Finanzmärkte: Erste Lockerungen

27.04.2020

Nachdem Österreich bereits zuvor erste Lockerungen der Covid-19 bedingten Einschränkungen umgesetzt hat, folgte nun in der vergangenen Woche auch Deutschland.

Während die Virologen weiter warnen und auch die Bundesregierung verlautbaren lässt, dass wir uns innerhalb der Pandemie auf „dünnstem Eis“ bewegen, geht einzelnen Branchen die Lockerungen nicht weit genug. Die Bedürfnisse sind verständlich, wenn man sich die nun langsam verfügbaren Frühindikatoren anschaut. Die Lage in der deutschen Wirtschaft ist desaströs. Neben dem in der vergangenen Woche veröffentlichten ifo Geschäftsklimaindex (siehe Seite 4) geben aber auch andere Daten wie die Mauteinnahmen (zuletzt etwa 15 % unter dem Vorjahreswert, im Wochendurchschnitt) einen ersten Eindruck über den aktuellen Zustand der deutschen Volkswirtschaft. Dennoch müssen auch mögliche ökonomische Kosten einer zu frühen Lockerung einbezogen werden. Denn eine zweite Welle der Pandemie würde unweigerlich auch einen zweiten Lockdown zur Folge haben. Aus der makroökonomischen Perspektive wären die gesellschaftlichen Kosten unverhältnismäßig höher, verglichen mit einer Verlängerung des aktuellen Lockdown.

Weiterhin sind relevante Arbeitnehmerfragen wie etwa die Betreuung der Kleinkinder nicht beantwortet. Somit fehlt letztlich schlicht die Belegschaft um weitere Lockerungen großflächig umzusetzen. Zudem kann ein Hochfahren der Volkswirtschaften nur konzertiert erfolgreich verlaufen. Die internationale Aufgabenteilung und Spezialisierung erfordert gerade für das Exportland Deutschland einen beträchtlichen Teil an Vorprodukten. Ein Arbeitspapier des Sachverständigenrates (5 Wirtschaftsweisen) erläutert, dass in etwa 30 % der Vorleistungen im Verarbeitenden Gewerbe aus den stark von der Pandemie betroffenen Ländern Italien, Spanien, Frankreich, UK, USA und China stammen. Gerade mit Blick auf die USA, UK, aber auch Spanien, Italien und Frankreich kann nicht von einer Entspannung der Lage gesprochen werden – wenngleich die Dynamik der Pandemie zumindest auf dem europäischen Festland an Geschwindigkeit zu verlieren scheint. Die bisherigen schon pessimistischen Prognosen für das Wirtschaftswachstum 2020 stehen möglicherweise vor einer breiten Welle von Abwärtsrevisionen.

Bunds weiter gefragt

Nachdem Bundesanleihen zur Wochenmitte leicht abgeben mussten, da die Stimmung am Markt auf Risk-On gedreht war, waren sie in der zweiten Wochenhälfte wieder gefragt. Die sehr schlechten Einkaufsmanagerindizes in Europa so-wie der Einbruch des ifo Geschäftsklimaindex sorgten für Nachfrage nach den sicheren Häfen. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Freitagabend in etwa auf dem Niveau des Wochenanfangs bei -0,47 %. Italienische und spanische Staatsanleihen profitieren von einer technischen Entscheidung der EZB, wonach für das Repogeschäft von Banken auch bestimmte Anleihen akzeptiert werden, die nicht mehr im Investment-gerade geratet sind. Damit sorgt die EZB für eine anhaltende Nachfrage für diese Staatsanleihen am Sekundärmarkt vice versa verhindert einen Verkaufsdruck. Diese Entscheidung wurde mit Blick auf die am vergangenen Freitag anstehende Neubewertung des Ratings von Italien durch S&P – welches zunächst unverändert blieb – getroffen. Zehnjährige italienische Papiere rentierten am Freitag bei 1,84 %.

Ölmarkt paradox – WTI für Mai -38 US-Dollar

Am Ölmarkt wird kein physisches Öl gehandelt, sondern Abnahmevereinbarungen. Diese Warentermingeschäfte werden rollierend abgebildet, da sie irgendwann fällig werden. Der Mai-Kontrakt wurde in der vergangenen Woche durch den Juni-Kontrakt abgelöst. Aktuell sind die Läger aber so voll, dass es für Käufer schwer und teuer ist, das erworbene Öl zu lagern. Die letzte Möglichkeit den Abnahmevertrag wieder los zu wer-den führte dazu, dass die Inhaber der Kontrakte Geld boten, um das „Mai-Öl“ nicht abnehmen zu müssen. Der Preis für den WTI-Mai Kontrakt notierte kurzzeitig bei -37,63 US-Dollar (Freitag, Juni-Kontrakt: 16,94 USD). Auch Brent verlor im Tief auf rund 16 Dollar (Freitag, Juni-Kontrakt: 21,44 USD).

Aktienmärkte vor Realitätscheck

Die erschreckenden Frühindikatoren, der Ölpreisschock, die Unternehmensausblicke und Enttäuschungen über die Wirkung des Ebola-Medikamentes Remdesivir sorgten beim DAX für ein Wochenminus von 2,7 %. Der Deutsche Leitindex notierte am Freitag, dem 24. April, bei 10.336 Punk-ten. Auch der Dow Jones fiel um rund 2 % auf 23.775 Punkte zurück. Die US-Konjunkturdaten von März enttäuschten. Zudem sind die Erstanträge auf Arbeitslosengeld mit 4,4 Mio. abermals sehr hoch ausgefallen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR