Factoring: Mehr Sicherheit, mehr Liquidität

19.01.2021

Von Julia Reichler
Illustration Sven Lubenau

Nicht nur in Krisenzeiten kann Factoring die Liquidität von Unternehmen verbessern. Die alternative Finanzierungsmöglichkeit kann beispielsweise auch das Expandieren erleichtern. Von den größten Vorteilen, einem abgesicherten Cashflow und der Risikominimierung, profitieren jedoch alle gleichermaßen.

Wer nicht bis zu 90 Tage auf den Zahlungseingang einer gestellten Rechnung warten möchte, kann (vereinfacht gesagt) die Forderung verkaufen - an eine Factoring-Gesellschaft. Vorteil hierbei ist, dass das Geld augenblicklich zur Verfügung steht und nicht auf sich warten lässt oder gar „eingetrieben“ werden muss.  Factoring kann man sich also wie eine Art Zwischenfinanzierung vorstellen.

Wie funktioniert Factoring?

Daniel Reuleke
Daniel Reuleke

Zusammengefasst lässt sich Factoring „als regelmäßiger, wiederkehrender Ankauf von Forderungen gegen Zahlung der Forderung und Übernahme des Ausfallrisikos durch den Factoring-Anbieter erklären“, sagt Daniel Reuleke, der sich mit seinem Unternehmen Dynamic Reliance auf alternative Finanzierungsmöglichkeiten spezialisiert hat. Was sich zunächst etwas sperrig liest, bietet vor allem Unternehmen, die schnell wachsen wollen oder unverschuldet (zum Beispiel durch eine globale Pandemie) in Schwierigkeiten geraten sind die Möglichkeit, den finanziellen Spielraum erheblich zu erweitern. „Heute geht ein Unternehmen in der Regel in die Vorfinanzierung. Nehmen wir an, es möchte als Großhändler die neuesten Smartphones weiterverkaufen. Dem Hersteller muss es die Telefone unmittelbar bezahlen. Die Händler, also die eigenen Kunden, wollen die Rechnung oft aber erst dann begleichen, wenn sie die Ware selbst verkauft haben. Verkauft der Großhändler die Forderungen an eine Factoring-Gesellschaft, muss er sich darüber keine Gedanken machen“, so Reuleke.

Die eigene Liquidität entwickelt sich somit 1:1 zum eigenen Umsatz, das Risiko sinkt.

Die Vorteile von Factoring

Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt zeigt sich zudem in Bezug auf die eigene Bilanz: „Wenn die Geschäftsführung mit dem Geld aus den verkauften Forderungen auch zeitnah die eigenen Verbindlichkeiten reduziert, wird die Bilanz verkürzt, was beispielsweise einen positiven Effekt auf die Eigenkapitalquote hat“, erklärt Daniel Reuleke. Neben der höheren Eigenkapitalquote und dem daraus resultierendem besseren Rating entstehen durch Factoring weitere Wettbewerbsvorteile: Die Unternehmen können ihren Kunden beispielsweise längere Zahlungsziele einräumen. Die Risiken sind darüber hinaus abgesichert. Das Geld ist da - egal, ob der Kunde am Ende an die Factoring-Gesellschaft gezahlt hat oder nicht.

Diese Vorteile haben das Factoring für Teja Engel interessant gemacht. Der Geschäftsführer von Nostalgic-Art, einem Unternehmen, das Retro-Blechschilder in 52 Länder verkauft, gibt einen Teil seiner Forderungen an die VR Factoring ab. „Wir wägen gut ab, wen wir an die Factoring-Gesellschaft abgeben“, sagt Teja Engel.

Wenn wir Kunden haben, die sich ein langes Zahlungsziel wünschen, ist das Factoring zum Beispiel eine Win-Win-Situation. Einige unserer ausländischen Exporteure haben das sehr wohlwollend aufgenommen.

Teja Engels hat das Factoring zu Beginn als Absicherung bei Geschäften ins Ausland genutzt. „Ich wollte expandieren und trotzdem ruhig schlafen.“ Inzwischen setzt er es auch bei inländischen Kunden ein. „So kann ich alle Verbindlichkeiten an ein ‚Neutrum‘ abgeben. Und die Bank tritt im Zweifelsfall beim Kunden mit ganz anderer Autorität auf.“

Factoring-Gesellschaften können die Außenstände komplett verwalten – das heißt: Rechnungen und Mahnungen schreiben, die Geldeingänge überwachen oder sogar das Inkassowesen übernehmen. Das spart Zeit, Mühe und Kosten und damit bereits einen Teil der anfallenden Gebühren, die sehr individuell sind und von Umsatz, Bonität, geschätztem Risiko und Arbeitsaufwand abhängen.

Bis vor einigen Jahren kam Factoring nur für Großunternehmen in Frage, doch das hat sich geändert. Inzwischen können schon Selbstständige vom Factoring profitieren. Trotzdem ist diese Finanzierungsmöglichkeit nicht für alle Branchen geeignet – „Projektgeschäft oder auch die Baubranche lassen sich in der Regel nicht abdecken“, erläutert Daniel Reuleke.

Julia Reichler

Über die Autorin

Bild: Julia Reichler

Nach Abitur und Bachelor zog es Julia Reichler aus dem Sauerland gen Süden nach München. Dort arbeitete sie als Journalistin für verschiedene TV-Produktionsfirmen und Sender vornehmlich im Bereich Reportage und Dokumentation. 2013 schloss sie ihr Masterstudium an der Deutschen Journalistenschule und Ludwig-Maximilians-Universität ab. Drei Jahre später zog Julia Reichler wieder in Richtung Heimat, wo sie weiter für verschiedene öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten tätig war.

Seit Februar 2020 ist Julia Reichler PR-Beraterin und Texterin bei siegerbrauckmann.

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