Fed-Protokoll sorgt für Nervosität an den Märkten

24.08.2020

Die Aktienmärkte waren in dieser Woche von Besorgnis und Volatilität geprägt. Das Protokoll der letzten Sitzung der US-Notenbank unterstrich nochmals deutlich, dass eine wirtschaftliche Erholung der USA maßgeblich von der weiteren Entwicklung der COVID-19-Pandemie abhängig ist.

Auch die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosengeld stiegen zuletzt wieder über die Schwelle von 1 Mio. Amerikanern. Auch die Zahl der Insolvenzen im Zuge der Rezession steigt langsam aber deutlich. Die Signalwirkung ist eindeutig, die Krise kann noch lange nicht abgehakt werden. Die wirtschaftliche Entwicklung in China gerät ebenfalls erneut ins Stocken. Da halfen die positiven Daten der verbesserten Auftragseingänge in Deutschland kaum über die pessimistische Stimmung hinweg. Diese Gemengelage schürte bei den Marktteilnehmern Besorgnis, dass die Börsen der wirtschaftlichen Erholung bereits zu weit vorausgeeilt waren. In der Folge agierten viele Anleger zurückhaltend (Risk-off). Auch geopolitisch verändert sich rund 70 Tage vor der Wahl die Risikolage. Der Wahlkämpfer Donald Trump heizt den Handelskonflikt zwischen den USA und China erneut an. Nachdem auch Kanada neue Zölle verspüren musste und Deutschland wegen Nord-Stream 2 wiederholt sehr deutlich gedroht wurde, sollte für die restliche Zeit bis zum 3. November mit weiteren Angriffen auf den Freihandel zu rechnen sein. Es darf nicht verwundern, wenn auch die Autozölle wieder auf die Tagesordnung kommen.

Während die Pandemie somit insbesondere Nordamerika weiterhin fest im Griff hat, steigen auch in Europa die Fallzahlen weiter an. Der Reiseverkehr über die Sommermonate sorgt anhaltend für höhere Infektionszahlen. Entsprechend werden wieder vermehrt Reiseländer und auch Städte wie Brüssel zu Risikogebieten erklärt. Der Anteil der Reiserückkehrer unter den Neuinfizierten unterstützt diese Vorgehensweise. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung die Kontrolle über die Infektion behalten. Dies ist Voraussetzung für das Vermeiden eines erneuten Lockdowns. Das ohnehin zarte Pflänzchen der konjunkturellen Erholung würde erdrückt werden. Aber auch ohne neuen Lockdown wird eine Rückkehr auf das Vorkrisenniveau weiterhin längere Zeit in Anspruch nehmen – die Märkte stehen vor einem volatilen Herbst.

Safe Haven wanted!

Bundesanleihen wurden in der vergangenen Woche wieder vermehrt gesucht. Aber auch USTreasuries standen im Fokus der Anleger. Die Befürchtungen vor den Folgen einer zweiten Welle der Pandemie, aber auch der sich immer deutlicher abzeichnenden wirtschaftlichen Folgen sorgten für einen Wechsel von Optimismus, hin zu mehr Pessimismus – also Risk-off. Die Renditen sanken entsprechend im Wochenverlauf. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Freitag, dem 21. August, mit -0,508 %. Das US-Pendant ging mit einer Rendite von 0,636 % auf.

Ölpreis fehlt Fantasie

Unter anderem die nach wie vor die schwierige Lage im Reise- und Flugverkehr lastet auf dem Ölmarkt. So sorgte Nachfragemangel, die erneute Erklärung von Reisezielen zu Risikogebieten, sowie das Ende der Ferienzeit dazu, dass unter anderem TUI und Ryanair Verbindungen strichen. Auch die anhaltende Coronakrise und die darauf resultierende schleppende Erholung der Konjunktur und die damit zusammenhängende pessimistische Sichtweise der OPEC lastet auf den Ölpreis. Zum Wochenende kostete daher die Ölsorte Brent 44,35 Dollar pro Barrel, WTI lag mit 42,34 Dollar pro Barrel etwas darunter.

Luft raus an den Aktienmärkten?

Geopolitische Unsicherheiten und die Auswirkungen der Coronapandemie drückten den DAX zum Ende der abgelaufenen Woche, nachdem er am Dienstag, dem 18. August, noch die Marke von 13.000 Punkten übersprungen hatte. Bis zum Wochenschluss fiel er auf 12.764 Punkte. Dies entspricht einem Minus von etwa 1 % im Wochenverlauf. Ein ähnliches Bild spiegelt sich auch im Dow Jones wider, welcher jedoch am Freitag sein Wochenminus nahezu ausgleichen konnte und mit 27.930 Punkten abschloss. Insbesondere Apple sorgte in der vergangenen Woche für Schlagzeilen, da der Konzern seine Börsenkapitalisierung seit dem Tief im Frühjahr 2020 auf 2 Bio. US-Dollar verdoppelte.

US-Dollar mit Wochengewinn

Der Euro präsentiert sich im Vergleich zum Dollar nach wie vor in einer starken Verfassung. Nachdem am Dienstag noch ein 52-Wochen-Hoch mit 1.196 Dollar pro Euro erreicht wurde, fiel der Kurs zum Wochenschluss. Grund hierfür ist, dass die Fed laut Protokoll an ihrer Strategie festhält und trotz Unsicherheit (noch) keine weiteren Maßnahmen zu erwarten sind. Für einen Euro mussten am Freitag, dem 21. August, knapp 1,18 USDollar gezahlt werden.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR