Finanzmärkte: Fed senkt wegen Corona-Krise ihren Leitzins

10.03.2020

In der zurückliegenden Woche gehörten die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie abermals zu den wichtigsten Themen an den Finanzmärkten.

Nach jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden inzwischen aus 101 Staaten der Welt über 105.000 bestätigte Coronavirus-Fälle gemeldet, darunter rund 800 aus Deutschland. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) korrigierte in der vergangenen Woche wegen der Virus-Krise ihre Prognose für das globale Wirtschaftswachstum 2020 um beachtliche 0,5 Prozentpunkte nach unten und betonte zudem die bestehenden konjunkturellen Abwärtsrisiken. Der Internationalen Währungsfonds (IWF) sieht in dem Virus-Ausbruch ebenfalls ein ernsthaftes Risiko für die globale Wirtschaft.

Vor dem Hintergrund der durch die Coronavirus- Ausbreitung zunehmenden ökonomischen Risiken beschloss die US-Notenbank Fed eine weitere geldpolitische Lockerung. Einem Paukenschlag gleich, senkte sie am 3. März ihren Leitzins unerwartet schnell und deutlich, um 50 Basispunkte. Der Zins befindet sich nun in einer Spanne von 1,0 bis 1,25 %. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) und anderen Notenbanken sowie die Finanzminister der G7-Staaten signalisierten die Bereitschaft, gegebenenfalls Maßnahmen gegen einen Konjunktureinbruch zu ergreifen. Die EZB könnte bei ihrer nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag, dem 12. März, ebenfalls weitere geldpolitische Lockerungen beschließen. Sie könnte beispielsweise zusätzliche günstige Langfristkredite (TLTRO) an Banken vergeben, zur Stützung der Kreditvergabe an kleinere und mittlere Unternehmen. Auch eine nochmalige Senkung des Einlagezinssatzes, der derzeit bei -0,5 % liegt, ist denkbar.

Angesichts der anhaltenden Virus-Sorgen setzte sich an den Märkten der Trend fort, Finanzmittel in als sicher geltende Häfen wie Bundesanleihen und US-Staatsanleihen umzuschichten. Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten am Freitag, dem 6. März, bei rund -0,73 % und damit 12 Basispunkte unter ihrem Vorwochenultimo. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel nach dem Fed-Zinsentscheid erstmals in ihrer Geschichte unter die Marke von 1 %. Sie gab im Wochenvergleich um deutliche 42 Basispunkte auf etwa 0,71 % nach.

Ölpreise weiter unter Druck

Bei den Rohölpreisen setzte sich der Abwärtstrend im Zuge der Virus-Krise fort. Nordseeöl der Sorte Brent hat sich im Wochenvergleich zwar leicht verteuert, um etwa 80 Cent auf 51,3 USDollar. Grund hierfür dürfte jedoch vor allem der gestiegene Eurowechselkurs gewesen sein. USRohöl der Sorte WTI gab hingegen deutlich um rund 3,7 US-Dollar auf 41,1 Dollar nach. Maßgeblich für den weiteren Rückgang war unter anderem eine aktuelle Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA). Gemäß der Prognose wird der weltweite Ölverbrauch im 1. Quartal, erstmals seit zehn Jahren, sinken. Auch die Aussicht, dass sich Vertreter der sogenannten Opec-Plus-Staaten bei einem Treffen in Wien darauf einigen könnten, ihre Förderung erneut zu kürzen, stabilisierte die Ölpreise zunächst nicht. Die Einigung scheiterte letztlich am Veto Russlands.

Eurokurs erneut fester

Der Eurokurs zeigte sich nach der überraschenden US-Leitzinssenkung gegenüber dem US-Dollar erneut fester. Die Gemeinschaftswährung scheint angesichts der zunehmenden Coronavirus- Risiken stärker als sicherer Hafen gefragt zu sein. Eine deutliche Leitzinssenkung wie in den USA ist im Euroraum nicht zu erwarten, da die Leitzinsen im Währungsraum bereits ausgesprochen niedrig sind. Die US-Notenbank kann jedoch noch weitere Zinssenkungen vornehmen, sodass der Zinsvorteil des US-Dollars gegenüber dem Euro weiter schwinden könnte. Nach EZB-Angaben lag der Eurokurs am Freitag, dem 6. März, bei knapp 1,13 US-Dollar. Er ist damit binnen Wochenfrist um etwa 3 Cent gestiegen.

Stabilisierungstendenzen an den Börsen

Nach den massiven Kursverlusten der Vorwochen hat sich die Stimmung an den Aktienmärkten in der zurückliegenden Woche etwas gefestigt. Zwar zeigte die Zinssenkung in den USA zunächst nur wenig Wirkung. Der Dow Jones schloss unmittelbar nach der Zinsentscheidung fast 3 % tiefer. Jedoch verstärkte sich die Hoffnung auf weitere Hilfen durch Notenbanken und Staaten. Belastend auf die Marktstimmung wirkten hingegen Nachrichten wie jene, dass wegen der Virus- Epidemie in Italien Schulen und Universitäten vorübergehend geschlossen werden und dass die Fluggesellschaft Lufthansa im März 7.000 Flüge aussetzen wird. Der DAX sank im Wochenvergleich um 2,9 % auf 11.541 Punkte. Der Dow Jones stieg hingegen um 1,8 % auf 25.864 Punkte, befördert auch durch überraschend günstige US-Arbeitsmarktdaten.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR