite gesellschaftlich akute Problem in den USA – dem Rassismus – entsteht Druck auf den Präsidenten, den er vermutlich nur über die Außenpolitik kompensieren kann. Es ist nicht überraschend, dass die Handelspolitik mit China und der Konflikt über den Umgang mit Hongkong gerade jetzt wieder an Schärfe gewinnt. Auch der Truppenabzug aus Deutschland und eine vermutlich wieder aufkommende Diskussion, über den Handel zwischen Europa und den USA sollten aus der Perspektive eines Wahlkämpfers betrachtet werden. Dieser Wahlkämpfer ist jedoch nicht irgendwer, sondern Donald Trump. Genau darin besteht die Gefahr, weiteren irreparablen Schaden für die globalen Wertschöpfungsketten zu erfahren. Die zu erwartenden Risiken für die Kapitalmärkte erweitern sich somit neben einer zweiten Welle der Corona-Pandemie um die Handelskonflikte der USA mit Europa und China. Aus Sicht der Märkte sollte die Hoffnung auf weiterhin expansive Schutzwälle der Notenbanken und der Fiskalpolitik bestehen. Dies wird weiterhin zu volatilen Märkten führen – im ständigen Wechsel von Risk-on und Risk-off. 

Bundesanleihen kaum verändert

Während Bundesanleihen in der Vorwoche noch deutlich von der Risk-off-Stimmung an den Märkten profitierten, rentierten sie in der vergangenen Woche nur wenig verändert. Die vorsichtige Rückkehr des Risk-on führte kaum zu sinkenden Kursen. Entsprechend änderten sich auch die Renditen kaum. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Freitag bei -0,41 %. Anleihen Südeuropäischer Staaten konnten hingegen von Risk-on profitieren, wie Italien und Spanien. Die Renditen italienischer Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit sanken im Wochenverlauf um rund 10 Basispunkte auf etwa 1,32 %. Die spanischen Pendants sanken ebenfalls um etwa 10 Basispunkte und rentierten am Freitagabend mit 0,52 %.

Zwischenhoch beim Ölpreis?

Die Ölpreise haben sich im Laufe der vergangenen Woche weiter erholt. Für Überraschung sorgte, dass sich die Nachfrage nach Aussage größerer Ölförderländern zuletzt dynamisch erholt hatte. Gerade die Nachfrage aus China hat sich stabilisiert und das Vor-Cornona-Niveau wieder erreicht. Die fortgesetzte Erholung würde im zweiten Halbjahr zu einem deutlichen Angebotsdefizit führen, mit entsprechend steigenden Preisen. Allerdings bleibt das Risiko weiterhin auftretender Corona-Ausbrüche und auch einer zweiten Welle der Pandemie. Auch ein verändertes Konsumverhalten insbesondere aufgrund der gestiegenen Arbeitslosigkeit könnte zu einer längerfristigen niedrigeren Nachfrage führen. WTI notierte am Freitag bei 39,83 US-Dollar, und Brent bei 42,19 US-Dollar pro Barrel.

Risk-on an den Aktienmärkten

An den Aktienmärkten herrschte vergangene Woche wieder mehr Mut zum Risiko. Nachdem in der Vorwoche ein dickes Minus verbucht wurde, stieg der DAX in der letzten Woche um 3,2 % auf 12.331 Punkte. Für Aufsehen sorgte die Aktie von Wirecard. Das Unternehmen konnte aufgrund fehlender Nachweise über den Verbleib von rund 2 Mrd. Euro keine testierte Bilanz vorlegen. In gleicher Höhe stehen durch das Fehlen der testierten Bilanz Kreditlinien von Banken zur Disposition. Entsprechend scharf war der Einbruch um über 80 % am Donnerstag und Freitag. Mit 25,82 Euro (-75 %) für einen Anteilsschein ging die Aktien am Freitag ins Wochenende. Der Dow Jones konnte ebenfalls einen leichten Wochengewinn retten, nachdem die Angst vor einer zweiten Pandemie- Welle am Freitag Punkte kostete. Mit 25.871 Punkten schloss der US-Leitindex am Freitagabend.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR