Finanzmärkte: Finanzmärkte im Banne des Coronavirus

02.03.2020

Das Geschehen an den Finanzmärkten wurde in der vergangenen Woche erneut stark durch das Coronavirus beeinflusst, dass sich auch hierzulande weiter ausbreitete.

Nach Auffassung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn befindet sich Deutschland am Beginn einer Coronavirus- Epidemie. Ein nationaler Krisenstab nahm seine Arbeit auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verzeichnete weltweit knapp 100.000 Infektionen. Die größten Infektionsherde außerhalb Chinas sind nach WHO-Angaben Südkorea, Iran und Italien.

Mit der Ausbreitung der Infektionen sind die Sorgen um die globale Wirtschaftsentwicklung gestiegen. Nicht nur in China, auch in anderen Staaten wurden konjunkturstützenden Maßnahmen vorgenommen oder angekündigt. Beispielsweise kündigte die Hongkonger Regierung unter anderem an, jedem erwachsenen Einwohner umgerechnet gut 1.100 Euro auszuzahlen. Auch USPräsident Donald Trump stellt neue Steuersenkungen in Aussicht. Stützend auf die Investorenstimmung wirkten zudem Medienberichte, dass Bundesfinanzminister Olaf Scholz die deutsche Schuldenbremse vorübergehend lockern wolle, um stark überschuldete Kommunen durch den Bund wirksam entlasten zu können. Durch höhere staatliche Ausgaben könnte der dämpfenden Wirkung der Epidemie entgegengewirkt werden. Zudem keimte verstärkt die Hoffnung auf, dass die US-Notenbank Fed ihren Leitzins wegen des Coronavirus-Krise senken könnte. Auch die EZB und die Notenbanken von China und Japan könnten ihre Geldpolitiken weiter lockern.

Wegen der Virus-Sorgen wurden die Staatsanleihen Deutschlands und der USA als mutmaßlich „sicherer Hafen“ stärker nachgefragt. Die Rendite von Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit lag am Freitag, dem 28. Februar, bei rund -0,61 %. Sie gab im Wochenvergleich um deutliche 18 Basispunkte nach. Der Renditeverfall bei zehnjährigen US-Staatsanleihen fiel noch stärker aus. Deren Rendite sank binnen Wochenfrist um 34 Basispunkte auf knapp 1,13 %.

Rohölpreise sinken

An den Rohölmärkten blieb die Coronavirus-Krise ebenfalls ein zentrales Thema. Viele Marktakteure befürchten, dass wegen virenbedingter Produktionsbeeinträchtigungen und Reisebeschränkungen die Ölnachfrage weltweit einbre-chen könnte. Der Preis für Brentohöl fiel im Wochenvergleich um 6,3 Cent auf rund 51,9 US-Dollar, WTI-Rohöl verbilligte sich zeitgleich um 8,5 Cent auf etwa 44,8 US-Dollar.

Euro gewinnt an Wert

Der Eurokurs erhielt durch die verstärkten Spekulationen auf Leitzinssenkungen in den USA Unterstützung. Befördert wurde die Gemeinschaftswährung auch durch gute Konjunkturdaten aus dem Euroraum. So ist der ifo Geschäftsklimaindex für Deutschland im Februar nicht wie von Fachleuten überwiegend erwartet gesunken, sondern leicht um 0,1 auf 96,1 Punkte gestiegen. Auch das von der EU-Kommission für den Euroraum ermittelte Wirtschaftsklima Euroraum legte zu, um 0,9 auf 103,5 Punkte. In den USA ist der vom Conference Board ermittelte Index des Verbrauchervertrauens im Februar zwar um 0,3 Punkte auf 130,7 Punkte gestiegen. Der Auftragseingang langlebiger Güter ist in den USA jedoch zuletzt, im Januar, etwas gesunken. Der Eurokurs lag am Freitag, dem 28. Februar, bei gut 1,10 US-Dollar. Er ist somit gegenüber dem Freitag der Vorwoche um 2 Cent gestiegen.

Aktienkurse brechen ein

An den Börsen herrschte in der vergangenen Woche Ausverkaufsstimmung. Die zunehmenden Ängste vor den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus ließen die Aktienkurse weiter zurückgehen. Belastend wirkte zudem die Spannungen zwischen der Türkei und Syrien, die zum Ende der Woche nach einem Luftangriff in Nordsyrien – bei dem über 30 türkische Soldaten starben – deutlich zugenommen haben.

In Reaktion auf den Angriff bat die türkische Regierung um militärische Unterstützung von Seiten der NATO, die jedoch nicht gewährt wurde. Der DAX fiel auf Wochensicht so stark wie seit der globalen Rezession 2008/2009 nicht mehr. Er schloss die Handelswoche mit 11.890 Punkten ab und gab damit gegenüber dem Vorwochenultimo um deutliche 12,4 % nach. Der Dow Jones ging im Wochenvergleich ebenfalls um 12,4 % zurück, auf 25.409 Punkte.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR