Erholung der Industrieproduktion schreitet voran

12.08.2020

 

Die Produktion der deutschen Industrie hat sich im Juni weiter vom coronavirusbedingten Einbruch der Monate März und April erholt.

Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilte, stieg die preis-, kalender- und saisonbereinigte Produktion des Verarbeitenden Gewerbes gegenüber dem Vormonat um 11,1 %, nachdem sie bereits im Mai um 10,0 % zugenommen hatte. Die stärksten Wachstumsimpulse gingen dabei von den Kfz- und Kfz-Teile-Herstellern (+54,7 %) aus, die ihre Erzeugung während der Coronakrise heruntergefahren hatte. Im Baugewerbe ist die Produktion im Juni ebenfalls gestiegen, wenn auch mit einer Verlaufsrate von 1,4 % weniger stark als im Verarbeitenden Gewerbe. Wegen der Produktionseinschränkungen im Lockdown-Monat April lag der industrielle Ausstoß im gesamten 1. Quartal um deutliche 19,3 % unter seinem Vorquartalswert. Im Baugewerbe wurde die Produktion hingegen auf Quartalssicht mit einer Verlaufsrate von 4,2 % weniger deutlich vermindert.

Mehr Neuaufträge für die Industrie

Nicht nur die Produktion, auch die Neuaufträge des Verarbeitenden Gewerbes haben im Juni zum zweiten Mal in Folge zugenommen. Die Bestellungen sind gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um kräftige 27,9 % gestiegen. Im Mai hatten sie um 10,4 % zugelegt. Besonders deutlich fiel im Juni der Bestellzuwachs bei den Herstellern von Investitionsgütern (+45,7 %) aus. Hierzu trug auch das merkliche Auftragsplus bei den Kfz- und Kfz-Teile-Herstellern (+66,5 %) bei. Im gesamten 2. Quartal gingen die Aufträge wegen des Lockdowns im April allerdings um außerordentliche 22,9 % zurück. Die inländischen Ordereingänge (-13,9 %) erwiesen sich dabei robuster als die Nachfrage aus dem Euroraum (-26,2 %) und aus dem Nicht-Euroraum (-30,7 %). Mit dem erneuten Anstieg der Produktion und der Neuaufträge im Juni mehren sich die Anzeichen dafür, dass die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands im zweiten Halbjahr wieder Tritt fassen wird.

Außenhandel belebt sich

Auch der grenzüberschreitende Handel Deutschlands hat sich im Juni weiter vom außerordentlichen Rückgang während der Krisenmonate März und April erholt. Gemäß den aktuellen Daten der amtlichen Außenhandelsstatistik wurden von der deutschen Wirtschaft Waren im Wert von 96,1 Mrd. Euro exportiert und Waren im Wert von 80,5 Mrd. Euro importiert. Die Ausfuhren sind kalender-, und saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um deutliche 14,9 % gestiegen, nach einem Anstieg um 8,9 % im Mai. Bei den Einfuhren hat sich das Wachstumstempo von 3,6 % im Mai auf 7,0 % im Juni sogar nahezu verdoppelt. Trotz der Belebung befinden sich die Ausfuhren und Einfuhren aber noch immer erheblich unter ihren Vorjahresständen. Das Niveau der Ausfuhren/Einfuhren vom Juni 2019 wurde im Juni 2020 um 9,4 % bzw. 10,0 % unterschritten. Dabei zeigten sich im Handel mit den wichtigsten Außenhandelspartnern unterschiedliche Tendenzen. Die chinesische Wirtschaft, die schon früh von der Coronakrise erfasst wurde und sich zuletzt mehr und mehr zu erholen scheint, erhöhte ihre Einfuhren aus Deutschland im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat um 15,4 %. Demgegenüber sanken die Ausfuhren Deutschlands in die gegenwärtig besonders von der Coronapandemie betroffenen Vereinigten Staaten und in das Vereinigte Königreich um kräftige 20,7 % bzw. 15,7 %.

Schwächerer Rückgang der Erzeugerpreise

Im Euroraum hat sich der Preisrückgang auf der Erzeugerstufe abgeschwächt fortgesetzt. Der Industrie- Erzeugerpreisindex lag im Juni um 3,7 % unter seinem Vorjahresstand. Zuvor, im Mai, waren die Erzeugerpreise noch um 5,0 % gesunken. Der Verlauf des Gesamtindexes wird nach wie vor stark durch die Energiepreise nach unten getrieben. Diese verbilligten sich im Juni um 12,8 %, nachdem sie im Mai noch um 17,2 % nachgegeben hatten. Auch die Preise für Vorleistungsgüter (-2,5 %) waren weiterhin rückläufig. Bei Gebrauchs- (+1,2 %), Investitions- (+1,0 %) und Verbrauchsgütern (+0,6 %) waren hingegen moderate Preisanstiege zu verzeichnen. Insgesamt geht von den Erzeugerpreisen noch immer eine dämpfende Wirkung auf die Entwicklung der Verbraucherpreise aus. Die Verbraucherpreise sind jüngst, im Juli, nach vorläufigen amtlichen Berechnungen um 0,4 % gestiegen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR