Finanzmärkte: Fed kündigt massives Kreditprogramm an

13.04.2020

Die Corona-Pandemie hat die US-Wirtschaft fest im Griff. Am Donnerstag, dem 9. April, wurde für die vorangegangene Woche erneut ein Anstieg der neuen Arbeitslosenmeldungen um mehr als 6 Mio. gemeldet, in den vergangenen drei Wochen summieren sich die Meldungen auf mehr als 15 Mio. und unterstreichen die Diagnose einer sehr schweren Rezession.

Die Fed reagierte umgehend mit einer Ausweitung ihrer geldpolitischen Sondermaßnahmen. Sie hat ein Programm in Höhe von 2.300 Mrd. Euro aufgelegt, mit dem unter anderem Kredite über Banken an Unternehmen mit bis zu 10.000 Beschäftigten (Main street lending program), Städte, Landkreise und Bundesstaaten mit einer Laufzeit von vier Jahren ausgereicht werden sol-len. Die Absicherung der Kreditrisiken erfolgt mit Mitteln des Finanzministeriums. Auch weitet sie ihre Käufe von Unternehmensanleihen aus. Fed- Gouverneur Jerome Powell kündigte an, die Fed werde ihre Kreditvergabefähigkeit zur Bekämpfung der Pandemie-Folgen „forcefully, proac-tively, and aggressively“ einsetzen.

Derweil hat die Europäische Zentralbank (EZB) umfangreiche Maßnahmen zur Lockerung ihres Sicherheitenrahmens beschlossen, womit Banken der Zugang zur EZB-Liquidität erleichtert werden soll. Unter anderem werden die Haircuts auf die hinterlegten Sicherheiten pauschal um 20 % verringert und so ein höheres Kreditvolumen ermöglicht. Die Geldmarktsätze änderten sich in der vergangenen Woche nur wenig. Der Tagesgeldsatz EONIA notierte am Mittwoch, dem 8. April, bei -0,45 %. Der Dreimonatssatz lag am Donnerstag, dem 9. April, mit -0,22 % 12 Basispunkte höher als in der Vorwoche.

Anleihekurse geben etwas nach

Die zehnjährige Bundesanleihe notierte am Donnerstag, dem 9. April, bei -0,34 %, 11 Basispunkte höher als eine Woche zuvor. In den USA fiel der Anstieg der Zehnjährigen mit rund 13 Basispunkten auf 0,75 % ähnlich aus. Ursache für die nach-gebenden Anleihekurse waren Hoffnungen auf ein baldiges Durchschreiten des konjunkturellen Tiefpunkts. Die Wirtschaftszahlen gaben dies zwar nicht her, wohl aber die aktive und entschlossene Krisenbekämpfung durch Finanzministerien und Notenbanken.

Kein Anstieg der Anleihespreads

Auf dem europäischen Bondmarkt kam es in der vergangenen Woche zu keinem Anstieg der Anleihespreads der Mitgliedstaaten des Euroraums. Aufgrund der massiven Corona-Hilfen wird sich zwar die Staatsschuld in allen Staaten deutlich erhöhen. Besonders stark dürfte der Anstieg jedoch in den bereits hochverschuldeten Staaten ausfallen, insbesondere in Italien. In der Schuldenquote, die die Staatsschuld ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt setzt, dürfte der Unterschied noch stärker zum Ausdruck kommen, da der Wirtschaftseinbruch in Italien noch ausgeprägter aus-fallen wird als in Deutschland. Dennoch sind die Spreads in den vergangenen beiden Wochen recht stabil geblieben.

Zehnjährige italienische Staatsanleihen rentierten am Donnerstag, dem 9. April, 197 Basispunkte oberhalb der deutschen Benchmarkanleihe, portugiesische, spanische und französische Anleihen wiesen Spreads von 125, 115 bzw. 48 Basispunkten auf. Vor dem Beschluss des neuen EZB-Anleihekaufprogramms PEPP, An-fang der zweiten Märzhälfte, hatten die Spreads noch deutlich höher gelegen, in Italien lag er in der Spitze bei 282 Punkten. Die EZB kauft im Gesamtvolumen von 750 Mrd. Euro bis Jahresende Anleihen und hat sich auf die Einhaltung des Länderschlüssels gemäß der EZB-Kapitalanteile nur zum Jahresultimo festgelegt. Die Diskussion über ein europäisches Corona-Hilfsprogramm und die Frage, ob dieses europäische Anleihen mit gemeinschaftlicher Haftung beinhalten wird, bewegte den Rentenmarkt wenig.

Euro etwas fester

Die europäische Gemeinschaftswährung hat in der vergangenen Woche gegenüber dem Greenback an Wert gewonnen. Der EZB-Referenzkurs lag am Donnerstag, dem 9. April, bei 1,09 US-Dollar und damit knapp einen Cent höher als am Ende der Vorwoche.

Aktienmärkte vor Ostern in Feierlaune

Nachdem die Aktienmärkte Anfang April noch ohne klare Richtung tendiert hatten, gerieten sie in der vergangenen Woche in Feierlaune. Hierzu trugen Abschwächungen beim Zuwachs der Corona-Infektionen bei mit der Hoffnung auf eine baldige Lockerung des Shutdowns mit seinen gravierenden ökonomischen Kosten. Den größten Impuls gab am Donnerstag die Fed mit ihrem neuen Belebungsprogramm. Der DAX schloss am Donnerstag, dem 9. April, mit 10.564,74 Punkten, im Vorwochenvergleich entspricht dies einem satten Plus von 11 %. Der Dow Jones stieg um 13 % auf 23.390,77 Punkte.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR