Fed-Präsident kündigt Strategiewechsel an

31.08.2020

Die Finanzmärkte waren in der vergangenen Woche vielfach durch eine positive Grundstimmung geprägt. Hierzu trug nicht zuletzt das mit Spannung beobachtete, erstmals rein virtuell stattfindende Jackson-Hole-Symposions der führenden Notenbanker bei.

Insbesondere die Rede des Präsidenten der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, stand im Fokus der Anleger. Dabei kündigte Powell einen Strategiewechsel für die US-Geldpolitik an. Die Fed wird künftig die Inflations-Zielmarke von 2 % nicht mehr beständig, sondern als ein Durchschnittswert über einen längeren Zeitraum anstreben. Ferner wird das Ziel einer möglichst hohen Beschäftigung ein stärkeres Gewicht erhalten. Powell betonte, dass die Fed bereit sei, bei einer Beschäftigung unter dem Maximalwert, aktiv mit geldpolitischen Werkzeugen gegenzusteuern. Ein Ende der ultralockeren Geld- und Niedrigzinspolitik ist somit kurz- und mittelfristig nicht in Sicht. Neben der Entwicklung der Geldpolitik bleibt die Bewältigung der Coronapandemie nach wie vor ein vorherrschendes globales Thema. Auch US-Präsident Donald Trump beförderte die Stimmung an den Finanzmärkten. Mit seiner Krisenpolitik versucht er sich weiter in eine gute Position für die anstehende US-Wahl zu bringen. So erließ Trump eine Notfallgenehmigung für die Behandlung von an COVID-19 erkrankten Personen mit Hilfe von Blutplasma. Zudem setzte sich der US-Präsident für eine schnellere Genehmigung des Impfstoffs des britischen Pharmaunternehmens AstraZeneca ein. Die Hoffnung auf ein schnelles Finden eines Impfstoffes und eine daran anschließende Lösung der medizinischen Probleme erhielt dadurch neue Impulse. Darüber hinaus trugen auch einige Konjunkturnachrichten zur guten Grundstimmung bei. So stimmten die für die USA und Deutschland vorgenommenen leichten Aufwärtskorrekturen der BIP-Verlaufsraten vom 2. Quartal die Anleger positiv. Ferner sorgten die erneuten Anstiege des Geschäftsklimas für Deutschland und des Wirtschaftsklimas für den Euroraum dafür, dass Anleger mehr Vertrauen in die gesamtwirtschaftliche Entwicklung erlangten (siehe hierzu auch die Ausführungen auf Seite 4). Die Lage bleibt aber weiterhin undurchsichtig. Künftige Rückschläge sind nicht auszuschließen.

Bundesanleihen weniger gefragt

Bundesanleihen und US-Staatsanleihen wurden in der vergangenen Woche wieder etwas weniger stark nachgefragt. Gründe hierfür waren gute Konjunkturnachrichten, die angekündigte Veränderung der geldpolitischen Strategie der Fed sowie Emission von vielen, neuen Staatspapieren. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen stiegen im Wochenverlauf leicht an. Am Freitag, dem 28. August, notierten sie bei -0,41 %, 10 Basispunkte unter ihrem Vorwochenultimo. Zehnjährige US-Staatanleihen gaben im Wochenvergleich um 9 Basispunkte auf 0,73 % nach.

Hurrikan Laura treibt den Ölpreis

Die Entwicklungen an den Ölmärkten wurden zuletzt auch von der Zerstörungskraft des Hurrikans „Laura“ geprägt. So befinden sich auf der Route des Hurrikans entlang der Golfküste der USA wichtige Öl-Produktionsgebiete sowie -Förderanlagen. Eine großräumige Zerstörung und ein damit einhergehender Angebotsrückgang könnte die Ölpreise in den kommenden Tagen weiter steigen lassen. Zum Wochenabschluss notierte die Ölsorte Brent bei 45,12 US-Dollar pro Barrel, 71 Cent mehr als zum Ende der Vorwoche. WTI verteuerte sich um 0,64 Cent auf 42,96 US-Dollar pro Barrel.

Euro mit neuer Power

Das Devisenmarkt-Geschehen wurde in der letzten Woche von der Verlautbarung bezüglich der weiteren Strategie der Fed beeinflusst. Nach den Ankündigungen des Fed-Präsidenten und der damit verbundenen Aussicht auf ein langanhaltend niedriges US-Zinsniveau, stieg der Kurs des Euros gegenüber dem US-Dollar merklich an. Die Gemeinschaftswährung beendete die Woche auf einen Stand von 1,19 US-Dollar. Sie ist damit binnen Wochenfrist um 1 Cent gestiegen.

DAX zieht wieder an

Beflügelt von der positiven Grundstimmung und im Fahrwasser der anhaltenden Tech-Rally in den USA ist auch der Deutsche Leitindex DAX gestiegen. Unter anderem sorgten die angekündigten Aktiensplits von Apple und Tesla sowie das künftige Dow Jones Unternehmen Salesforce im US-Markt für Wachstumsimpulse an den Börsen. Der DAX kletterte im Wochenverlauf auf 13.033 Punkte, was einem deutlichen Wochenplus von 2,1 entspricht. Ähnliche Werte erreichte der DAX zuletzt Ende Februar 2020. Der Dow Jones stieg im Wochenvergleich sogar um 2,6 % auf 28.653 Punkte.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR