Konjunktur: Enttäuschende Daten zur Industrieproduktion ...

12.02.2020

 

Nach einer Aufhellung im Vormonat hat sich das Bild von der Industriekonjunktur in Deutschland im Dezember wieder eingetrübt.

Gemäß vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die preis-, kalender- und saisonbereinigte Industrieproduktion gegenüber dem Vormonat um deutliche 2,9 % gesunken, nachdem sie im November noch um 1,0 % gestiegen war. Der Rückgang sollte aber nicht überinterpretiert werden, da er offenbar durch eine Arbeitstage-Konstellation überzeichnet wurde. So gab es im Dezember eine hohe Anzahl von Brückentagen, die offenbar durch das verwendete Kalenderbereinigungsverfahren nicht adäquat berücksichtigt werden kann. Im gesamten 4. Quartal wurde der Ausstoß um 2,3 % zurückgefahren und damit stärker als im 3. Quartal (-0,9 %). Dabei stand einer rückläufigen Erzeugung in der Kfz-Industrie (-4,6 %) und im Maschinenbau (-4,5 %), Produktionssteigerungen in den Bereichen Chemie (+0,6 %) und Pharma (+3,9 %) gegenüber. Nicht nur die Industrieproduktion, auch die Bauproduktion ist im Dezember gesunken, mit einer Verlaufsrate von 8,7 % sogar recht deutlich. Im Zuge dessen musste die Baubranche auch im gesamten 4. Quartal (-1,9 %) einen Rückgang hinnehmen, nach einem geringfügigen Plus im 3. Quartal (+0,1 %).

… und zu den Neuaufträgen

Die Auftragseingänge der Industriebetriebe sind im Dezember mit einer Verlaufsrate von 2,1 % merklich gesunken, nachdem sie in den Vormonaten deutliche Stabilisierungstendenzen gezeigt hatten. Ausschlaggebend für den Orderschwund waren die Aufträge aus dem Euroraum, die um 13,9 % einbrachen. Demgegenüber nahmen die Orders aus dem Inland (+1,4 %) und dem Nicht-Euroraum (+2,1 %) zu. Ein Grund für den erheblichen Nachfragerückgang aus dem Euroraum dürften monatliche Schwankungen im Bereich Sonstiger Fahrzeugbau gewesen sein, auf die rund ein Drittel des Gesamtrückgangs im Dezember zurückzuführen sind. Im 4. Quartal sanken die Neuaufträge insgesamt um moderate 0,5 %. Summa summarum deuten die jüngsten Industriedaten darauf hin, dass die Industriekonjunktur zu Jahresbeginn 2020 noch gedämpft bleiben wird. Darüber hinaus signalisieren die Daten, dass die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zum Jahresende schwächer ausgefallen sein könnte als im Rahmen des Bruttoinlandsprodukt-Jahresergebnisses vom Statistischen Bundesamt bisher erwartet.

Rückgang der Erzeugerpreise verlangsamt sich

Im Euroraum hat sich die Abwärtsbewegung bei den Industrie-Erzeugerpreisen weiter abgeschwächt. Nach Angaben von Eurostat lag der Erzeugerpreisindex im Dezember um 0,7 % unter seinem entsprechenden Vorjahresmonatswert. Im Oktober und November waren die Erzeugerpreise noch mit Jahresraten von 1,8 % bzw. 1,4 % gesunken. Maßgeblich für den nachlassenden Preisrückgang waren die Energiepreise. Die Preise für Energieprodukte sanken im Dezember auf der Erzeugerstufe um 4,0 %, nachdem sie sich im Oktober und November noch um 7,7 % bzw. 6,1 % verbilligt hatten. Neben den Energiepreisen waren zuletzt auch die Preise für Vorleistungsgüter (-1,1 %) erneut rückläufig. Bei den Preisen für Gebrauchs- (+1,3 %), Investitions- (+1,5 %) und Verbrauchsgütern (+2,1 %) waren hingegen Preiserhöhungen zu verzeichnen. Insgesamt lässt die Entwicklung der Erzeugerpreise darauf schließen, dass die Preisdynamik auf der Verbraucherstufe in naher Zukunft moderat bleiben wird. Gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) waren die Verbraucherpreise jüngst, im Januar, um 1,4 % gestiegen.

Schwacher Jahresabschluss im Außenhandel

Der grenzüberscheitende Handel der deutschen Wirtschaft blieb auch zum Jahresende verhalten. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte wurden im Dezember von Deutschland Waren im Wert von 98,0 Mrd. Euro ausgeführt und Waren im Wert von 82,8 Mrd. Euro eingeführt. Die Ausfuhren sind damit gegenüber dem Vormonat kalender- und saisonbereinigt minimal um 0,1 % gestiegen, nachdem sie im November um kräftige 2,2 % nachgegeben hatten. Bei den Einfuhren setzt sich der Rückgang im Dezember (-0,7 %) mit ähnlichem Tempo wie im Vormonat (-0,6 %) fort. Im gesamten 4. Quartal kam es bei den Ausfuhren zu einem leichten Anstieg um 0,8 %, der allerdings geringfügig stärker ausfiel als der Importzuwachs (+0,7 %). Vor diesem Hintergrund dürfte der Außenbeitrag zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum im Jahresendquartal leicht positiv ausgefallen sein. Auch auf Jahressicht sind die Ausfuhren Deutschlands im Vorjahresvergleich lediglich um 0,8 % expandiert. Grund hierfür war in erster Linie die leicht nachlassende Exportgüternachfrage aus den EU-Partnerländern (-0,2 %), die einer lediglich moderaten Ausweitung des Geschäfts mit den außereuropäischen Drittstaaten (+2,2 %) gegenüberstand. Die Importe nach Deutschland sind 2019 um 1,4 % gestiegen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR