EZB hält die Füße still

14.09.2020

Mit einer eher trüben Stimmung begann der Handel auf den Aktienmärkten zum Wochenbeginn, nachdem die Kurse von Tech-Aktien in der vorangegangenen Woche eingebrochen waren.

Es stellte sich die berechtigte Frage, ob sich der Abwärtstrend weiter fortsetzen sollte oder ob die Kurskorrektur bereits abgeschlossen war. So sprachen zunächst weitere Verluste am Nasdaq 100 und Gewinnmitnahmen der Anleger für eine Fortsetzung der Talfahrt. Insgesamt war das Börsengeschehen zu Wochenbeginn aber erstaunlich ruhig. Einerseits war dies auf den Handelsstopp am Montag aufgrund des Labor Days an der Wall Street zurückzuführen. Andererseits warteten Anleger die weitere Ausrichtung der Geldpolitik der EZB am Donnerstagnachmittag ab und agierten dementsprechend zurückhaltend.

Erwartungsgemäß hat die EZB zunächst die Füße stillgehalten und keine geldpolitische Lockerung beschlossen. Mit Spannung wurde auch die Einschätzung zur Stärke des Euros erwartet. Erstmals seit Anfang 2018 nahm die EZB den Wechselkurs und die möglichen Folgen für die Inflation wieder explizit in ihr Statement auf. EZB-Präsidentin Lagarde äußerte Besorgnis über die Wechselkursentwicklung. Zugleich wiederholte sie aber, dass die EZB kein Wechselkursziel habe. Zudem hielt sich Lagarde mit Signalen für eine neuerliche Lockerung zurück. Stattdessen wies die EZB-Präsidentin auf die verbesserte konjunkturelle Entwicklung im Euroraum hin. So wird in Zukunft lediglich mit einer Verringerung der Wirtschaftsleistung in Höhe von -8 % gerechnet. Im Juni war noch ein Einbruch von -8,7 % berechnet worden. Für die kommenden Jahre 2021 (+5,0 %) und 2022 (+3,2 %) sind wieder positive Wachstumseffekte zu erwarten. Die Äußerungen zur Euro- Aufwertung wurden an den Märkten als recht zurückhaltend gewertet, sodass der Euro nach der Sitzung zulegte. Die Aktienmärkte reagierten enttäuscht und gaben im Anschluss an die EZBRatssitzung leicht nach.

Ölpreis fällt unter 40 Dollar

Die unter Druck stehenden Ölmärkte hatten auch in der vergangenen Woche Verluste hinnehmen müssen. So fiel der Ölpreis der Ölsorte Brent am Dienstagnachmittag um 6 % und notierte unterhalb der Marke von 40 US-Dollar. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stürzte noch stärker um bis zu 8 % ins Minus und notierte bei 36,41 Dollar. Die Ölpreise lagen damit auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Monaten. Gründe hierfür finden sich unter anderem in dem europaweiten Anstieg der COVID-19-Fallzahlen, der Konjunktursorgen beflügelte, sowie der verlangsamten wirtschaftlichen Erholung Chinas. Ferner belastete die Verringerung des Verkaufspreises saudi-arabischen Öls für asiatische Kunden den Ölmarkt. Daraus lässt sich ein Nachfragemangel nach Öl interpretieren. Am Freitagnachmittag kostete die Ölsorte Brent 39,87 US-Dollar pro Barrel, WTI lag mit 37,28 Dollar leicht darunter.

Bundesanleihen notieren schwächer

Unter dem Eindruck einer potenziellen Verschärfung des Handelskonfliktes zwischen den USA und China durch Präsident Trump gewannen deutsche Bundesanleihen zu Wochenbeginn, die als sicherer und zuverlässiger Hafen gefragt waren. Die hierzulande wieder verbesserte Aktienmarktstimmung und die fehlende Aussicht auf eine weitere geldpolitische Lockerung der EZB sorgten aber schlussendlich dafür, dass die Kurse der deutschen Bundesanleihen wieder nachgaben. Am Freitagnachmittag rentierten Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit bei rund - 0,48, was einem Rückgang von 1 Basispunkt zur Vorwoche entspricht.

Euro bleibt stark

Auf dem Devisenmarkt geriet der Euro am Dienstagnachmittag aufgrund von Unsicherheiten in den Brexit-Verhandlungen mit London kurzzeitig unter Druck, sodass der Wechselkurs auf 1,17 abrutschte. Bis zum Mittwochnachmittag stieg das Austauschverhältnis allerdings wieder auf 1,18 an. Verantwortlich hierfür war unter anderem eine verbesserte Einschätzung der EZB bezüglich der weiteren konjunkturellen Entwicklung im Euroraum. Die zurückhaltenden Äußerungen der EZBPräsidentin zur Wechselkursentwicklung gab dem Euro am Donnerstag weiteren Auftrieb. Am Freitagnachmittag lag der EZB-Referenzkurs der Gemeinschaftswährung bei 1,18 US-Dollar und blieb damit im Wochenvergleich unverändert.

DAX mit Wochenplus

Nachdem der Deutsche Leitindex DAX zu Wochenbeginn erneut mit der 13.000 Punktemarke kämpfte, konnte er sich bis zum Freitagnachmittag weiter verbessern. So stieg der DAX bis zum Handelsschluss auf 13.202 Punkte. Dies entspricht einer Veränderung von 2,8 % im Vergleich zur Vorwoche. Auch mit dem Dow Jones ging es im Wochenverlauf auf und ab. Der Leitindex schloss am Freitagnachmittag bei 27.665 Punkten ab, was einem Rückgang um 1,7 % entspricht.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR