Konjunktur: Eintrübung der Konjunkturerwartungen

27.02.2020

 

Unter Finanzmarktfachleuten werden die hiesigen wirtschaftlichen Perspektiven wieder kritischer bewertet..

Die auf einer monatlichen Expertenbefragung des Mannheimer Zentraums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) basierenden ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sind von Januar auf Februar sichtlich um 18,0 Punkte auf 8,7 Punkte gesunken. Die deutliche Aufwärtsbewegung der Vormonate hat sich damit zunächst nicht fortgesetzt. Maßgeblich für die Eintrübung der Konjunkturerwartungen dürfte die Ausbreitung des Coronavirus in China gewesen sein, welche die globale Wirtschaftsentwicklung dämpft. Neben den Perspektiven haben die befragten Fachleute auch die aktuelle Lage Deutschlands insgesamt verhaltener bewertet als zuvor. Grund hierfür dürften nicht zuletzt die jüngsten Daten zum Bruttoinlandsprodukt Deutschlands sein, die schwächer ausfielen als vielfach angenommen. Trotz des jüngsten Rückgangs befinden sich die ZEW-Konjunkturerwartungen noch immer im positiven Bereich und lassen für das nächste halbe Jahr eine Verbesserung der Wirtschaftslage in Deutschland erwarten.

Konsumentenstimmung weiterhin günstig

Im Gegensatz zu den Konjunkturerwartungen der Finanzmarktfachleute blieb die Stimmung unter den deutschen Verbrauchern zuletzt im Wesentlichen unverändert positiv. Nach Angaben der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) stieg das GfK Konsumklima im Februar gegenüber dem Vormonat geringfügig um 0,2 Punkte auf 9,9 Punkte. Zudem prognostizieren die GfK-Experten für März mit 9,8 Punkten einen weiterhin hohen Stand des Konsumklimas. Die einzelnen Indikatoren der Verbraucherstimmung zeigten jüngst unterschiedliche Tendenzen. Während die Einkommenserwartungen und die Anschaffungsneigung im Februar leichte Einbußen hinnehmen mussten, legten die Konjunkturerwartungen etwas zu. Der Indikator der Konjunkturerwartungen stieg, trotz der Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie, im Februar um 4,9 Punkte. Darüber hinaus liegt er mit 1,2 Punkten wieder knapp über seinem langjährigen Mittelwert von etwa 0 Punkten. Der Indikator der Einkommenserwartungen gab zwar um 3,4 Punkte nach. Er befindet sich mit 41,2 Punkten aber noch immer auf einem hohen Niveau, was angesichts der insgesamt stabilen Beschäftigungslage und der tendenziell weiter steigenden Realeinkommen nicht verwundert. Der Indikator der Anschaffungsneigung hat sich ausgehend von einem überaus hohen Stand nur leicht vermindert, um 1,9 Punkte auf 53,6 Punkte. Alles in allem legen die jüngsten GfK-Zahlen ein Andauern der guten Konsumkonjunktur nahe.

Leicht rückläufiger Industrie-Auftragsbestand

Angesichts der schwachen Entwicklung der Neuaufträge hat sich der Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe Deutschlands zum Jahresende weiter vermindert. Der Auftragsbestand tendiert bereits seit Jahresbeginn 2019 nach unten. Er befindet sich aber gleichwohl noch immer auf einem ähnlich hohen Niveau wie zur Hochkonjunktur Ende 2017. Nach Angaben des Statistischen Bundeamtes gab der Bestand von November auf Dezember saison- und kalenderbereinigt um 0,3 % nach. Der Auftragsbestand ist die Summe der Neuaufträge am Ende eines Berichtsmonats, die noch nicht umsatzwirksam geworden sind und die nicht storniert wurden. Die Neuaufträge des Verarbeitenden Gewerbes waren, wie bereits im Rahmen des Wochen-Infos berichtet, im Dezember um deutliche 2,1 % zurückgegangen. Der Rückgang sollte allerdings nicht überinterpretiert werden, da es damals ungewöhnlich viele Brückentage gab, die durch das Kalenderbereinigungs-Verfahren nur unzureichend berücksichtigt werden können. Ferner spielten beim Schwund der Neuaufträge auch monatliche Schwankungen von Großaufträgen aus dem Ausland im Bereich sonstiger Fahrzeugbau eine Rolle, die für etwa ein Drittel des Rückgangs verantwortlich waren.

Eurostat bestätigt Anstieg der Inflationsrate

Im Euroraum hat sich der Preisauftrieb auf der Verbraucherstufe erhöht. Gemäß den inzwischen von Eurostat bestätigten Angaben lag der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) im Januar um 1,4 % über seinem entsprechenden Vorjahresmonatswert. Im Dezember hatten die Verbraucherpreise noch um 1,3 % zugelegt. Ausschlaggebend für den Anstieg der Inflationsrate waren die Energiepreise. Die Energiepreise haben sich im Januar im Zuge höherer Rohölnotierungen um 1,9 % verteuert, nachdem sie im Dezember (+0,2 %) noch nahezu stagniert hatten. Zur höheren Gesamtrate trugen aber auch die Nahrungsmittel bei, deren Preisanstieg sich leicht von 2,0 % im Dezember auf 2,1 % erhöhte. Bei Dienstleistungen hat sich der Preisauftrieb jedoch, entgegen der allgemeinen Tendenz, vermindert (+1,5 % nach +1,8 % im Dezember). Die Kerninflationsrate, ohne Berücksichtigung von Energie und Nahrungsmitteln, ist daher leicht von 1,3 % auf 1,1 % gesunken.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR