Finanzmärkte: Fed zeigt Märkten die Realität auf

15.06.2020

Die US-Notenbank Fed hat auf ihrer letzten Sitzung in der vergangenen Woche keine Änderung der Geldpolitik vorgenommen.

Damit bleibt der Leitzins weiterhin in der Spanne von 0 bis 0,25 %. Gleichzeitig präzisierte die Notenbank den Ausblick auf die Anleihekäufe etwas. Sie wird in den nächsten Monaten weiterhin Staats- und Hypothekenanleihen kaufen und zwar mindestens im aktuellen Tempo. Hinweise zum Zeitraum und dem Volumen bleibt die Fed jedoch schuldig. Dies erklärt sich auch anhand der neuen Projektionen für die US-Wirtschaft. Für die Jahre 2021 und 2022 wird ein überdurchschnittliches Wachstum erwartet. Allerdings ist der Einbruch im aktuellen Jahr so stark, dass erst im Laufe des Jahres 2022 das Vorkrisenniveau des Bruttoinlandsproduktes wieder erreicht werden wird. Damit ist ein V-förmiger Verlauf der Krise in der Projektion nicht mehr zu erkennen. Entsprechend werden auch die Arbeitslosenquote und die Inflation – zwei weitere für die Fed-Politik relevante Kenngrößen – nicht vor 2022 ihren Zielwerten annähern. Damit einhergehend ist auch der US-Leitzins noch mindestens bis Ende 2022 nicht über das aktuelle Niveau von quasi 0 % hinaus zu erwarten. Jerome Powell unterstrich dies mit der Aussage: „Wir denken nicht mal daran, über eine Zinserhöhung nachzudenken.“ Im Gegenteil die Prognose ist von hohen Abwärtsrisiken begleitet. Das für die Wirkung der Geldpolitik wichtige Vertrauen der Verbraucher und Unternehmen ist fragil und hängt auch an der Entwicklung der Pandemie. Das in 20 US-Bundesstaaten die Infektionszahlen wieder steigen, ist für den Aufbau von Vertrauen und somit der Konsum- und Investitionsstimmung kein gutes Zeichen. Sollte die Fed zu weiteren Maßnahmen gezwungen werden, lässt sich aus den aktuellen Verlautbarungen weniger ein weiterer Zinsschritt ableiten. Vielmehr könnte der nächste Schritt ein Renditeziel, konkret eine Renditegrenze für Staatsanleihen umfassen. Gewährleistet durch ein unbegrenztes Ankaufprogramm für Staatsanleihen.

Die Deutlichkeit mit der die Fed aufzeigte, dass es zu keinem V-förmigen Verlauf des Wirtschaftseinbruchs kommen wird, bringt die Kapitalmärkte auf den Boden der Tatsachen zurück. Der Optimismus der letzten Wochen scheint auf tönernen Füßen zu stehen. Weitere Rückschläge sind wahrscheinlich.

Risk-off auch bei Staatsanleihen

Für Staatsanleihen bester Bonität sorgten die Aussagen der Fed für eine erhöhte Nachfrage. In der Folge stiegen die Kurse von US-Treasuries und Bundesanleihen – Renditen fielen entsprechend. Zehnjährige Bunds rentierten am Freitag mit - 0,44 %. Zehnjährige US-Treasuries wiesen eine Rendite von 0,71 % auf. Gleichzeitig steigt das Risiko einer zweiten Pandemiewelle Insbesondere Zahlen aus Peking. Sollten entsprechende Meldungen in den kommenden Tagen zunehmen, ist davon auszugehen, dass sich das Risk-off-Verhalten verstärkt. Zwar könnten energische Maßnahmen gerade in China dafür sorgen, dass ein Vertrauen in die Institutionen im Kampf gegen Corona gestärkt wird – was für höhere Risikoaffinität der Marktteilnehmer sprechen würde. Gleichzeitig schwingt immer die Fragilität der aktuellen Lage mit und das Risiko einen größeren Ansteckungsausbruch durch erneute Lockdown-Maßnahmen zu begegnen.

Risk-off auch am Ölmarkt

Die Risikoaversion – ausgelöst durch die Fed – ließ sich auch am Ölmarkt feststellen. Die Aussichten auf eine länger anhaltende Durststrecke der größten Volkswirtschaft sorgt für Sorgen einer schwächeren Nachfrage. Entsprechend deutlich vielen die Ölpreise im Wochenverlauf. Sowohl Brent als auch WTI gaben seit Montag vergangener Woche um etwa 9 % nach. Auch die hohen US-Lagerbestände deuten auf eine schwache Nachfrage hin und unterstreichen den Preisrückgang. So notierte WTI am Freitagabend bei 36,54 US-Dollar und Brent bei 39,04 US-Dollar pro Barrel. Die Gewinne, welche seit Anfang Juni generiert wurden, sind somit wieder aufgezehrt worden.

Der Boden der Tatsachen…

… muss noch gefunden werden. Die letzte Handelswoche hat den Marktteilnehmern schmerzlich aufgezeigt, dass die Erholung seit dem Corona bedingtem starken Einbruch zu optimistisch verlaufen ist. Erst nach und nach kann eingeschätzt werden, wie groß die Schäden in der Wertschöpfung durch den Virus und den Lockdown wirklich sind. Den vielen vorhandenen Warnungen hat nun erst die Fed ein Gewicht verliehen – ergänzt um Abwärtsrisiken bei einer zweiten Pandemie-Welle. Sollten die Meldungen aus Peking zum erneuten Ausbruch dramatischer werden, ist von einem weiteren Ausverkauf auszugehen. Am Freitag schloss der DAX mit einem Wochenminus von rund 7 % bei 11.949 Punkten. Der Dow Jones verlor 5,5 % auf 25.606 Punkte.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR