Eintrübung des Konsumklimas

28.10.2020

 

Die Stimmung unter den Verbrauchern hat sich in Deutschland zuletzt nicht weiter aufgehellt.

Der aktuellen Verbraucherumfrage der Nürnberger Gesellschaft für Konjunkturforschung (GfK) zu-folge stieg das GfK-Konsumklima im Oktober gegenüber dem Vormonat zwar geringfügig um 0,1 Punkte auf -1,7 Punkte. Für November prognostizieren die GfK-Fachleute aber einen merklichen Rückgang des Konsumklimaindikators auf dann -3,1 Punkte. Zur Eintrübung des Konsumklimas trugen unter anderem die Konjunkturerwartungen bei, die sich angesichts neuer Rekord-stände bei den Coronainfektionen erheblich verschlechterten. Der entsprechende Teilindikator fiel im Oktober um 17,0 Punkte auf 7,1 Punkte. Viele Verbraucher sorgen sich offenbar vor den Folgen eines möglichen zweiten Lockdowns. Auch der Teilindikator der Einkommenserwartungen ging angesichts der zunehmenden Sorgen zurück, um 6,3 Punkte auf 9,8 Punkte. Demgegenüber blieb die Anschaffungsneigung der Verbraucher vergleichsweise stabil. Der entsprechende Indikator fiel lediglich um 1,4 Punkte auf 37,0 Punkte. Trotz des jüngsten Rückgangs befindet sich der GfK-Konsumklimaindikator weiterhin deutlich über dem niedrigen Niveau der Monate April und Mai. Die Entwicklung des Indikators signalisiert, dass der Privatkonsum nach dem Ein-bruch des 1. Halbjahres, in der 2. Jahreshälfte wie-der steigen wird, wenn auch zum Jahresende mit nachlassender Dynamik.

Starke Zunahme der Schuldenquote

Die Lage der öffentlichen Haushalte hat sich im Euroraum im Zuge der Coronakrise merklich verschlechtert. Nach ersten vorläufigen Angaben von Eurostat stieg die Schuldenquote, welche die Gesamtverschuldung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) setzt, von 86,3 % im 1. Quartal auf 95,1 % im 2. Quartal. Sie befindet sich damit erheblich über der im Maastricht-Vertrag festgeschriebenen Obergrenze von 60 %. Grund für den Anstieg der Schuldenquote war einerseits der BIP-Rückgang, der im 2. Quartal so stark aus-fiel wie noch nie seit Beginn der vierteljährlichen BIP-Berechnung. Andererseits nahm die öffentliche Verschuldung angesichts der staatlichen Maßnahmen zur Stützung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu. Unter allen Euroraum-Staaten wiesen Griechenland (187,4 %), Italien (149,4 %) und Portugal (126,1 %) im 2. Quartal abermals die höchsten Schuldenquoten auf. Für Deutschland wurde eine Schuldenquote von 67,4 % ermittelt.

Auftragsbestand steigt leicht

Die deutsche Industrie erholt weiter vom virusbedingten Einbruch im Frühjahr. Dies zeigt sich auch in den amtlichen Daten zum Auftragsbestand des Verarbeitenden Gewerbes. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte ist der Auftragsbestand im August saison- und kalenderbereinigt gegenüber dem Vormonat um 1,0 % gestiegen. Verantwortlich für den Anstieg waren in erster Linie der Be-stand an Auslandsaufträgen, der um 1,1 % zu-legte. Die noch offenen Aufträge aus dem Inland nahmen demgegenüber mit 0,6 % etwas schwächer zu. Analog zu den Auftragsbeständen waren auch die Neuaufträge (+4,5 %) im August gestiegen, befördert vor allem von einer höheren Auslandsnachfrage (+6,5 %). Trotz der erneuten Zunahme der Auftragsbestände befinden sich diese aber nach wie vor unter dem vor Krisenaus-bruch erreichten Stand. Gegenüber Februar, dem Monat vor den Corona-Einschränkungen, lag der Auftragsbestand im August leicht um 0,2 % im Minus. Vor dem Hintergrund der aktuellen Auftragsentwicklung im Verarbeitenden Gewerbe, der Verbesserung wichtiger Stimmungsindikatoren und der sinkenden Kurzarbeit-Zahlen zeichnet sich für die nächsten Monate eine weitere Erholung der Industriekonjunktur ab.

Schwächerer Rückgang der Erzeugerpreise

In Deutschland hat sich die Abwärtsbewegung bei den Erzeugerpreisen gewerblicher Güter erneut abgeschwächt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Erzeugerpreisindex im September um 1,0 % unter seinem Vorjahresmonatswert. Im Juli und August waren die Erzeugerpreise noch mit Jahresraten von 1,7 % bzw. 1,2 % gesunken. Hautgrund für den weiteren Rückgang des Gesamtindexes waren die Preise für Energie und Vorleistungsgüter, die sich im September um 3,3 % bzw. 1,3 % verbilligten. Demgegenüber kam es bei Investitions- und Gebrauchsgütern zu moderaten Preiserhöhungen um 0,9 % bzw. 1,4 %. Die Verbrauchsgüterpreise blieben mit einer Jahresrate von -0,1 % im Wesentlichen unverändert. Insgesamt üben die Erzeugerpreise weiterhin kaum Druck auf die Preise auf der Verbraucherstufe aus. Die Inflationsrate, basierend auf dem Verbraucherpreisindex VPI, war im September angesichts anhaltend niedriger Energiepreise und der vorübergehenden Senkung der Mehrwertsteuersätze um 0,2 % zurück-gegangen. Jüngste Schätzungen des BVR lassen für den Jahresdurchschnitt 2020 eine Inflationsrate von 0,5 % erwarten.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR